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Kooperation

Mehr Fördermittel durch Partnerschaften

von Christian Reinboth
Gastautor | Hochschule Harz
19. August 2025
Der „Matthäus-Effekt“ benachteiligt gerade kleine Städte und Gemeinden. Christian Reinboth von der Hochschule Harz ruft in seinem KOMMUNAL-Gastbeitrag zu einer besseren Vernetzung auf und gibt hilfreiche Tipps, wie der Förderantrag Aussicht auf Erfolg hat.

Von der überfälligen Sanierung des Schwimmbads über das schon lange benötigte kommunale Sportstättenentwicklungskonzept und das städtische Klimaschutzmanagement bis hin zur 20-Stunden-Stelle im Jugendcafé – viele kommunale Aufgaben lassen sich in Zeiten knapper Kassen nicht mehr ohne die Inanspruchnahme von Fördermitteln finanzieren. Hinsichtlich der Verteilung solcher Mittel auf die Kommunen ist allerdings eine erhebliche Schieflage zu konstatieren, die vor allem dem „Matthäus-Effekt“ geschuldet ist – frei nach Matthäus, Kapitel 25, Vers 29: „Wer schon viel hat, dem wird gegeben werden, auf dass er die Fülle habe.“ In den Genuss von Förderungen kommen vor allem diejenigen Kommunen, die noch über die Ressourcen für Eigenanteile und Personal verfügen. Das gilt nicht nur für die Antragsstellung, sondern auch für die rechtssichere Bewirtschaftung von Fördermitteln.

Tipp für Fördermittelsuche: Sich bei Hochschulen und Stiftungen umschauen

Als praxisorientierte Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit einem seit mehr als 25 Jahren bestehenden Fachbereich für Verwaltungswissenschaften, konnte die Hochschule Harz in Halberstadt und Wernigerode umfassende Erfahrungen in der Beantragung und Umsetzung geförderter Projekte mit Gemeinden, Landkreisen und anderen öffentlichen Verwaltungen sammeln.  Kommunen lässt sich raten, Hochschulen als Kooperationspartner zu nutzen und sich auch bei fördernden Stiftungen umzuschauen. Denn dort läuft die Fördermittelbeantragung meist unkomplizierter ab.

Förderdatenbank des Bundes

Suche nach passenden Förderprogrammen: Für Kommunen relevante Fördermittel werden heute über eine Vielzahl von Programmen der Europäischen Union, der Ministerien und Ämter des Bundes und der Länder, aber auch durch eine wachsende Anzahl von Stiftungen vergeben. Einen exzellenten Überblick der EU-, Bundes- und Landesprogramme bietet die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorgehaltene Förderdatenbank des Bundes. Über eine Assistenzfunktion lassen sich Fördergebiete, Förderthemen, Förderberechtigte und viele weitere Parameter der Förderung eingrenzen, sodass inhaltlich relevante Bekanntmachungen rasch identifiziert werden können. 

Suche nach Stiftungen über ein Portal

Im Bereich der Stiftungen erfüllt das vom Bundesverband Deutscher Stiftungen betriebene Portal eine identische Funktion. Hat man potenzielle Fördermittelgeber gefunden, so sollte man unbedingt prüfen, inwieweit diese Newsletter oder RSS-Feeds mit Informationen zu aktuellen Förderbekanntmachungen anbieten. Auf diesem Wege lässt sich sicherstellen, dass zukünftige Bekanntmachungen rechtzeitig ins eigene Blickfeld rücken.

So sollte der Förderantrag aussehen

Aufbau eines Spannungsbogens: Die typischen Gliederungsvorgaben von Projektskizzen lassen nicht zufällig eine narrative Struktur erkennen: Auf die Darstellung des Problems (Was muss getan werden und warum ist das wichtig?) folgen der Stand der Technik (Warum sind die bisherigen Ansätze nicht ausreichend?), die eigene Lösungsidee und die Darstellung des Projektkonsortiums mit Rollen und Kompetenzen. Spätestens an diesem Punkt, nach dem meist nur noch Budget-, Zeit- und Meilensteinpläne sowie Ausführungen zu Schutzrechten, Risiken und zur Nachhaltigkeit des Vorhabens zu ergänzen sind, müssen die Leserinnen und Leser von der Antragsidee überzeugt sein, erzählt doch ein erfolgreicher Antrag immer auch eine Geschichte – nämlich die Geschichte eines bedeutenden Problems, das durch ein qualifiziertes Team mit einer guten Idee gelöst werden soll.

