Studie zur Bevölkerung bis 2045
Demografie 2026: Bayern vorn, der Osten driftet auseinander
Deutschlands Regionen entwickeln sich weiter auseinander: Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat die fünfte Ausgabe der Studie „Die demografische Lage der Nation“ vorgelegt. Sie bewertet alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte anhand von 26 Indikatoren aus den Dimensionen Demografie, Wirtschaft, Bildung sowie Soziales und Familienfreundlichkeit.
Bayern dominiert das Ranking der 400 Kreise
Das Ergebnis fällt für die Spitze eindeutig aus. Den ersten Platz belegt der Landkreis Unterallgäu mit der Gesamtnote 2,40, gefolgt von den Landkreisen München (2,48), Ebersberg (2,49) und Pfaffenhofen an der Ilm (2,52). 18 der 20 bestplatzierten Kreise liegen in Bayern, 2019 waren es zwölf. Nur Biberach und Böblingen halten die Fahne für Baden-Württemberg hoch. Das Land stellt nur noch zwei statt sieben Regionen unter den besten 20.
Am Ende der Tabelle stehen ostdeutsche Landkreise und Ruhrgebietsstädte
Das Schlusslicht bildet der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt mit der Note 4,76, davor liegen Delmenhorst (4,51), Oberhausen (4,49) und Wilhelmshaven (4,46). Zwölf der 20 schwächsten Kreise und Städte liegen in Ostdeutschland, 2019 waren es fünf. Unter den letzten 100 Plätzen stellt der Osten mit 44 Kreisen die größte Gruppe. Die positive Entwicklung, die viele ostdeutsche Regionen zwischen 2004 und 2019 im Index gezeigt hatten, setzt sich damit nicht überall fort.
Die Studie warnt allerdings vor einer simplen Ost-West-Lesart. Unter den 100 letztplatzierten Regionen finden sich 35 dünn besiedelte ländliche Kreise, daneben aber auch Großstädte wie Bremen, Duisburg, Dortmund, Lübeck, Salzgitter und Kaiserslautern. „Schrumpfung ist kein ostdeutsches Phänomen”, sagt Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann.

Bevölkerungsprognose bis 2045: Die Schere öffnet sich weiter
Bis 2045 dürfte die Bevölkerung Deutschlands auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken, 1,7 Millionen weniger als Ende 2025. Gut zwei Drittel aller Kreise verlieren Einwohnerinnen und Einwohner. 184 Kreise verlassen dabei ihren bisherigen Entwicklungspfad und müssen künftig erstmals mit Rückgängen rechnen. Hinter dem Rückgang stehen zwei Größen, die sich seit 2019 beide ungünstig entwickelt haben: Zum einen sind die Geburtenzahlen gesunken, zum anderen zuletzt auch die Zuwanderung. Die Prognose unterstellt entsprechend eine geringere Nettozuwanderung als frühere Vorausberechnungen.
Die regionale Spanne wächst dramatisch: Lagen zwischen stärkstem Zuwachs und größtem Rückgang zwischen 2014 und 2024 noch 23 Prozentpunkte, sind es bis 2045 voraussichtlich 47,5 Prozentpunkte. Die stärksten Verluste erwarten Suhl mit minus 30,4 Prozent sowie die südthüringischen Landkreise Sonneberg (minus 29,8 Prozent) und Hildburghausen (minus 27,2 Prozent). An der Spitze steht ausgerechnet ein ostdeutscher Kreis: Dahme-Spreewald im Berliner Umland wächst um rund 17 Prozent.
Altersstruktur: Jeder Kreis altert anders
Für die kommunale Planung relevanter als die reine Kopfzahl ist die Altersstruktur. Bundesweit wächst die Zahl der über 67-Jährigen bis 2045 um 14,5 Prozent, die Zahl der unter 20-Jährigen sinkt um 10,6 Prozent, die Erwerbsbevölkerung zwischen 20 und 67 Jahren schrumpft um 4,7 Prozent.
Vor Ort fällt das höchst unterschiedlich aus. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen geht die Zahl der Älteren bereits zurück, weil dort schon heute besonders viele ältere Menschen leben. Besonders stark altern dagegen westdeutsche Kreise wie Freising, Ebersberg, Borken, Vechta oder Cloppenburg. Bei der Erwerbsbevölkerung legen Leipzig, Potsdam, Berlin, Regensburg und Offenbach noch um 10 bis 24 Prozent zu, während mehr als zwei Drittel der Kreise mit Verlusten über zehn Prozent ländlich geprägt sind.

Was der demografische Wandel für Kommunen bedeutet
Der Anpassungsdruck trifft Kommunen doppelt: Wo die Zahl der Kinder sinkt, verändert sich der Bedarf an Kitas und Schulen, wo die Zahl Älterer wächst, steigt der Bedarf an Pflege, Gesundheitsversorgung und altersgerechter Infrastruktur. Zugleich stehen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung, um diese Angebote überhaupt aufrechtzuerhalten.
„Demografische Lage der Nation“: Bundesländer-Vergleich
Im Länderranking führt erstmals Hamburg (2,74) vor Bayern (2,80) und Baden-Württemberg (2,94). Größter Aufsteiger ist Brandenburg, das um fünf Plätze auf Rang fünf vorrückt. Thüringen fällt von Rang sieben auf 13 zurück. Das stärkste Bevölkerungswachstum im Ländervergleich erwartet die Studie für Berlin mit einem Plus von 9,5 Prozent bis 2045.
Die „Demografische Lage der Nation” erscheint seit 2004, zuletzt 2019. Die aktuelle Ausgabe stützt sich auf eine eigens erstellte Regionalprognose des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft bis 2045. Alle Kreisergebnisse sind über das Online-Tool demografischelage.de abrufbar.


