Innovativer Ansatz
Was es beim modularen Bauen zu beachten gilt
Dringende Nachfrage nach Kita-Plätzen
Zwar gibt es in Spalt schon länger einen gut aufgestellten Kindergarten, doch die Nachfrage insbesondere nach Kita-Plätzen ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Schließlich war klar, dass es ein weiteres Gebäude braucht. „Da wir zu wenig Platz für den bestehenden Bedarf hatten, haben wir begonnen, eine neue Kita zu planen auf einer Freifläche neben der Altstadt, die bereits im Besitz der Stadt war“, erzählt Dominik Kühleis, der Leiter des örtlichen Bauamts. Vor der Planungsausschreibung wurde im Stadtrat debattiert, welche Bauweise hierfür am meisten Sinn macht. „Damals wurde diskutiert, ob für die Kita eine Holzbau-, Massivbau oder Modulbauweise verwendet werden soll“, erzählt Kühleis. Letztlich habe man sich für die Modulbauweise entschieden und die Planung auch entsprechend ausgeschrieben.
Besondere Anforderungen an neue Kita
Nachdem die Nachfrage nach Kita-Plätzen hoch und akut war, waren auch die Anforderungen entsprechend. Zum einen sollte das Gebäude flexibel erweiterbar sein und vor allem möglichst schnell fertiggestellt werden, zum anderen sollte es sich bei moderner und nachhaltiger Bauweise möglichst gut in die historische Altstadt einfügen. Darüber hinaus wollte die Kommune maximale Kostensicherheit für den Bauprozess haben. All diese Aspekte wurden durch die Modulbauweise besonders gut abgedeckt.

So funktioniert die Modulbauweise
Bei der Modulbauweise werden Gebäude nicht komplett auf der Baustelle gemauert, sondern aus im Werk vorgefertigten, dreidimensionalen Raumblöcken, sogenannten Modulen zusammengesetzt. Wie detailreich diese bereits vorgefertigt sind, ist je nach Projekt unterschiedlich, zumeist aber verlassen die Module das Werk bereits mit eingebauten Fenstern, Türen, Sanitäranlagen und Leitungen. Das macht auch den Unterschied zum Fertighaus aus: Während beim normalen Fertighaus meist flache Wände angeliefert werden, kommen bei der Modulbauweise bereits fertige, ganze Räume auf die Baustelle. Bevor die Module auf der Baustelle zusammengesetzt werden, wird eine klassische Bodenplatte gegossen. Ist diese fertig, kann aus den Modulen relativ rasch ein Gebäude entstehen. Im Fall der Kita in Spalt wurden die Module laut Kühleis bereits mit vorbereiteten Fensteröffnungen, Leitungssträngen und Elektrik geliefert. Im Innenbereich wurden dann Trockenwände angebracht, an die Fassade kam eine Holzverkleidung.

Zeitgewinn und Flexibilität als große Vorteile
Der größte Vorteil bei der Anwendung der Modulbauweise ist der Gewinn an Zeit im Bauprozess. Die Gründe hierfür: Während auf der Baustelle das Fundament gegossen wird, können bereits parallel im Werk die Räume gebaut werden. Zudem gibt es kaum Qualitätsschwankungen oder wetterbedingte Verzögerungen, da die Module wettergeschützt in einer Halle gefertigt werden. Hinzu kommt die Flexibilität. Die Module selbst sind zwar kaum veränderbar, aber die daraus erbauten Gebäude können später relativ problemlos noch erweitert, aufgestockt oder sogar an einen anderen Ort versetzt werden. Auch was die Kalkulation anbelangt, bringt die Modulbauweise Vorteile mit sich. Schließlich könnten die Kosten durch die standardisierten Prinzipien deutlich genauer kalkuliert werden und gibt es weniger unvorhergesehene Probleme.
Zügige Errichtung der neuen Kita
Nachdem man in Spalt Anfang 2020 den Beschluss zum Bau einer Kita in Modulbauweise gefasst hatte, ging es in Folge vergleichsweise schnell mit dem Bau. Ab 2021 wurde mit der Umsetzung des ersten Bauabschnitts begonnen, knapp eineinhalb Jahre später betraten die ersten Kinder die neuen Räumlichkeiten. Der zweite Bauabschnitt wurde im September 2025 begonnen und im März dieses Jahres fertiggestellt. Mittlerweile ist die Kita voll im Einsatz. Dabei umfasst der heutige Modulbau die rund 300 Quadratmeter große Kita sowie ein rund 150 Quadratmeter großes Lager für Outdoor-Spielsachen, das auch vom nahe gelegenen Hopfenmuseum genutzt wird.

