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Sportstätten in Kommunen: Die Kraft des Sports
EU-Granulatverbot: Was ab 2031 für Kunstrasenplätze gilt
Für viel Aufsehen hat deshalb das EU-Granulatverbot auf Kunstrasen gesorgt. Der Kern: Ab 2031 darf bei Kunstrasen-Sportplätzen kein Granulat aus Mikroplastik mehr eingesetzt werden, bestehende Plätze müssen entsprechend saniert und das Füllmaterial ausgetauscht werden. Bei rund 5.200 deutschen Kunstrasenplätzen eine enorme Anforderung. Sorge darum, dass der Kunstrasen generell vor dem Aus steht, müsse man allerdings nicht haben, sagt Jutta Katthage vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft. „Es wird nicht der Kunststoffrasen an sich verboten, sondern nur eine bestimmte Art der Füllstoffe, zu der es viele Alternativen gibt“, erläutert Katthage. Darunter das günstige Material Sand. Baut eine Kommune einen neuen Sportplatz, seien Förderungen ohnehin an alternative Produkte geknüpft. Nachdem ein Kunststoffrasen-System etwa 12 bis 15 Jahre hält, stehe bei älteren Plätzen bald die Sanierung an und der Füllstoff könne ausgetauscht werden.
Nicht Kunststoffrasen wird verboten, sondern bestimmte Füllstoffe.“
Dr. Jutta Katthage, Bundesinstitut für Sportwissenschaft
Beeskow: Ein Sportpark für alle
Wie wichtig ein Sportplatz für einen Ort sein kann, hat man in Beeskow erlebt. In der brandenburgischen Kleinstadt wurden die bisher nur von Vereinen und Schulen genutzten Sportstätten vor drei Jahren bewusst für alle geöffnet und ausgebaut. „Es gibt bei uns schon lange ein großes Sportzentrum mitten im Ort, das sowohl aus verschiedenen Außenanlagen als auch aus Turnhallen besteht“, erzählt Steffen Schulze, Kämmerer in Beeskow. Früher handelte es sich dabei um eine reine Sportanlage, die nur ab und an auch von Freizeitsportlern genutzt wurde. Als in der Nähe mehrere Wohngebiete gebaut wurden und dort die Spielplätze fehlten, entstand die Idee, das Sportareal auszubauen. Für rund 1,15 Millionen Euro hat die Kommune das Gelände mit Sport- und Spielgeräten ausgestattet, einen Rodelberg gebaut und einen Mobilitätspark.
Der Effekt ist enorm: „In dem Moment, wo das nicht mehr nur ein reines Sportareal war, ist die Nutzung sprunghaft angestiegen“, sagt Schulze. Mittlerweile sei der rund um die Uhr zugängliche Sportpark das Zentrum der Kinder- und Jugendarbeit im Ort. Einmal im Jahr findet ein großes öffentliches Sportfest statt und viele Vereine nutzen das Areal für ihre Veranstaltungen. Die Nachfrage nach Kinder- und Jugendsport-Angeboten und die Mitgliedschaft in den Sportvereinen sei deutlich gestiegen. „Als Kommune Spiel, Sport und Ehrenamt massiv zu unterstützen, erspart letztlich soziale Aufwendungen“, zeigt Schulze sich überzeugt.
Freiburg: Sport-Quartiere bringen alle Akteure zusammen
Bewegung bringt die Menschen zusammen – diese soziale Kraft des Sports steht auch im Fokus einer großen Initiative in Freiburg (Baden-Württemberg). Dort wird mit „Sport-Quartieren“ gearbeitet. Dabei werden von den Kitas über die Schulen bis hin zu den Sportvereinen und Sozialeinrichtungen alle Akteure im Bereich Sport und Bewegung zusammengebracht. „Im Sportbereich gibt es Herausforderungen, denen man nur gemeinsam begegnen kann“, sagt Britta Sturm vom Sportreferat der Stadt Freiburg. Kinder bewegten sich immer weniger, die Sportvereine suchen nach Ehrenamtlichen und Sportunterricht an Schulen wird häufig fachfremd unterrichtet oder fällt gar aus.
