Jugendliche lernten die Schäden kennen, die Plastikmüll anrichtet. © Iris Möbius

Dem Plastikmüll auf der Spur

Fr, 23.12.2016

Wie viel Plastikmüll liegt in unseren Flüsssen und Bächen? Bundesweit haben sich von September bis November Schulklassen auf die Suche gemacht. Im KOMMUNAL-Gastbeitrag erklärt Iris Möbius vom Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016/2017 was die Jugendlichen untersucht und gefunden haben.

Text: Iris Möbius Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Weltmeeren. Dort stellt er ein massives ökologisches Problem dar. Die Verantwortung dafür tragen aber alle, nicht nur die Küstenkommunen. Denn ein Großteil des Mülls stammt aus dem Binnenland. Bäche und Flüsse durchqueren Deutschland und nehmen alles mit, was hineingeworfen oder achtlos am Ufer liegen gelassen wird. Die meisten dieser Flüsse münden ins Meer und damit hat jeder einen Anteil an der Verschmutzung der Ozeane.

Plastikmüll und das Wissenschaftsjahr 2017

Dieses Problem anzugehen, hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Wissenschaftsjahr 2017 – „Meere und Ozeane“ zur Aufgabe gemacht. Es fördert die Erforschung von Ursachen und Wirkungen der Plastikmüll-Verschmutzung mit 28 Millionen Euro. Außerdem möchte es die breite Öffentlichkeit für die Thematik sensibilisieren. Dazu wurde die Jugendaktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!“ ins Leben gerufen.

Die Plastikpiraten sind dem Plastikmüll auf der Spur. © Iris Möbius

Bundesweit haben Schulklassen und Jugendgruppen im Zeitraum vom 16. September bis zum 18. November deutsche Fließgewässer untersucht, um eine wichtige Wissenslücke zu schließen. Denn wie stark unsere Flüsse und Bäche mit Plastikmüll verschmutzt sind, ist noch weitgehend unerforscht. Die Kieler Forschungswerkstatt wertet die von den Jugendgruppen erhoben Daten aus. Ziel ist es, herauszufinden, wo es wie viel Müll gibt, wie sich die Plastikbelastung von der Quelle bis zur Mündung verändert und ob das von der Fließgeschwindigkeit abhängt. Das Interesse an der Aktion war riesig: Mehr als 800 Pädagogen haben die kostenfreien Lern- und Arbeitsmaterialien bestellt, die eigens für die Aktion konzipiert wurden. Auch Sally Rentsch vom Amt für Jugendarbeit, Sport und Soziales im südthüringischen Saalfeld war sofort begeistert. „Wir finden es sehr wichtig, nachhaltige Themen mit Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten und sie zu motivieren, selbst im Umweltschutz aktiv zu werden,“ erklärt sie ihre Entscheidung zur Teilnahme mit einer Jugendgruppe.

Die Jugendlichen entwickelten ein neues Verhältnis zum Plastikmüll. © Iris Möbius

An zwei Tagen Mitte Oktober war es dann soweit. Die Saalfelder „Plastikpiraten“ bezogen Station auf den Saalewiesen. Gemeinsam steckten sie Flächen am Ufer ab, auf denen sie allen Müll sorgfältig dokumentierten. Sie suchten nach Ansammlungen von Müll und hielten nach Gegenständen Ausschau, die im Wasser schwimmen. Mit einem speziellen Netz haben sie auch untersucht, ob Mikroplastik im Saalewasser gen Meer treibt. Denn die Saale fließt in die Elbe, die dann 400 km vom Untersuchungsort entfernt in die Nordsee mündet. Die Gruppe war eine bunt gemischte Truppe von Jugendlichen aus mehreren Institutionen, darunter das Christliche Jugendzentrum, der Kinder- und Jugendausschuss, das BZ Jugendzentrum, das Jugend- und Stadtteilzentrum der Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein, die Jettina-Schule Gorndorf und die Jugendredaktion des Bürgerradios SRB. Diese Kooperation von verschiedenen Einrichtungen ist ein weiterer wertvoller Aspekt der Aktion. Die Mädchen und Jungen, die sich hier in den Herbstferien zusammenfanden, um zu erforschen, wie es um die Plastikbelastung der Saale steht, könnten unterschiedlicher nicht sein. Das gemeinsame Ziel vereint  Förderschüler mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung und Gymnasiasten. „Das ist Integration,“ lobt die Sonderpädagogin Renate Röder von der Jettina-Schule.

Iris Möbius vom Berliner Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016/2017 © Iris Möbius

Was sie an und in der Saale alles so gefunden haben, schockierte die Jugendlichen: Plastikflaschen, Verpackungen und sogar ein paar Flip-Flops entdeckten sie am Ufer. „Das hat mir die Augen geöffnet“, meinte der 15-jährige Justin beim Anblick all des gesammelten Mülls. In Zukunft will er mehr darauf achten, wie er mit Plastikabfällen umgeht. Er ist nicht der Einzige. Sally Rentsch berichtet, dass sich eine Projektgruppe gebildet hat, die künftig einen Teil der Ferien nutzen möchte, um weitere Nachhaltigkeitsthemen anzugehen. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Bürger an aktueller Forschung beteiligen können und wie erfolgreich Citizen-Science-Aktionen wie die „Plastikpiraten“ im kommunalen Bereich sind. „Sie sind entscheidend für den Bildungs- und Schulstandort Saalfeld,“ so Bürgermeister Graul. „Wissenschaft findet nicht nur an Universitäten und in Forschungsinstituten statt. Das beste Labor ist die Natur selbst.“ Aber Graul weiß auch, dass das Ziel noch lange nicht erreicht ist. Er betont, dass es „das Ziel der Stadtverwaltung ist, weiterhin für das Thema zu sensibilisieren. Es gilt, das Bewusstsein aller zu schärfen und da werden wir nicht müde.“

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