Was tun gegen den Ärztemangel? Ein Profi hat praktische Tipps für Kommunen auf Lager
Was tun gegen den Hausärztemangel? Ein Profi hat praktische Tipps für Kommunen auf Lager

Wie Kommunen gegensteuern

Tipps gegen Hausärztemangel

In Sachen Ärztemangel steht Deutschland erst am Anfang eines Problems. Besonders betroffen sind kleinere Landkommunen. Doch mittelgroße Städte werden nachziehen – und sollten schon jetzt von kleineren Kommunen lernen, meint unser Gastautor Adrian Dostal.

Der Hausärztemangel ist in aller Munde. Den Verantwortlichen in kleineren Kommunen auf dem Lande ist mittlerweile die Situation der hausärztlichen Versorgung durch zahlreiche Gespräche mit den Akteuren vor Ort bekannt. Bewusst ist ihnen allemal, dass sie es im Besonderen in der „Ersten Welle“ des Hausarztmangels mit ihren meist weniger als 7.000 bis etwa 8.000 Einwohner trifft. Ortsteile verwaltungsrechtlich deutlich größerer Gemeinden, etwa Verbandsgemeinden oder Samtgemeinden sind dabei eingeschlossen. Die Attraktivität der Städte für die Nachrücker-Ärzte hält ja unverändert an. 

In solchen Kleinorten fällt jede Zurruhesetzung nicht nur auf, sondern es bestehen auch persönliche Kontakte zwischen der jeweiligen Kommunalspitze und den einzelnen Ärzten. Im Einzelfall sind solche Praxen auch Ortsgespräch. Da gibt es oft auch vertrauliche Hinweise, dass man einen Nachfolger sucht. Die Verantwortlichen wissen also regelmäßig „wo der Schuh drückt" und sie haben meistens am eigenen Leibe erfahren, dass ihre Kassenärztliche Vereinigung mangels Ärzte-Nachwuchs für eine Nachfolge nicht „liefern“ kann und deswegen eigene Initiativen notwendig sind. 

Schließlich gibt es bundesweit bereits über 3.000 dauerhaft nicht mehr besetzbare Hausarztsitze. Weitere 10.000 sind es bis 2030. Damit verschwindet gut ein Viertel.

Vordergründig etwas günstiger sieht es in größeren Kommunen von über 10.000 Einwohnern aus. Da sind Hausärzte im zweistelligen Bereich anzutreffen. 

Hausärztemangel: Städte wiegen sich in trügerischer Sicherheit 

Gibt es auf dem Lande eher den „Macher“, so fokussiert sich das Handeln der Stadtoberen eher auf ein Anregen und Delegieren von Maßnahmen zur Vermeidung des Hausärztemangels. Der behördliche „Unterbau“ ist auch von etwa 10 bis 25 Mitarbeitern schnell auf 50, 70 oder auch über 100 angewachsen. Da wird vieles von der „Spitze“ dann auch nur noch „politisch begleitet“. 

Das Thema Hausärzte ist bei solchen Kommunaloberen nicht nur viel weiter weg, sondern man muss sich häufig vordringlich um den „Verbleib“ eines Krankenhauses am Ort kümmern. Zudem ist die Liste an Fachärzten am Ort meist noch ellenlang. Man wiegt sich beim Thema „Hausärztemangel“ in Sicherheit: „Ach, das trifft nur Kommunen auf dem Lande, die Städte sind ja weiterhin attraktiv“. Zudem gibt es zahlreiche Mehrbehandlerpraxen, Ärztehäuser und MVZ in der betreffenden mittelgroßen Gemeinde. All dieses „verschleiert“ die heraufziehende Herausforderung: Die Hausärzte „verschwinden“ häufig still.

Die aktuelle Situation verschleiert oft die heraufziehende Herausforderung: Die Hausärzte verschwinden häufig still.“

Aber in der „Nachrücker-Pipeline“ sind nur maximal 50 Prozent der benötigten 1:1-Nachrücker bundesweit. Und: Spätestens in den nächsten zwei bis drei Jahren wird die „Zweite Welle“ des Hausärztemangels auch in mittelgroßen Kommunen sichtbar werden: Statt beispielsweise 41 Hausärzten sind es dann binnen kurzer Zeit nur mehr 28 in der Stadt. Und die Bürger der Nachbargemeinden haben sich daran gewöhnt die Gesundheitsversorgung in der betroffenen Stadt in Anspruch zu nehmen. Eine Lösung können Medizinische Versorgungszentren sein. Weit über 20 Beispiele gibt es schon bundesweit.

Um die veritable Hausarztkrise zu bewältigen, gilt es effizientere Strukturen in Form von Mehrbehandlerpraxen mit delegativen internen Strukturen als Lösungsbeitrag anzuerkennen. Der Arzt tritt einen Teil seiner bisherigen medizinischen Aufgaben an sein Fachpersonal ab. Solche Versorgungsformen können auch im kommunalen Bereich - und im Ausnahmefall eines privatwirtschaftlichen Marktversagens – auch als Kommunales Zentrum realisiert werden. Die betreffende Gemeinde schlüpft dabei in die Rolle eines Gesundheitsversorgers.

Das A und O ist das persönliche Gespräch mit potentiellen Akteuren 

Ist ein solcher erster Maßnahmen-Transfer von klein zu groß als Einstieg geschafft, kann Weiteres in den betreffenden größeren Kommunen in Angriff genommen werden: Das Anlegen und Nachhalten einer Evidenzliste für Haus- und Fachärzte im betreffenden Kommunalgebiet ist natürlich keine Pflichtaufgabe. Sie muss aber zur Schaffung der Versorgungstransparenz als Erstes konkret angelegt, fortlaufend aktualisiert und nachgehalten werden. Das A und O, dabei, sprich: der Erfolgsfaktor: Das persönliche Zugehen auf die ärztlichen Akteure. Das ist allerdings schwerlich verwaltungsintern delegierbar.