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  1. Panorama
  2. Straßenbeleuchtung: NAV als günstige Alternative zu LED
LED: Günstige Alternativen sind NAV-Lampen
© Fotolia: Porphrin Joe

Straßenbeleuchtung: NAV als günstige Alternative zu LED

16. April 2019
Häufig gehen Bürgermeister, Kämmerer und Bauamtschefs davon aus, dass die Zukunft der Beleuchtung kommunaler Straßen, Plätze und Gewerbeflächen ausschließlich in LED liegt. Aber stimmt das auch? Unser Gastautor vertritt eine andere Meinung
Text von Gerolf Päckert. Päckert arbeitet als freier Technologiejournalist mit Schwerpunkt Forschung und Entwicklung im innovativen Mittelstand in Berlin 

Eine technologische Alternative braucht den Vergleich mit LED nicht zu scheuen! 

Obwohl sie sich in 400 Kommunen bundesweit teilweise schon seit über 10 Jahren bewährt, spielt sie in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch kaum eine Rolle. Die Rede ist von Natriumdampf-Hochdrucklampen, kurz NAV oder HPS. Sie sind inzwischen echte Hightech-Produkte mit Eigenschaften, die sie gegenüber Dioden als vorteilhafter erscheinen lassen. Mit 70.000 Betriebsstunden bieten NAV-Lampen die gleiche mittlere Lebensdauer wie LED; bekannte Hersteller garantieren bei 48.000 Betriebsstunden einen Ausfall von unter 10 Prozent.  

Allerdings hatten die NAV lange den Makel, mehr Energie zu verbrauchen. Das ist jedoch Vergangenheit. Denn die Leuchten können heute bedarfsabhängig massiv gedimmt werden – und bleiben dabei technisch stabil. Ingenieure aus Sachsen-Anhalt fanden vor über einem Jahrzehnt mit dem Dimmlight-Verfahren einen Weg, den Verbrauch der Leuchten in den verkehrsarmen Nachstunden frei programmierbar um bis zu 67 Prozent zu drosseln, ohne die Spannung zu verändern. Deshalb arbeiten sie selbst bei maximaler Dimmung sicher; obendrein verlängert sich ihre Lebensdauer spürbar. Im Jahresmittel werden mit dieser physikalisch alternativen Lösung Energieverbrauch und -kosten etwa halbiert. Mit nachrüstbaren Dimmern reduziert schon eine 20.000 Einwohner-Stadt mit 1.800 Lichtpunkten einen Energieverbrauch von rund 500.000 Kilowattstunden dauerhaft um etwa 50 Prozent. Tut sie das nicht, verschenkt sie Jahr für Jahr 41.640 Euro. Dieser Wert ergibt sich bereits bei einer Dimmung von nur 80 Prozent des Leuchtenbestands. Auf Wunsch bekommt die Kommune bei manchen Anbietern auch eine Geld zurück-Garantie – selbst für die Kosten des Einbaus durch eigenes Personal oder ortsansässige Fachbetriebe.  

Die für häufig noch lange erhaltenswerte Bestandsanlagen ebenso wie für Neuinstallationen geeignete Technik ist LED energetisch ebenbürtig. Wohl auch deshalb hat die EU gerade ein Verbot der NAV-Lampen ausgeschlossen. Sie blieben dauerhaft in voller Bandbreite der Wattagen und Lumenzahl am Markt, hieß es nach den jüngsten Brüsseler Beschlüssen aus dem Bundesumweltamt. Auch Leuchten und Mastköpfe in vielfältigen Formen und Preisklassen werden von etlichen Herstellern weiter geliefert.  

NAV-Lampen: Was für Erfahrungen machen andere Kommunen mit der LED-Alternative?

LED steht in Verdacht, Krebs auszulösen. Unser Autor meint, dass NAV-Lampen eine günstige Alternative sind



Analysiert man die Kosten der Kombination aus NAV und Dimmer über den gesamten Lebenszyklus bis zum üblicherweise nicht bedachten Tag der Ersatzbeschaffung, ist sie deutlich günstiger als LED. Und fällt doch mal eine Lampe aus, kostet der Ersatz wenige Euro. Fehlt der Kommune das Geld für den Kauf, benötigt sie für Anschaffung und Installation der Technik dank eines preisgekrönten Finanzierungsmodells keinen Cent zusätzliche Investitionsmittel: Die meist drei bis vier Raten finanzieren sich erst nach Vorliegen der deutlich geminderten Jahresabrechnung des Energieversorgers aus nur einem Teil der realen Ersparnis. Die verbleibende Differenz fließt von Anfang an in den kommunalen Haushalt: eine rentierliche Investition also – aber ohne Investaufwand. Deshalb ist die Dimmlight-Lösung selbst und gerade für Städte und Gemeinden in wirtschaftlicher Not geeignet. 

Geregelte Natriumdampf-Leuchten haben jedoch noch andere, von BUND, NABU und Lichtfolgeforschern gewürdigte Vorteile, die zunehmend die politische Diskussion und Entscheidungsfindung beeinflussen. Mit ihrem warm-orangen Licht tragen sie nachhaltig zum Insekten- und Umweltschutz bei: Einerseits verringert ihre Dimmung die stetig steigende absolute Lichtmenge, Stichwort „Lichtverschmutzung“. Andererseits emittieren sie im Gegensatz zu LED kaum ultraviolette, blaue und grüne Lichtanteile. Genau diese bedrohen jedoch Flora, Fauna und wohl auch die menschliche Gesundheit. Der Bundestag hat deshalb eine Technologiefolgeabschätzung zu LED veranlasst, die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. Staatliche Stellen informieren die Kommunen bislang leider ausschließlich über LED. Die Kosten- und Umweltargumente pro NAV überzeugen gleichwohl Verwaltungen im gesamten Bundesgebiet – sofern sie denn davon erfahren. So setzen etwa Magdeburg und Naumburg in Sachsen-Anhalt, Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) oder Langewiesen (Thüringen) und das Amt Rhinow im Sternenpark Westhavelland (Brandenburg) auf die Lösung. „Unsere Stadt hat seit 2008 gute Erfahrungen mit der bedarfsabhängigen Regelung der Straßenbeleuchtung“, bestätigt stellvertretend für viele Kolleginnen und Kollegen auch Bürgermeister Andreas Dittmann aus Zerbst.

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