Müllvermeidung - wir haben die Tipps für Kommunen!
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Müllvermeidung - wir haben die Tipps für Kommunen!

Müllvermeidung: Der Müll, die Stadt - was nun?

Fr, 15.03.2019

Trotz Kaffee to go Kultur, Hundekot und illegalen Müllablagerung – wie kann die Stadt sauberer werden? Teil drei unserer Müllserie zeigt Beispiele zum Nachdenken und Nachahmen.

Autor: Ronald Ziepke 

Am deutlichsten zeigt sich die Komplexität der Abfall-Thematik in einer Stadt: Berlin hat die meisten Bewohner und Besucher, lange Öffnungszeiten und viele Fleckchen im Freien. „Wo Leute unterwegs sind, da fällt Müll an“, pointiert Sabine Thümler von der Berliner Stadtreinigung, BSR. „Früher spazierte man nur sonntags durch den Park. Heute ist er zum grünen Wohnzimmer der Leute geworden, die sich Pizza dorthin liefern lassen oder Grillfeste unter Bäumen feiern.“ Diese „Mediterranisierung“ verändert das Stadtleben genau wie die „To-Go“-Kultur, denn auf Lunch-Pausen in der Sonne folgt „Littering“: Verpackungen werden unsortiert weggeworfen oder Kaffeebecher einfach fallengelassen. „Früher war eine Straßenreinigung pro Tag die Höchststufe. Heute sind es bis zu 21 Einsätze wöchentlich – auch in den Abendstunden, gerade an Hotspots wie dem Kurfürstendamm oder der Friedrichstraße.“ Mehr Müll mit mehr Säuberungen zu begegnen, klingt plausibel. Doch das lässt sich nicht beliebig steigern. Zumal rechtliche Grundlagen für verschiedene Zuständigkeiten mit unterschiedlichen Budgets berücksichtigt werden müssen. Ein Beispiel: Die BSR reinigt Straßen und Gehwege, nicht aber die Grünflächen, Parks und Spielplätze. Dafür ist das Grünflächenamt zuständig.

Petra Hartmann von der „EDG Entsorgung Dortmund GmbH“ befürwortet deshalb einen Verknüpfungsansatz: „Das Straßenbild sollte mehr als Ganzes erfasst werden. Der Bürger nimmt ja nur wahr, ein Ort ist sauber oder dreckig. Keiner fragt sich, ob gerade für diese Plastiktüte auf dem Boden ein städtisches Amt, ein kommunaler Entsorgungspartner, die Deutsche Bahn, der ÖPNV-Betreiber oder ein privater Immobilienbesitzer zuständig ist.“ 

Ein diffiziles Feld, denn viele Vorgaben, Satzungen und Verordnungen regeln das deutsche Entsorgungssystem. „Wichtig wäre, innerstädtischen Entwicklungen wie die ‚Mediterranisierung‘ und die ‚To-Go-Kultur‘, besser zu berücksichtigen“, findet Petra Hartmann. In Dortmund ist das zum Teil schon gelungen: Seit Januar 2019 kümmert sich die EDG neben Gehwegen und Straßen auch um das „Straßenbegleitgrün“. „Pflanzen beschneiden und Beete sauber halten, das können wir und nutzen dafür Synergien mit der Straßenreinigung. In Parks Heckenlandschaften zu pflegen oder Baumbestände zu kontrollieren, verbleibt mit der entsprechenden Fachkompetenz bei den städtischen Ämtern.“ 

 

 

Müllvermeidung: Ganz wichtig - es gibt unterschiedliche "Einwohnertypen" 

 

 

Die Frage, die sich jeder Kommune in diesem Zusammenhang stellt: Wo machen die bisherigen Regularien Sinn? Neben Änderungen von rechtlichen Grundlagen und Zuständigkeiten geht es auch um das richtige Equipment. Besonders vor dem Hintergrund: Nicht nur in der Hauptstadt gibt es immer mehr Obdachlose mit all ihren Hinterlassenschaften, genauso wie Drogenabhängige, die ihr Besteck achtlos ins Gestrüpp werfen. „Um Spritzen sicher zu entsorgen, reichen keine einfachen Müllsäcke. Nötig sind sichere Kneifzangen, Handschuhe und ein geschlossenes Behältersystem, an dem wir gerade arbeiten.“ Auch mehr Papierkörbe helfen. „Wir versuchen hier die Industrie anzuregen, denn wir brauchen robustere, größere Eimer. So sind auch die voluminösen, kugelförmigen Bubbles entstanden, die es inzwischen an vielen Stellen gibt. Zudem läuft gerade ein Test mit Verpressungen, die Müllberge gleich vor Ort verkleinern.“

