Von Open Data erhoffen sich Befürworter neben einer höheren Transparenz einen enormen Service für Bürger und Verwaltungen

Transparenz: Daten sind das Öl der Zukunft

Wie lang ist die Wartezeit im Bürgerbüro? Wie läuft der Verkehr heute früh? Wie ist die Qualität meines Trinkwassers? Wer Datenmaterial sucht, kann sich in der Verwaltung auf Schatzsuche begeben. KOMMUNAL fragt nach: Was bringt Open-Data für Bürger, Verwaltung und die Transparenz?

„Jeden Morgen stehe ich vor dieser roten Ampel, aber weit und breit fährt kein Auto. Und dann dauert es drei Minuten, bis sie auf grün schaltet“. Was Werner Kunz aus Oranienburg hier beschreibt ist eine typische Situation, wie sie Autofahrer kennen. Nach Wochen des Ärgerns meldete er die Ampel beim zuständigen Amt und in der Tat ist sie inzwischen nach Verkehrszählungen und Prüfungen abgeschaltet worden. Der Verkehr läuft ohne die Ampel offenbar reibungsloser. Was in diesem Fall analog auf dem kurzen Dienstweg geschehen ist, lässt sich mit dem Öl der Zukunft – Datenmaterial – digital genauer und schneller ermitteln. Und nicht nur im Verkehr. Das Bedürfnis der Bürger nach kurzen Reaktionszeiten auf Ämtern und vor allem nach mehr Transparenz steigt. Das beginnt bei der Frage, welche Baumaßnahmen in der Gemeinde im kommenden Jahr geplant sind über die Frage, in welchen Kitas Plätze frei sind und endet bei Haushaltsfragen wie etwa dem örtlichen Budget für die Wirtschaftsförderung.

Daten schaffen Transparenz

Die Voraussetzungen für solch smarte Städte sind bereits geschaffen. Die Daten existieren ohnehin. Die Kosten für die zusätzliche Veröffentlichung sind vergleichsweise gering. So dürfte es günstiger kommen, die Zahl  der verfügbaren Kita-Plätze transparent online abrufbar zu machen, als einen Mitarbeiter damit zu beschäftigen, die Fragen von jungen Eltern jedes Mal telefonisch oder schriftlich zu beantworten, Daten einzeln und individuell zu kommunizieren.
Politisch bewegt sich beim Thema einiges. Ein Open-Data-Gesetz soll noch vor der nächsten Bundestagswahl kommen. So haben es Union und SPD zumindest  vor. Die Zeit jedoch wird knapp - immer wieder wurde der Gesetzesentwurf verschoben. Ein Blick ins Ausland zeigt hier, was alles unter Transparenz-Gesichtspunkten möglich werden könnte. Etwa beim Thema Verkehr. Hier ist Liverpool einer der Vorreiter. Die Stadt bietet Informationen über die Auslastung der Straßen und des öffentlichen Personennahverkehrs in Echtzeit. Gerade in diesem Bereich wollen vermehrt auch private Anbieter Geld verdienen. So bietet Google-Verkehr bereits im Rahmen seines Kartendienstes Google-Maps ein Tool an, mit dem sich Verkehrsstaus im Vorfeld erkennen und umfahren lassen. Allerdings zeigt der Dienst auf Nebenstraßen und außerhalb von Ballungszentren noch ziemliche Schwächen. Die Stadt Stockholm verbindet seine Daten über den Verkehrsfluss wiederum mit einem intelligenten System, um die Luft sauberer zu machen. Konkretes Ziel der smarten Lösung: Die Autofahrer sollen möglichst die günstigste Strecke zur Arbeit angeboten bekommen, die Fahrtzeiten dadurch reduziert und die Emissionen gesenkt werden. Um 20 Prozent seien die bereits gesunken, so die Statistiker.

Verwaltungssysteme sind nicht ausreichend vorbereitet

Doch noch sind viele IT Systeme auf Open Data nicht wirklich eingestellt. In zahlreichen Verwaltungen gibt es geschlossene IT-Lösungen mit langen Laufzeiten. Noch größer jedoch ist der Hemmschuh beim Stichwort Datenschutz: nicht nur die jüngsten Hacker-Angriffe in den USA oder die Meldungen von E-Mail Passwörtern, die geknackt wurden, sorgen für Verunsicherung. Deutschland ist gespalten in Technik-Skeptiker und Technik Euphoriker.

Transparenz, Kostenersparnis und ein enormer Service - Open Data ist in aller Munde...

Der Hamburger Datenschutzexperte Johannes Caspar empfiehlt Kommunen, die Datenschutzbeauftragten vor Ort so früh wie möglich ins Boot zu holen. „Die digitalen Spuren des Einzelnen lassen Rückschlüsse auf individuelle Verhaltensmuster, Bewegungsprofile und Gewohnheiten von Menschen zu“, warnte er jüngst in der FAZ. Aus Transparenz wird so schnell ein Ausspähen. Zudem sei auch die rechtliche Grundlage je nach Bundesland nicht immer so eindeutig, wie sich das viele wünschten. Auch Bundesgesetze erschwerten den Zugang und die Arbeit für Kommunen. Die sind durchaus offen für neue Möglichkeiten. Ebenfalls in der FAZ erklärte Jan Schneider, Stadtrat für Bürgerservice und IT in Frankfurt Anfang des Jahres: „Mit offenen Daten ist es möglich, dass Private neue Angebote schaffen, die eine Verwaltung aus Kapazitätsgründen oder aus rechtlichen Gründen nicht entwickeln könnte“.
Ein Beispiel: Daten über den nächsten freien Arzttermin auf der Webseite der Kommune zu erfahren, wäre ein echter Mehrwert für viele Patienten. Die Daten liegen aber bei den Ärzten, Kommune und Wirtschaft müssen hier Kooperationen schließen. Wobei nicht immer klar ist, wer welche Daten hat und weitergeben darf.

Wartezeit in Bürgerämtern - in Echtzeit! Kein Problem!

Schon heute praktisch umgesetzt werden hingegen – teils über Apps privater Anbieter – Daten rund um die Wartezeit in Bürgerämtern. Die Stadt Moers etwa visualisiert in einer App, an welchem Tag und zu welcher Tageszeit man am längsten warten muss oder wann nur kurz. In Hunderten Kommunen ist bereits das Ratsinformationssystem im Einsatz. Dort veröffentlichen die Städte und Gemeinden ihre Sitzungsdokumente. Das Ratsinformationssystem gräbt die Daten ab und stellt sich bürgerfreundlich zum Abruf bereit. Der Nutzer gibt einfach seine Adresse ein und kann auf einen Blick sehen, ob es im Rat oder in den Ausschüssen Entscheidungen zu seiner Straße gegeben hat. Um Open Data zu einem Erfolg werden zu lassen, dürfte vor allem die Kommunikation von Kommunen untereinander wichtig sein. So kann nicht nur Transparenz geschaffen werden, nicht nur Erfahrungen ausgetauscht, sondern auch Ängste abgebaut werden.

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