Die Digitale Verwaltung wird von vielen Bürgern weiter nicht angenommen
Die Digitale Verwaltung wird von vielen Bürgern weiter nicht angenommen

Studie vorgestellt

Digitale Verwaltung: Trotz Corona kein Boom zu erkennen

In der Theorie haben wir in den vergangenen Monaten viel über die enormen Chancen der Digitalisierung der Verwaltung gesprochen. Und überall wurde gelobt, wie viel in Sachen digitale Verwaltung seit der Corona-Pandemie passier t ist. Eine Studie zum Nutzungsverhalten holt uns nun aber auf den harten Boden der Realität zurück.

Die Corona-Pandemie wird ein enormer Treiber der Digitalen Verwaltung sein. So haben auch wir es in den vergangenen Monaten immer wieder geschrieben und so haben es viele auch sehr persönlich erlebt. In den Verwaltungen mag das auch stimmen, bei den Bürgern jedoch ist dieser Hype definitiv noch nicht angekommen. Das zeigt der jährliche „E-Government-Monitor“ der Initiative D21 und der Technischen Universität München. Er wird heute vorgestellt. Wir haben das Papier vorab schon gesehen - die Ergebnisse lassen durchaus ordentlich Luft nach oben.

Digitale Verwaltung: Die Nutzung steigt 

Immerhin 54 Prozent der Deutschen nutzen inzwischen eGovernment mindestens einmal im Jahr. Das ist die zentrale Zahl des Berichts. Damit steigt die Nutzung deutlich an, bei der gleichen Frage kam Deutschland im vergangenen Jahr auf einen Wert von 48 Prozent. Im Vergleich zu unseren Nachbarn sind die Werte aber bescheiden. In Österreich nutzen 72 Prozent der Bürger die digitale Verwaltung, in der Schweiz liegt der Wert bei 60 Prozent. Trotzdem ein gutes Signal, wie Hannes Schwaderer, der Präsident der Initiative D21 in seinem Vorwort meint: "Wir beobachten ein steigendes Bewusstsein für digitale Verwaltungsangebote und ebenso höheres Interesse an der Nutzung. Mit Blick auf Deutschland sollte das Mut machen, bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes nicht nachzulassen. Im Gegenteil, wenn immer mehr Services auch digital zur Verfügung stehen, wird dies hoffentlich für einen spürbaren Schub bei der Nutzung von E-Government sorgen – es wird Zeit!" sagt er da wörtlich. 

Digitale Verwaltung: Das ist der Einfluss durch Corona 

Wie schon in den Vorjahren hat die Initiative gut 1000 Menschen online befragt und daraus ihre Ergebnisse hochgerechnet. Besonders ins Auge fällt sofort, dass sich in Deutschland - anders als in den Nachbarländern - durch die Corona-Pandemie so gut wie nichts verändert hat im Verhalten der Bürger. Corona hat so gut wie keine Auswirkungen auf Art und Umfang der aktuellen Nutzung, gerade in Deutschland kaum Erst- oder Mehrnutzer durch die Pandemie. Gerade einmal sieben Prozent sagen, dass sie durch die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten Behördengänge häufiger als sonst online durchgeführt haben. Und dabei ist dieser Begriff schon sehr niederschweflig gewählt. Es zählt etwa auch dazu, wenn ein Bürger online nach den Öffnungszeiten der Verwaltung sucht. In Österreich und der Schweiz ist der Wert übrigens jeweils fast doppelt so hoch. 

Zufriedenheit der Bürger mit der Digitalen Verwaltung lässt zu Wünschen übrig 

Die Deutschen sind offenbar auch noch nicht überzeugt von den Leistungen ihrer Verwaltung. Nur 44 Prozent bejahen folgende Frage: "Ich bin sehr zufrieden mit der digitalen Abwicklung der Behördengänge während der Zeit der Corona-Pandemie". Auch hier ist Deutschland wieder Schlusslicht im Vergleich zu Österreich und der Schweiz. 

Immerhin sind die Aussichten aber nicht so schlecht, offenbar hat die Corona-Pandemie zumindest die Bereitschaft, künftig die Digitale Verwaltung zu nutzen, noch einmal erhöht. Drei von vier Onlinern können sich künftig häufigere Online-Behördengänge vorstellen. 

Aber weiterhin sagen 30 Prozent der Deutschen, dass sie an der Digitalen Verwaltung eigentlich kein Interesse haben. Die Frage lautete hier konkret: "Ich bevorzuge es, meine Behördengänge vor Ort durchzuführen, weil es für mich mit Aufwand verbunden wäre, etwas daran zu ändern." Die Gewohnheit spielt dabei sogar eine noch größere Rolle. 39 Prozent der Deutschen sagen: "Ich werde weiterhin meine Behördengänge vor Ort durchführen, einfach, weil es das ist, was ich immer getan habe".

Digitale Verwaltung wird auf dem Land seltener genutzt 

Wenig überraschend, dass es bei der Frage auch ein Stadt-Land Gefälle gibt. Es ist aber weniger groß, als viele möglicherweise erwarten. 58 Prozent der Stadtbewohner in Orten mit mehr als 100.000 Einwohnern haben schon die Digitale Verwaltung genutzt, in Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern sind es 50 Prozent. 

Besonders einfache Dienste wie Online- Terminvergabe, Statusabfragen oder der Download von Formularen kommen auf dem Land weniger zum Einsatz. Und noch etwas ist wichtig, wenn man die Zahlen verstehen will: Für Menschen auf dem Land ist der Gang zur Behörde der schnellste und einfachste Weg und der Kontakt zu den Mitarbeitern spielt eine größere Rolle als in der Stadt. Das Thema "Persönlicher Kontakt" spielt also eine wichtige Rolle. 

Spannende Sonderstudie: Digitaler Unterricht 

Spannend im E-Government Monitor ist noch eine Sonderauswertung in diesem Jahr zum Thema Digitalisierung der Schulen. Drei von vier Eltern beziehungsweise Schüler beklagen nämlich die digitalen Hürden. Die liegen aber nicht im Gerätemangel, das beklagten die wenigsten Haushalte. Smartphones wurden im digitalen Unterricht während des Home-Schoolings am häufigsten benutzt, gefolgt von Laptops. Beides ist in den Haushalten laut der Umfrage fast überall vorhanden. Hauptsächlich mangelnde Unterstützung der Schule oder fehlende Digitalkompetenzen der Lehrer, aber auch infrastrukturelle Probleme mit dem Internet wurden jedoch immer wieder bemängelt. Das Problem scheinen also weniger die Hardware, als vielmehr Datengeschwingkeiten und Kompetenz zu sein. Fehlende Unterstützung der Schule nannten 37 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder als Hauptgrund, 31 Prozent berichteten über Netzprobleme und andere Probleme mit dem Internet, vor allem der Geschwindigkeit. 30 Prozent bemängelten die Digitalkompetenz der Lehrer. 

Geräte sind derweil vorhanden, kaum einer nannte das ein Problem. Konkret hatten 60 Prozent der Kinder ein Smartphone, 58 Prozent einen Laptop, 49 Prozent ein Tablet und 44 Prozent einen "klassischen" Computer.