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Automobilindustrie vor der Zeitenwende

von Christian Erhardt-Maciejewski
Geschäftsführer, Chefredakteur | KOMMUNAL
8. Juni 2016
Die Bundesregierung hat eine Art Neuauflage der Abwrackprämie mit umgedrehten Vorzeichen gestartet – eine Subvention von bis zu 4000 Euro für jedes neue E-Auto. Christian Erhardt macht sich Gedanken, wie das Geld sinnvoller in die Zukunft investiert werden könnte.

Deutschlands Stadtwerke können sicher als Motor der Elektromobilität in Deutschland bezeichnet werden. Laut einer Umfrage investieren 67 Prozent der Stadtwerke in das Thema. Nun will auch die Bundesregierung die E-Mobilität fördern – trotz erheblicher Bedenken des Beratergremiums von Wirtschaftsminister Gabriel. Das soll dem Minister dringend empfohlen haben, die Finger vom E-Auto-Turbo zu lassen. Schon weil es an Ladestationen mangelt. Jedoch bieten zahlreiche Länder Anreize.  Norwegen etwa erlässt den Käufern die 25 Prozent Mehrwertsteuer. Die Regierung in den Niederlanden investiert in Ladestationen. Rund 11.000 gibt es davon inzwischen landesweit. Zum Vergleich: In Deutschland sind es knapp 5000 – wobei unser Land knapp acht mal größer ist als die Niederlande. In Österreich versucht ein großer Telekommunikationsanbieter, über 13.500 alte Telefonhäuschen nach und nach in die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge zu integrieren. Und auch in Deutschland sollen dem Deal zufolge ja immerhin bis zu 15.000 neue Ladestationen entstehen. E.-AutoAus Sicht von Zukunftsforschern sind all diese Ideen dennoch viel zu kurz gesprungen. Sie erklären seit Jahren, dass das Wort „Mobilität“ künftig wohl eher eine Vernetzungsaufgabe oder ein „Software-Problem“ beschreiben wird. Mit zusätzlichen Ladestationen ist die „Vernetzung“ aber bei weitem nicht ausgeschöpft. „Umparken im Kopf“ hatte ein großer Autohersteller vor einiger Zeit in großen Werbelettern gefordert. In der Diskussion um E-Mobilität scheint diese Botschaft noch nicht überall angekommen zu sein. Dabei gibt es schon zahlreiche Apps und Start-Up Unternehmen, die den Weg in eine mögliche Zukunft weisen. Gibt der Kunde ein, dass er von A nach B möchte, so schmeißt ihm die App als Verkehrsmittel der Wahl je nach Sinnhaftigkeit mal das Rad, das Auto, den Bus oder auch den Zug aus, möglicherweise auch eine Kombination aus verschiedenen Varianten. Auch erste Autohersteller sind mit entsprechenden Apps am Start. Das Auto der Zukunft wird also nicht nur autonom sondern auch vernetzt fahren. Die Fahrzeuge selbst und auch die anderen Verkehrsmittel kommunizieren miteinander. Und spätestens für der Generation Y geht es häufig schon jetzt nicht mehr darum, ein Auto zu besitzen, sondern darum, Zugang zu einem Fahrzeug und zu Mobilität zu haben. Anders ausgedrückt: Wenn im Preis der Jahreskarte für die Öffentlichen Verkehrsmittel Car-Sharing integriert ist und E-Bikes hinzugebucht werden können, entsteht eine völlig neue Definition von Mobilität.

Christian Erhardt fordert die Treiber der Mobilität zusammenzuführen

Statt Milliardensubventionen für wenige könnte die Bundesregierung die Treiber der Mobilität zusammenführen. Städte, Bürgermeister, Verkehrsplaner, Stadtwerke, Industrie, Autohersteller, Apple, Google und Co. Verkehrswegepläne müssen schon heute auf neue Technologien abgestimmt werden. Ob Robotik oder Virtualität oder die Bedeutung der Straßenlaterne als W-LAN-Netz: Kommunen müssen ihre Forderungen klar artikulieren können – damit die Industrie darauf Antworten geben kann.

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