So schützen sich Mitarbeiter im öffentlichen Dienst Grafik
Mitarbeiter im öffentlichen Dienst sind zunehmend Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt.
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Sicherheit

Gewalt im öffentlichen Dienst: Können Bedienstete sich schützen?

Nach der tödlichen Gewalttat in Stade sorgen sich viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst um ihre Sicherheit. Die Stadt Pforzheim hat dafür ein umfassendes Handlungskonzept entwickelt. Wir fassen die wichtigsten Hinweise zusammen.

Aktualisiert am 30. Juni 2026

Beschimpfungen, Bedrohungen und Übergriffe gehören für viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst inzwischen zum Arbeitsalltag. Kommunen stehen deshalb vor der Aufgabe, ihre Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen und ihnen Sicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen zu geben. Dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu schweren Gewalttaten kommen kann, zeigt der tödliche Angriff in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade auf tragische Weise.

Null-Toleranz-Strategie der Stadt Pforzheim

Die Stadt Pforzheim setzt in ihrem Handlungskonzept auf klare Abläufe, Schulungen und konkrete Empfehlungen für den Bürgerkontakt, den Außendienst und den Umgang mit digitaler Gewalt.

Denn ob verbale Aggression, Bedrohung oder körperlicher Angriff – die Stadt macht deutlich: Gewalt gegen Beschäftigte wird nicht hingenommen. „Wer unsere Mitarbeitenden angreift, greift den Rechtsstaat an“, sagt Jürgen Beck, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung. „Null Toleranz darf nicht nur ein Schlagwort sein, sondern muss Haltung sein.“ Er versichert: "Wer hier arbeitet, kann sich zu 100 Prozent auf unseren Rückhalt verlassen." 

KOMMUNAL fasst die wichtigsten Tipps zusammen:

Wenn aus einem Gespräch ein Konflikt wird

– Den Ton setzen, nicht übernehmen: Ruhig, aber deutlich erklären, dass Beleidigungen oder Drohungen keine Grundlage für ein Gespräch sind.

– Sichtbar Unterstützung holen: Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte hinzuziehen – niemand muss allein bleiben.

– Raum gewinnen: Aufstehen, Abstand schaffen, Tür nicht blockieren. Bewegung nimmt Druck aus der Situation.

– Alles festhalten: Notizen, Zitate, Zeitpunkt – jede Erinnerung kann später entscheidend sein.

Wenn sich die Lage zuspitzt

– Sicherheit geht vor: Gegenstände wegräumen, die als Waffe dienen könnten. 

– Profis einschalten: Polizei oder Sicherheitsdienst alarmieren – lieber zu früh als zu spät.

– Klare Rollen: Wer flüchtet, sorgt für Sicherheit. Wer bleibt, ruft Hilfe.

– Keine Eigenexperimente: Selbstschutz gehört ins Training, nicht ins Büro.

– Jegliche Provoaktion vermeiden

– Aggressive Person nicht anfassen

Klare Regeln für den Außendienst

– Nie ohne Netz: Handy vollständig aufladen, Powerbank dabeihaben – Erreichbarkeit kann entscheidend sein.

– Sichtbar bleiben: Im Büro an- und abmelden, Aufenthaltsort und Rückkehrzeit mitteilen.

– Zwei sehen mehr: Bei schwierigen Terminen grundsätzlich zu zweit erscheinen.

– Vorausschauend handeln: Fluchtwege prüfen, Autoschlüssel griffbereit halten, Tür stets frei halten.

– Wenn es brenzlig wird: Polizei oder Sicherheitsdienst hinzuziehen, bevor die Situation eskaliert.

Verbale Attacke

Nach einem Übergriff

– Bei Verletzungen erstversorgen, Beweise sichern: Aussagen, E-Mails, Objekte dokumentieren – solange Erinnerungen frisch sind.

– Führungskraft informieren: Unverzüglich Bescheid geben, auch bei scheinbar kleinen Vorfällen.

– Körperliche und psychische Unterstützung:  Ärztin/Arzt aufsuchen, betriebspsychologischen Dienst in Anspruch nehmen. Niemand muss allein mit dem Erlebten bleiben.

– Konsequenzen ziehen: Hausverbot, Strafanzeige oder Nachbesprechung – wichtig ist, dass sich so etwas nicht wiederholt.

Auch im Netz gilt: Null Toleranz

– Digitale Angriffe ernst nehmen: Screenshots sichern, Absender dokumentieren, den Vorfall melden.

– Nicht reagieren, sondern dokumentieren: Jede Antwort kann zur Eskalation beitragen.

– Datenschutz ernst nehmen: Persönliche Informationen niemals öffentlich teilen.

– Unterstützung nutzen: Juristische Hilfe und Beratung stehen jederzeit zur Verfügung.

Gewalt im Netz nimmt zu 

Neben körperlichen und verbalen Angriffen nimmt auch die digitale Gewalt zu. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des DGB zeigt: 38 Prozent kamen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit mit digitaler Gewalt in Berührung. 13 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst waren selbst von digitaler Hetze betroffen, ein Drittel hat erlebt, wie Kolleginnen oder Kollegen online angegriffen wurden. Beck beobachtet die Entwicklung mit Sorge: „Im Netz sinken die Hemmschwellen rapide. Beleidigungen und Drohungen in sozialen Medien oder per E-Mail gehören inzwischen zur Realität. Aber auch hier reagieren wir konsequent – mit klaren Grenzen, juristischer Unterstützung und notfalls Strafanzeige.“  Pforzheim bietet den Beschäftigten Schulungen an, wie sie digitale Angriffe erkennen, Beweise sichern und ihre privaten Daten besser schützen können.

Die Broschüre mit weiteren detaillierten hilfreichen Tipps als PDF zum Herunterladen:

Mehr Informationen zur repräsentativen Forsa-Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu digitaler Gewalt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert. In einer ursprünglichen Fassung erschien er am 9. Oktober 2025.