Energie
Wärmeplanung: 6 Probleme, 6 Tipps
Wärmeplanung in Kommunen: Baden-Württemberg besonders weit
Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen ihre Wärmepläne bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen haben mehr Zeit - bis zum 30. Juni 2028. Die Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes stellt gerade für sie stellt die Planung personell und zeitlich eine Herausforderung dar. Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten bereits zuvor eigene Wärmeplanungsgesetze erlassen. Dies führte in diesen fünf Bundesländern zu abweichenden Fristen. Baden-Württemberg ist bei der Wärmeplanung besonders weit: Dort hat bereits ein Viertel der Gemeinden einen fertigen Plan in der Schublade. In Nordrhein-Westfalen sind mehr als 80 Prozent der Kommunen bereits aktiv. In Schleswig-Holstein sind es zwar nur 3,2 Prozent, doch diese Kommunen decken fast die Hälfte der Bevölkerung dort ab.
Ergebnisse des Dialogs mit Kommunen
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hatten einen bundesweiten sogenannten Stakeholder-Dialog initiiert. Es wurden die Betroffenen mit an den Tisch geholt. Ziel war der Austausch zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Verbänden, um gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln und die Akzeptanz für die Wärmeplanung zu stärken. Das Institut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat jetzt auf Basis dieser Ergebnisse Tipps für die Kommunen erarbeitet. KOMMUNAL fasst die wichtigsten Tipps für Sie zusammen. Am Ende des Artikels finden Sie das Papier als PDF zum Herunterladen.
1. Daten einfacher erheben und bereitstellen
Das Problem: Kommunen arbeiten oft mit unvollständigen oder schwer zugänglichen Datenbeständen.
Tipps für Kommunen:
- Nutzen Sie verfügbare Landes- oder Bundesdatenbanken (zum Beispiel zu Gebäudebestand, Netzen, erneuerbaren Potenzialen).
- Prüfen Sie regionale Kooperationen, um gemeinsame Datenpools aufzubauen.
- Setzen Sie auf einheitliche Standards bei der Erhebung, damit Ergebnisse vergleichbar und weiter nutzbar sind.
2. Kleine Kommunen gezielt unterstützen
Problem: Kleinere Städte und Gemeinden verfügen oft nicht über das Fachpersonal und die Ressourcen für komplexe Wärmepläne.
Tipps für Kommunen:
- Nutzen Sie Mustervorlagen und Arbeitshilfen (etwa von Energieagenturen oder Landesministerien).
- Kooperieren Sie interkommunal, um Fachwissen und Kosten zu teilen.
- Fordern Sie aktiv Unterstützung von Landesbehörden ein, etwa bei der Auslegung des Wärmeplanungsgesetzes.

3. Bauplanungsrecht besser einsetzen
Problem: Flächennutzungs- und Bebauungspläne werden bisher selten strategisch mit der Wärmeplanung verknüpft.
Tipps für Kommunen:
- Schaffen Sie klare Vorgaben in Bebauungsplänen für erneuerbare Wärmeversorgung (zum Beispiel Anschlusszwang an Wärmenetze).
- Nutzen Sie Praxisleitfäden, um rechtssicher vorzugehen.
- Prüfen Sie die frühzeitige Einbindung von Stadtplanungs- und Bauämtern in die Wärmeplanung.
4. Genossenschaften fördern
Problem: Der Aufbau kleiner Wärmenetze scheitert häufig an Finanzierung und fehlender Organisation.
Tipps für Kommunen:
- Unterstützen Sie Bürgerenergiegenossenschaften aktiv, etwa durch Bereitstellung von Grundstücken oder Verwaltungswissen.
- Stellen Sie Kontakt zu Förderstellen und Banken her.
- Prüfen Sie Bürgschaftsmodelle, um Investitionen abzusichern.
5. Energieinfrastruktur besser abstimmen
Problem: Kommunale Wärmeplanung und Netzbetreiber arbeiten oft nebeneinander statt miteinander.
Tipps für Kommunen:
- Suchen Sie frühzeitig den Dialog mit Strom- und Gasnetzbetreibern.
- Stimmen Sie Ausbau- und Sanierungspläne ab, um Synergien zu nutzen.
- Nutzen Sie Leitfäden und Schulungen, die die Zusammenarbeit erleichtern.
6. Quartiers-Lösungen gezielt einsetzen
Problem: Wärmewende gelingt nicht mit Einzelmaßnahmen, sondern im Quartiersmaßstab.
Tipps für Kommunen:
- Identifizieren Sie Pilotquartiere, in denen sich treibhausgasneutrale Lösungen besonders schnell umsetzen lassen.
- Nutzen Sie Förderprogramme für Quartierskonzepte und integrierte Ansätze.
- Binden Sie Bürgerinnen und Bürger frühzeitig ein, um Akzeptanz und Beteiligung zu sichern.
Fazit: Kommunen müssen nicht alles neu erfinden, sondern können auf vorhandene Hilfsmittel, Kooperationen und Förderprogramme setzen. Entscheidend ist, die Wärmeplanung strategisch in die Stadt- und Regionalentwicklung einzubinden und alle relevanten Akteure – von Netzbetreibern bis zu Bürgergenossenschaften – mitzunehmen.
Mehr Informationen zum Stand der kommunalen Wärmeplanung.
Hier finden Sie das Ergebnispapier des Stakeholder-Prozesses zur Wärmeplanung als PDF:


