Grundschullehrer fehlen

Bis zum Jahr 2025 fehlen 26.300 Grundschullehrer!

Mo, 09.09.2019

Die Situation an deutschen Grundschulen spitzt sich immer weiter zu. Denn bis zum Jahr 2025 werden laut einer Prognose 26.300 Lehrkräfte fehlen. Lässt sich das Problem lösen?

Der Lehrermangel an deutschen Grundschulen wird in den nächsten Jahren dramatischer als erwartet. Laut einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung sollen bis zum Jahr 2025 mindestens 26.300 Lehrkräfte fehlen. Das sind über 40 Prozent mehr als von der Kultusministerkonferenz (KMK) erwartet. Denn die hatte letztes Jahr errechnet, dass 15.300 Lehrer an deutschen Grundschulen fehlen würden.

 

Doch: Wieso kommt es überhaupt zu einem Lehrermangel?

 

Der Grund für die starke Abweichung zwischen den Berechnungen liegt laut der Stiftung an einem starken Anstieg der Schülerzahlen. Demnach rechnete die KMK noch mit 3,064 Millionen Schülern im Jahr 2025, doch das Statistische Bundesamt geht in einer Bevölkerungsschätzung von 3,232 Millionen Grundschülern aus. Also von rund 168.000 Kindern mehr.

Die Folge: Für 2025 müssten noch mal 11.000 Lehrer mehr eingestellt werden, als von der KMK ermittelt. So kommt die Prognose auf die Zahl von 26.300 fehlenden Grunschullehrern.

Auch in den darauffolgenden Jahren ist mit einem Lehrermangel zu rechnen

 

Doch damit nicht genug! Auch für das Jahr 2030 geht die Stiftung von höheren Schülerzahlen als die KMK aus: nämlich von 3,181 Millionen Kindern im Grundschulalter.

Dass Lehrer fehlen, wird sich im Alltag der Schulen bemerkbar machen. So kritisiert der Deutsche Lehrerverband die mit dem Lehrermangel einhergehenden Qualitätsmängel. Also beispielsweise Verstöße gegen Qualitätsstandards bei der Lehrerausbildung, bei der Lehrereinstellung und im Unterricht.

Lässt sich das Problem lösen?

 

Die Autoren bezeichnen ihre Studie als „Weckruf“. Denn die Kinder, die im Jahr 2025 in der Grundschule lernen werden, seien schon alle auf der Welt.

Zudem drängen sie darauf, JETZT schnelle Lösungen zu finden. Eine Möglichkeit besteht aus ihrer Sicht in der Einstellung von Quereinsteigern, die zwar nicht auf Lehramt studiert haben – aber dafür ein Fachstudium besitzen und ein Kurzreferendariat oder eine pädagogische Weiterqualifizierung absolvieren und somit an den Schulen lehren könnten. Doch: Während sie fachlich meist qualifiziert sind, mangelt es im Schulalltag teilweise an pädagogischer Bildung. Sie haben nicht gelernt, komplizierte Sachverhalte auf die Unterrichtsebene herunter zu brechen oder wie man auf Schüler eingehen kann - ganz im Gegensatz zu den Lehramtsstudierenden. Und genau das kritisieren Eltern immer wieder.  Zumindest aber können die Quereinsteiger dafür sorgen, dass der Unterricht nicht komplett ausfällt.

Doch auch andere Alternativen bringen nicht den erhofften Erfolg. So wurde in der Vergangenheit immer wieder versucht, Lehrer von Schularten mit Bewerberüberhang für die Grundschule zu gewinnem. Also zum Beispiel Gymnasiallehrer für die Grundschule abzuwerben. Doch das klappte nur mäßig. Was unter anderem auch daran liegt, dass die Gymnasiallehrer mehr Geld verdienen als Kollegen an Grundschulen. Außerdem werden sie fachorientiert ausgebildet und haben kaum Erfahrung mit kleinen Kindern

Auch Kommunen bekommen die Folgen des Lehrermangels schnell zu spüren. Etwa, wenn unzufriedene Eltern aus dem Ort wegziehen, weil die Schüler lange zur Schule fahren müssen oder auf dem Zeugnis Lücken auftauchen, weil der Unterricht ausfällt und die Schüler keine Instrumente mehr lernen können. In Schulen kommunaler Trägerschaft könnte verstärkt darauf geachtet werden, dass sich die Qualitätsstandards nicht verschlechtern, indem bei der Einstellung von Lehrern darauf geachtet wird, dass ein entsprechendes Fachstudium vorhanden ist und darüber hinaus auch Weiterbildungsangebote für Quereinsteiger angeboten werden. Zudem sollten die Stellen auch überregional ausgeschrieben, und dabei immer die Vorzüge der Region betont werden, sodass sich Lehrer aus anderen Bundesländern, die noch keine Stelle haben, für den Job bewerben können – und das auch wollen.

 

Ein weiterer Lösungsvorschlag kommt von den Studienautoren der Bertelsmann-Stiftung: Nämlich angehende Ruheständler länger in der Arbeit zu halten. In der Vergangenheit wurden auch immer wieder Pensionäre angeschrieben, doch auch diese Lösung führte nicht zum gewünschten Erfolg. Denn für viele kommt das erneute Arbeiten nach dem Ruhestand gar nicht mehr in Frage.

In einigen Bundesländern, wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen arbeiten auch viele Lehrer in Teilzeit. Doch die Verfasser der Studie plädieren dafür, dies auch in Zukunft zu ermöglichen, um den Beruf nicht unattraktiv zu machen. Sie fordern deshalb "Unterstützungsmaßnahmen zur Vereinbarkeit von Lehrerjob und Familie", sodass die Teilzeitkräfte ihre Arbeitsstunden erhöhen können. Um mehr Anreize zu schaffen, setzen Länder wie beispielsweise Berlin, auf eine höhere Vergütung von Grundschullehrern. Sachsen hingegen hat mit einer Geldprämie versucht, mehr Lehrer aufs Land zu locken.

Experten plädieren auch dafür, die Studienplätze für Lehrer aufzustocken oder teilweise den NC abzuschaffen, um so mehr angehenden Lehrer ausbilden zu können.

Fazit: Bei der Strategie gegen den Lehrermangel sollte man nicht nur auf EINE, sondern mehrere Lösungsvorschläge setzen, die den Mangel alle zusammen zumindest etwas abfedern könnten.

Für den Stiftungsvorstand Jörg Dräger steht allerdings fest: „Die Bewältigung des Lehrermangels ist eine Herkulesaufgabe“.

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