Fördermittelantrag aus einem Guss

Vermeidung von sprachlichen Stilbrüchen: Auch wenn die Ausarbeitung von Förderanträgen in der Regel im Team erfolgt, sollte der finale Antrag nur von einer Person verfasst werden: Wechseln mit jedem Absatz die Autorinnen und Autoren, fehlt dem Gesamtwerk nicht selten die stilistische Kohärenz. Ein besseres Ergebnis erzielt man meist mit einem „designierten Schreiber“, der auf Basis von Zuarbeiten durch das Team einen Text „aus einem Guss“ verfasst. Damit ein solches Konzept organisatorisch umgesetzt werden kann, muss ausreichend Zeit für die Schreibarbeit eingeplant werden – und inhaltliche Zuarbeiten dürfen nicht erst am Tag vor der Antragsdeadline eingehen.

Online-Portale vor Einreichung checken

Rechtzeitiger Test von Einreichungsportalen: Förderanträge müssen heute vielfach nicht mehr in Papierform, sondern über Online-Portale eingereicht werden. Diese begrüßenswerte Entwicklung führt bisweilen zu Problemen, wenn Antragstellende eine Einreichung ausschließlich auf Basis der Informationen aus einer Bekanntmachung vorbereiten – und dann erst am letztmöglichen Tag der Einreichung bemerken, dass über das Portal doch noch zusätzliche Nachweise, Informationen oder Dokumente abgefordert werden. Es kann daher nur dazu geraten werden, Antragsportale stets rechtzeitig vor einer Deadline zu sichten.

210 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

Lokale Hochschulen als Ressourcen begreifen: Bei 210 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW, den früheren Fachhochschulen) und 30 Verwaltungsfachhochschulen bundesweit, dürfte fast jede Kommune eine solche Institution in ihrer Nähe wissen. Diese Hochschulen haben den expliziten Auftrag, praxisnah mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung zu forschen. Da sie unter anderem an der Anzahl entsprechender Projekte sowie an der Höhe der für diese Projekte eingeworbenen Gelder gemessen werden, haben sie ein starkes Eigeninteresse an der gemeinsamen Erarbeitung von Förderanträgen – für die sie durchaus auch personelle Ressourcen und Knowhow zur Verfügung stellen können.



Tatsächlich sind kommunale Verwaltungen aus Hochschulperspektive wertvolle Erprobungsräume nicht nur für technische, sondern auch für soziale Innovationen. Die gemeinsame Projektarbeit sorgt dafür, dass an den Hochschulen entstandene Konzepte, Strategien, Dienstleistungen, Verfahren und Produkte einen praktischen Nutzen haben und eben nicht „für die Schublade“ entwickelt werden. Auch aus Sicht der Studierenden ist die Arbeit an echten Problemen meist motivierender – zumal gleichzeitig bereits Kontakte für den späteren Einstieg ins Berufsleben geknüpft werden können.  

Zusammenarbeit von Kommunen und Hochschulen 

Vieles spricht also für mehr Austausch zwischen Kommunen und den Hochschulen in ihrer Nähe. Bei einem Workshop zu solchen Kooperationen während des Forum KOMMUNAL 2025 in Halberstadt konnte dennoch nicht einmal einer von knapp 30 kommunalen Entscheidungsträgern auf eine solche Zusammenarbeit verweisen. Kommunen sollten regionale Hochschulen in weitaus stärkerem Maße als Partner bei der Beantragung von Fördermitteln und der Umsetzung von Vorhaben mit ins Boot holen, die im Alleingang nicht (mehr) zu stemmen sind. 

Christian Reinboth ist Research Funding Manager an der Hochschule Harz. 

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