Ministerpräsidentenkonferenz
Kommunen reagieren enttäuscht auf Finanzreform
Aktualisiert am 29. Juni 2026
Die Kommunen können die wachsende Aufgabenlast finanziell längst nicht mehr stemmen, die ihnen der Bund aufbürdet. Das machten sie zuletzt bei ihrer bundesweiten Aktion "Kommunen am Limit" öffentlichkeitswirksam klar. Im vergangenen Jahr fuhren sie mit fast 32 Milliarden Euro ihr bisher größtes Haushaltsdefizit ein. Die Ursache dafür sind vor allem teure Gesetze. Immer wieder pochen Landkreise, Städte und Gemeinden auf das sogenannte Konnexitätsprinzip, das verkürzt bedeutet: Wer bestellt, der zahlt auch.
Beschluss: Kommunen sollen entlastet werden
Künftig soll das zumindest mehr der Fall sein als bisher. Bund und Länder haben sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin darauf geeinigt, dass der Bund die Kommunen künftig stärker finanziell unterstützt, wenn sie Gesetze umsetzen sollen. Konkret haben sie vereinbart, dass keine Gesetze mehr beschlossen werden, bei denen die Mehrkosten bei Ländern und Kommunen wie bisher bei den Landkreisen, Städten und Gemeinden abgeladen werden. Kommunen sollen die Kosten nicht mehr ausgleichen müssen.
Ab 1. September soll der Bund 80 Prozent der Mehrkosten übernehmen, wenn sie für Länder und Kommunen mehr als 200 Millionen Euro betragen.
Vor allem die Sozialgesetze reißen große Löcher in die kommunalen Haushalte. Das ist bei den Leistungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen sowie der Hilfe zur Pflege der Fall. Bislang ist es so: Die Kommunen leisten mehr als ein Viertel der staatlichen Ausgaben, erhalten aber nur ein Siebtel der staatlichen Einnahmen.
Verabredet wurde zudem, dass der Bund ebenfalls entlastet wird, wenn Kosten reduziert werden können.
Kommunen: Belastung statt Entlastung
Die kommunalen Spitzenverbände reagierten enttäuscht auf die Beschlüsse. "Wir hatten uns deutlich mehr versprochen" sagte der Präsident des Deutschen Städtetags und Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung. "Im Idealfall bringen die Beschlüsse mittelfristig eine Entlastung von maximal 3 Milliarden Euro. Dem gegenüber stehen rund 30 Milliarden Euro jährliches Defizit der Kommunen, die hauptsächlich durch Gesetze von Bund und Ländern verursacht sind."
Den Entlastungen stünden schon jetzt zusätzliche Belastungen für die Kommunen durch die geplante Pflegereform und das GKV-Beitragstabilisierungsgesetz von rund 6 Milliarden Euro gegenüber. Damit würden die Kommunen am Ende netto mit 3 Milliarden Euro mehr belastet statt entlastet, so Jung.
Was Kanzler und Länderchefs beschlossen haben, sei ein "guter erster Schritt", löse aber das Problem nicht. Die drei Spitzenverbände - Städtetag, Landkreistag und Städte- und Gemeindebund - fordern, dass sie von den Mehrkosten komplett befreit werden. Die Länder sollten die restlichen 20 Prozent ausgleichen, die der Bund nicht übernehmen will.
Oberbürgermeister Link: "Sünden der Vergangenheit bleiben ungesühnt."
Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link kritisierte: "Wieder einmal hat man über die Kommunen gesprochen, aber nicht mit ihnen." Einmal mehr seien sie nicht mit an den Verhandlungstisch gebeten worden. Es reiche bei Weitem nicht, wenn der Bund 80 Prozent der Mehrkosten durch neue Gesetze übernehme. "Was ist mit den verbleibenden 20 Prozent", fragt Link." Und was ist mit den enormen Altlasten und mit den überbordenden Kosten durch bereits geltende Gesetze?" Diese Sünden der Vergangenheit, so der Oberbürgermeister, bleiben ungesühnt.
Standards sollen weiter gesenkt werden
Die Regierungschefs und Regierungschefinnen haben den Bund aufgefordert, die Entlastung der Kommunen in allen Verwaltungsbereichen zu beschleunigen. Nach wie vor würden in der Gesetzgebung der Europäischen Union, auf die der Bund primär Einfluss nehmen kann und bei eigenen Gesetzen ständig neue Aufgaben an die Kommunen übertragen. Obwohl diese dafür personell wie finanziell nicht entsprechend ausgestattet sind. Und: Über den Abbau von Formvorschriften und Berichts- und Evaluationspflichten hinaus sollen Standards in der Verwaltung abgebaut werden.
Die Beschlüsse teilten Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der neue Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder und Bundeskanzler Friedrich Merz mit.
In dem offiziellen Beschlusspapier ist die geplante Kostenverteilung nicht zu finden. Hier finden Sie die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz als PDF zum Herunterladen:
Der Wortlaut in der Pressekonferenz nach der Beratung.


