Digitalpakt: Idee gut, Praxis mangelhaft
Anschubfinanzierung macht noch keinen guten Digitalpakt
Noch größer erscheint mir aber Problem Nummer 3: Die fünf Milliarden Euro, die der Bund nun zur Verfügung stellen will, wollen erst einmal verteilt werden. Mal schauen, wie bürokratisch das wird und wie viel Geld am Ende wirklich in unseren Schulen vor Ort ankommt. Rein rechnerisch wären es immerhin knapp 25.000 Euro für eine durchschnittliche Schule (pro Jahr, gestaffelt auf 5 Jahre). Das klingt gut. Für zwei bis drei Klassensätze mit Laptops oder Tablets wird es reichen.
Aber was ist eigentlich mit der Infrastruktur? Sprich, die WLAN-Leitung, die Wartung der Geräte und der Technik? Ich würde mich nicht wundern, wenn - mangels Geld für einen Wartungsvertrag - diese Arbeit wieder mal auf unseren Lehrern hängenbleibt. Also auf die wenigen, die bereit sind, sich damit (zusätzlich zu ihrem Unterricht) auseinanderzusetzen und Zeit und Arbeit zu investieren.
Gewarnt seien auch alle, die nun glauben, durch die Digitalisierung würden künftig weniger Lehrer gebraucht, die Technik werde es schon richten. Das Gegenteil wird der Fall sein - ohne hervorragend ausgebildete Lehrer wird es keine digitale Schule geben. Natürlich kann Technik den Lehrern Arbeit abnehmen - etwa bei der Organisation des Unterrichts, beim Aufbereiten des Stoffs. Für Fragen, für Antworten, für Gespräche wird der Lehrer aber auf lange absehbare Zeit weiter im Mittelpunkt stehen (müssen).
Der Digitalpakt steht - und jetzt?
Kurzum: 5 Milliarden Euro können ein Anfang sein, der große Wurf, wie es uns die Politik gerade verkaufen will, ist das nicht! Im Gegenteil: Der Bund wirft einmalig Geld in einen Topf und die Kommunen vor Ort müssen damit nun gestalten. Nur wird dieses "Gestalten" ein Vielfaches von dem kosten, was an Geld vom Bund zur Verfügung steht. Die Länder sind hier also in der Pflicht, mit Rahmenbedingungen, mehr Lehrern, guten Fortbildungen, sinnvollen veränderten Lehrplänen und modernen Lernumgebungen dafür zu sorgen, dass der Digitalpakt auch mit Leben gefüllt wird. Sonst wird das Geld wieder einmal versacken ohne eine wirklich bessere Bildung zu bringen.