Nachhaltigkeitsaspekt
Beim Bau wurde zudem darauf geachtet, dass ressourcenschonend gebaut wird und die Energiekosten bei laufendem Betrieb möglichst gering sind. So senkt etwa die hochwärmegedämmte Gebäudehülle in Verbindung mit einer regenerativen Heiztechnik (an das örtliche Nahwärmenetz angeschlossen) den Energieverbrauch der Kindertageseinrichtung. Für zusätzlichen Sonnenschutz sorgt das begrünte Flachdach, das außerdem das Raumklima verbessert und als Ersatzlebensraum für Tiere dient. Auch der Bau der Module in Stahlrahmenbauweise selbst ist ressourcenschonend. Dadurch, dass die Fertigung nach standardisierten Prozessen erfolgt, wird ein optimierter, weitgehend verlustfreier Materialeinsatz ermöglicht. Außerdem sind die Modulbauten dank ihrer hohen Raumflexibilität lange nutzbar. Da die Bauweise fast ohne Verbundstoffe auskommt, lassen sich viele Bauteile sortenrein trennen und in hohem Maße wiederverwenden oder recyceln, sollte das Gebäude einmal nicht mehr benötigt und abgetragen werden.
Frühzeitige und genaue Planung entscheidend
„Für Kommunen ist die Modulbauweise vor allem wegen der Schnelligkeit durchaus eine ernst zu nehmende Alternative und wer sich dafür ausreichend Zeit nimmt, kann die Vorteile der Modulbauweise voll ausschöpfen“, sagt Kühleis aus Erfahrung. Damit sich diese tatsächlich auszahlt, sei es allerdings ausgesprochen wichtig, sehr frühzeitig bereits Details vor Produktionsbeginn zu bedenken und extrem sorgfältig zu planen. Der Grund: Während bei einem Gebäude in konventioneller Bauweise notfalls auch während der Bauphase noch kleinere Änderungen umgesetzt werden können, ist das bei einem Bau in Modulbauweise, zumindest was die einzelnen Raumbestandteile betrifft, sehr schwierig oder aber extrem kostenintensiv. „Man muss innerhalb der Räume denken und kann im Nachhinein zum Beispiel schlecht noch Wände verschieben. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass die eigentliche Herausforderung nicht der Bau selbst ist, sondern die Planung davor“, sagt der Bauamtsleiter. Wenn aber alle Zahnräder gut ineinandergreifen und Kommune, Planer und Baufirma gut zusammenarbeiten, könnte man bereits bei kleineren und mittelgroßen Gebäuden zeitlich einiges herausholen, wie Kühleis sagt.
Weiteres Gebäude in Modulbauweise in Planung
Die Erfahrungen, die man in Spalt beim Kita-Bau mit der Modulbauweise gesammelt hat, waren insgesamt derart positiv, dass man diese Bauweise auch für weitere kommunale Gebäude andenkt. „Wir sind gerade dabei, ein weiteres Vorhaben in Modulbauweise auf den Weg zu bringen“, sagt Kühleis. Konkret handelt es sich dabei um das Sozialgebäude für den örtlichen Bauhof, das noch in diesem Jahr gebaut werden soll.