 

Um Abfällen in jeder Form geschlossener entgegen zu treten, müssen viele Akteure unter einen Hut gebracht werden:Vor allem die unterschiedlichen Einwohnertypen einer Gemeinde. Hundehalter werden mittlerweile schief angesehen, wenn sie heute die Häufchen ihrer Vierbeiner liegen lassen. „In den 90ern dachten die meisten noch, ach, der kleine Haufen, ich zahle Hundesteuer, irgendeiner wird’s schon wegmachen“, erinnert sich Sabine Thümler. „Zum Glück macht man sich solche Dinge gegenwärtig bewusster, sicher auch im Zuge der vorhergehenden Maulkorb-Debatte für Kampfhunde in der Öffentlichkeit.“

Petra Hartmann rückt die politische Bedeutung sauberer Städte in den Fokus und bringt die „Broken-Windows-Theorie“ ins Spiel: Eingeschlagene Fenster müssen zügig repariert werden, sonst kommen in bestimmten Gebieten schnell weitere hinzu. „Da Sauberkeit und Sicherheit miteinander verknüpft sind, hängt die Basis fürs subjektive Wohlbefinden der Einwohner vom Pflegezustand der gesamten Stadt ab.“ Und da kann jeder mithelfen. „Viele machen das auch, weil sie ein Zeichen setzen wollen.“ 

 

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Andererseits steigen in Kommunen illegale Müll-Ablagerungen. Thomas Kretzschmar, Betriebsleiter der Stadtreinigung Leipzig, erläutert: „Aus dem Gefühl der Anonymität heraus, passiert das vor allem an wenig frequentierten Ecken. Auch rund um Glas- und Altkleider-Container. In den städtischen Grünanlagen haben unsere Gärtner weniger Zeit für die Pflege, weil sie Kartons, Becher oder Haushaltsabfälle aus den Büschen holen müssen. Besonders ärgerlich ist das, weil Sperrmüll und Elektroschrott kostenlos bei unseren Wertstoffhöfen abgegeben werden kann.“ 

Mutwillig hingeworfene Matratzen und kriminelle Machenschaften rücken Strafen ins Visier. Petra Hartmann denkt: „Restriktionen und Bußgelder machen den Leuten bewusst, es handelt sich nicht um Kavaliersdelikte. Gerade hohe Strafen unterstützen das – und genau die befürworten Bürger in ihren Rückmeldungen an uns.“ 

Persönlich spricht sie sich vor allem für vielschichtige Maßnahmen aus, die ineinandergreifen – auch da sind sich Dortmund, Leipzig und Berlin einig. Nützlich sind Aufklärungskampagnen an Schulen, Plakate in der Stadt, Info-Broschüren, Sammel-Aktionen von Bürgern, die Einrichtung zentraler Stellen, bei denen Mängel über Apps angezeigt werden können, hohe Bußgelder, Unterstützung ehrenamtlicher Aktionen, Abfallkalender - gedruckt oder online – sowie mehr Müll-Detektive mit eindeutigen Befugnissen, die an Hot-Spots durchgreifen. 

 

Manchmal hilft auch einfach nur Humor! 
 

In Leipzig gibt es zudem einen Spezial-Service. Im Rahmen des geförderten Arbeitsmarktes sind „blau-gelbe Engel“ unterwegs. Die Beschäftigten des Kommunalen Eigenbetriebes Leipzig/Engelshof sammeln ebenfalls illegal abgeladene Abfälle ein – zusätzlich zu den regelmäßigen Säuberungen der Stadtreinigung. 

Und sogar Humor wirkt: „Mit insgesamt 1.100 Liter Fassungsvermögen platzieren wir, wenn es wärmer wird, in Parks extra Container mit lustigen Sprüchen wie ‚Ohne Gebrüll ab in den Müll‘ oder ‚Tu es mit Wonne rein in die Tonne‘. Wir wollen die Bürger mit einem Augenzwinkern sensibilisieren.“ 

 

Aus diesem Potpourri kann sich jede Kommune das zusammenstellen, was sie benötigt. So wie es Dortmund in ihrem umfassenden Aktionsplan „Saubere Stadt“ getan hat. Zu dem gehört auch eine breite Kampagne, eines der Hauptziele: „Menschen müssen den Wert des öffentlichen Raumes schätzen“ - und dass das gelingt, da ist Petra Hartmann „vorsichtig optimistisch“.

 

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