Initiiert vom SC Freiburg, haben sich 2021 fünf Partner zusammengetan, darunter die Stadt Freiburg, die Eisvögel, die beruf leben Akademie und die step stiftung. Sie wollen das Sportangebot in den Quartieren ausbauen und die Akteure besser vernetzen. „Vor dem Projekt haben viele Akteure eigenständig gehandelt“, sagt Sturm. Teilweise seien Schule und Sportverein nur durch einen Zaun getrennt gewesen und hätten dennoch keinen Kontakt gehabt. Das ist nun anders. „Durch den Austausch entwickeln sich viele Kooperationen“, erläutert Sturm. Zudem werden im Rahmen des Projekts Fortbildungen für zukünftige Sport-Fachkräfte angeboten und Sportmöglichkeiten direkt in Kitas und Schulen organisiert. Die Finanzierung läuft jeweils über die Partner. „Wir wollen mit dem Projekt neben der Bewegung auch das soziale Miteinander fördern“, sagt Sturm. Deshalb gingen sie bewusst in Quartiere mit einem hohen Sozialindex. Aktuell gibt es sieben Quartiere, die etwas mehr als die Hälfte der Freiburger Stadtteile abdecken; weitere sind in Planung.
Wir wollen neben Bewegung das soziale Miteinander fördern.“
Britta Sturm, Sportreferat der Stadt Freiburg
Bielefeld: Inklusion im Sport
In Bielefeld ist der Sport eng verknüpft mit dem Ziel der Inklusion. So wurde die Stadt vor kurzem vom Special Olympics Nordrhein-Westfalen e. V. als „Fokus-Kommune für Inklusion im Sport“ ausgewählt. 2023 war die Stadt zudem Host Town im Vorfeld der Special Olympics World Games. „Das hat viel ausgelöst“, sagt Daniel Seifert, Stabsmitarbeiter im Dezernat für Schule, Bürger, Kultur und Sport. Rund 60.000 Menschen mit Beeinträchtigung leben in Bielefeld. Das Ziel: „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam Sport treiben können“, betont Karola Luthe, Mitarbeiterin des Sportamts. „Die Frage, ob ich zu einem Sportangebot hingehe, beginnt für Menschen mit Beeinträchtigung oft mit der Frage, ob sie da überhaupt hinkommen“, erklärt Seifert. Deshalb ist eine Analyse der Sportstätten geplant, inklusive einer Übersicht mit konkreten Informationen zu möglichen Barrieren. Dabei ist für sie klar: „Ein Umbau aller Sportstätten wird nicht funktionieren, aber bei Sanierungen, Neu- und Umbauten ist Barrierefreiheit natürlich ein wichtiges Thema und wird immer mitgedacht“, so Seifert.
Inklusives Sportfest und Anlaufstelle für Vereine
Um inklusive Strukturen im Sport zu stärken, hat die Stadt Bielefeld bereits einiges auf den Weg gebracht. So veranstaltet sie gemeinsam mit dem Sportbund Bielefeld ein inklusives Sportfest. Mit dem Inklusionsdinner zum Thema Sport im Mai 2025 wurde ein Raum für offenen Austausch zwischen Sportvereinen, Menschen mit Beeinträchtigung, Verwaltung und weiteren Akteuren geschaffen. Es ist geplant, mit Unterstützung der Aktion Mensch eine Fach- und Anlaufstelle für Inklusion im Sport bei einem Bielefelder Verein einzurichten. Zudem sucht der Stadtsportbund in Abstimmung mit der Stadt und Special Olympics NRW den Kontakt zu den Vereinen, um Berührungsängste abzubauen und konkrete Angebote wie Schnuppertrainings anzubieten. Vereine hätten oft die Sorge, dass sie für inklusive Angebote eine Spezialausbildung benötigen, während Menschen mit Beeinträchtigung sich häufiger fragen, ob sie bestehende Sportangebote wahrnehmen könnten. Dabei stellt Seifert fest: „Im Breitensport zählt das Soziale viel mehr als das Ergebnis. Letztlich geht es darum, Barrieren in den Köpfen abzubauen.“
333 Millionen Euro für kommunale Sportstätten
- Für die Sanierung von Sportplätzen, Hallen und Bädern stehen aktuell 333 Millionen Euro bereit, finanziert aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.
- Bundesweit wurden 314 Projekte ausgewählt, die über das Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gefördert werden. Für die ausgewählten Städte und Gemeinden startet nun das Antragsverfahren.
- Gefördert werden zukunftsfähige Lösungen, etwa möglichst klimaneutral betriebene Freibäder und ressourcenschonende Materialien bei Außenanlagen.
- Wichtig: Bei Kunstrasen sind nur noch recyclebare Systeme förderfähig, synthetische Füllstoffe sind ausgeschlossen.

