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Elterntaxis sind vielen ein Dorn im Auge - Verbote werden aber nicht helfen, sagen Forscher
Elterntaxis sind vielen ein Dorn im Auge - Verbote werden aber nicht helfen, sagen Forscher
© 123rf

Elterntaxis nicht verteufeln

von Christian Erhardt-Maciejewski
Chefredakteur | KOMMUNAL
3. April 2019
Ein Forscher hat erstmals untersucht, wie Schulen und Kommunen dem Phänomen der "Elterntaxis" sinnvoll begegnen können. Kernaussage der Studie: Verbote bringen nichts! Doch was tun, damit nicht jeden Morgen vor Schulbeginn vor den Grundschulen das Verkehrschaos ausbricht?

Gefühlt ist es ein relativ neues Problem, real ist es eher ein schleichender Prozess: Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schule. Hämisch sprechen Gegner schon von einer "SUV-Generation". Doch das stimmt so nicht ganz, erläutert der Forscher Jens Leven in einer Studie. Er hat einen Lehrauftrag zur Mobilität an der Hochschule RheinMain. Dass Eltern ihre Kinder zur Schule bringen, gab es demnach schon immer. Im Laufe der Jahre seit der Anteil aber gestiegen, zitiert die ZEIT nun Ausschnitte aus seiner Studie. Demnach wird inzwischen jeder dritte Grundschüler gefahren. Die Gründe dafür sind zum einen längere Schulwege, aber auch Zeitdruck der Eltern, das Wetter und eine gewisse "Faulheit". Nicht zu unterschätzen ist laut der Studie auch, dass die Zeit im Auto heute für einige Eltern die einzige Zeit ist, die sie tagsüber mit den Kindern verbringen können. Die Studie entstand im Auftrag des ADAC.

Elterntaxis: Es gibt drei Gruppen von Eltern

Um die Motivation der Eltern zu verstehen, hat Leven die Gründe in drei Gruppen unterteilt. Gruppe 1: Die Praktiker - hier finden sich Eltern, die ohnehin morgens vor der Arbeit an der Schule vorbeifahren oder aus anderen Gründen der Bequemlichkeit ihre Kinder fahren. In Gruppe 2 spielt der Fahrtweg selbst eine Rolle - die Länge des Schulwegs aber auch damit verbunden die Angst vor möglichen Unfällen. In Gruppe 3 dominieren dann die Ängste vor allem vor Überfällen oder Belästigungen der Kinder.

Jedem Motiv müsse eine Antwort entgegengesetzt werden, meint Leven und schlägt daher praktische Lösungen vor Ort vor. Dafür hat er in den vergangenen Jahren mehr als 100 Schulen vor Ort besucht. Ziel sei es, Kommune, Schule und Eltern zunächst an einen Tisch zu bekommen. Dann können man den drei Gruppen entsprechend versuchen, die Probleme zu lösen.

Verbotsschilder und Appelle sind zwecklos 

Wichtig ist aus Sicht von Leven: Kommunen werden mit Verbotsschildern vielleicht das Problem verlagern, aber nicht lösen. Die Elterntaxis werden dann erst recht im Halteverbot "nur kurz zum Aussteigen" parken oder die nächstbeste Gelegenheit neben der Schule - oft mitten in Wohngebieten - nutzen. Sicherer wird es dadurch nicht, der Verkehr wird auch nicht weniger.

Leven plädiert in seiner Studie daher zu viert wesentlichen Maßnahmen. 

1.Alle an einen Tisch - denn je nach Schule sind die konkreten Gründe unterschiedlich, die sollten besprochen werden - warum fahren Eltern ihre Kinder? ist dabei die Gretchenfrage. Meist können die Eltern das am Besten selbst beantworten

2. Die Sicherheit des Schulwegs verbessern. Oft reicht es schon, wenn ein Strauch, der die Kreuzung verhängt, zurückgeschnitten wird. Es sind aus der Erfahrung von Leven heraus viele kleine Dinge auf dem Schulweg - vor allem natürlich fehlende Bürgersteige, gefährliche Kreuzungen und ähnliches

3. Die Kinder motivieren. Es hilft nicht, den Eltern zu sagen, dass sie nicht fahren sollen. Der Schlüssel sind die Kinder selbst. So hat Leven gute Erfahrungen etwa mit einem Stempel-System gemacht. Für jeden gelaufenen Kilometer etwa gibt es einen Stempel. Wer die meisten Stempel hat, bekommt eine kleine Anerkennung. So wird der Wettbewerb unter den Kindern gefördert. 

4. Sichere Haltemöglichkeiten schaffen. Es nützt nichts, die Eltern zu verdammen, das Elterntaxi wird sich niemals komplett verhindern lassen, trotz aller Motivationsmöglichkeiten. Leven plädiert für "Kiss and Go Zonen", also etwa Kurzzeitparkplätzen möglichst nah an der Schule. Als Faustregel gilt hier: Maximal sollten es 250 Meter bis zum Eingang sein, sonst wird die Haltezone von Eltern und Schülern nicht angenommen. Elternhaltestellen müssten organisiert werden, wenn nicht direkt vor der Schule, dann doch sehr in der Nähe, so Leven. 

Die komplette Studie des Bauingenieurs im Auftrag des ADAC mit zahlreichen weiteren Handlungsmöglichkeiten können Sie HIER nachlesen: https://www.adac.de/_mmm/pdf/elterntaxi_grundschulen_238767.pdf



 

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