Ein Netzwerk will Zukunftsorte auf dem Land schaffen - wie es funktioniert!
Ein Netzwerk will Zukunftsorte auf dem Land schaffen - wie es funktioniert!

Netzwerk ländliche Raum

Die neue Landlust: Wie Kommunen Zukunftsorte schaffen

Das Landleben ist beliebt wie nie – aber nicht überall im ländlichen Raum ist die Aufbruchstimmung spürbar. Ein Netzwerk will den ländlichen Raum gezielt fördern und „junge, digitale Menschen“ und „das Dorf in der Provinz“ zusammenbringen.

Zukunftsorte – das beschreibt am besten die neue Landlust  vieler junger Menschen, die nicht erst seit Corona an Fahrt gewinnt. Zukunftsorte, das hat nichts mit einer Welt zu tun, in der Autos durch die Luft fliegen und Roboter den Haushalt erledigen – es geht bei Zukunftsorten um ländliche Räume, die trotzdem modern und digital arbeiten. Dem hat sich zumindest ein Landlust-Projekt in Brandenburg verschrieben. Dem „Netzwerk Zukunftsorte“.

Wie das Netzwerk hilft, Zukunftsorte zu gestalten  

Die Mission des Netzwerkes Zukunftsorte ist es, gemeinsam mit Projektinitiatoren einen Raum zu schaffen, an dem Menschen leben und arbeiten. Die Leute, die sich an das Netzwerk Zukunftsorte wenden, haben eine Idee, möchten in ihrem Dorf oder ihrer Kleinstadt auf dem Land etwas anstoßen und erschaffen. „Mit unserem Praxiswissen unterstützen wir Akteure, die ein gemeinschaftliches Leben und Arbeiten praktizieren und testen wollen. Eines unserer harten Kriterien ist, dass die Projekt-Macher vor Ort ihren Erstwohnsitz haben“, sagt Julia Praaß, Gründungsmitglied von Netzwerk Zukunftsorte. Bisher finden die Co-Working und Co-Living Spaces in leerstehenden Häusern und Höfen in Brandenburg ihr Zuhause.

Klein Glien ist so ein Zukunftsort

Ein schönes Beispiel dafür ist das Coconat in Klein Glien. Es beschreibt sich als eine Verbindung zwischen Tradition und Digitalisierung. Das Coconat möchte eine Stätte für Alteingesessene und Zugezogene sein. Sie wollen das Dorf und die Welt zusammenbringen. „Wir fokussieren uns auf drei Hauptfaktoren: eine gesunde work-life-balance, die Nähe zur Natur und unsere Community“, beschreibt Julianne Becker, Mitgründerin von Coconat, diesen Zukunftsort. „Wir arbeiten eng mit dem Dorf zusammen und können unseren Hof beispielsweise als Event-Location anbieten für Dorffeste oder für die freiwillige Feuerwehr.“

Zukunftsorte gründen – einfach so?

Es gibt viele Hürden, die einem auf dem Weg zur Gründung eines Zukunftsortes begegnen. Allein auf landespolitischer Ebene gibt es viele behördliche Auflagen für Bauten und Gewerbe, die engagierte Akteure schnell entmutigen. Da will das Netzwerk helfen. Das Ziel: Vernetzung ermöglichen und mit gebündelter Kompetenz Impulse für Aufbau und Betrieb dieser Projekte geben. „Wir sind keine Hippies. Wir arbeiten mit Technologien und sind digital. Es geht nicht darum, sich abzukapseln und unter sich zu bleiben. Es sollen keine Inseln im Dorf entstehen“, betont Lena Buck, ebenfalls Mitgründerin. Immer mehr Kommunen legen ihre Hand auf leerstehende, zum Teil stark renovierungsbedürftige Gebäude. Sie sehen Potential darin. „Je mehr sich die Kommunen untereinander vernetzen, desto mehr erkennen sie die Möglichkeiten, die in den leerstehenden Häusern und ungenutzten Flächen liegen. Vernetzung ist da ein riesen großer Punkt“, sagt Lena Buck. Ortsgemeinschaften sollen nicht mit Neuem überfrachtet werden. Viel mehr will das Team von Netzwerk Zukunftsorte Dinge anstoßen und einen städtischen Kontext aufs Land bringen.

Momentan agiert das Netzwerk nur in Brandenburg, wird aber gerade auch in angrenzenden Bundesländern aktiv und nimmt Zukunftsorte aus Sachsen und Sachsen-Anhalt auf. Derzeit arbeitet das Team an einer digitalen Wissensplattform. Sie soll einen Überblick geben, Sichtbarkeit schaffen und Beispiele zeigen. Das Netzwerk bietet zudem eine digitale Masterclass an, in der sich Projekte austauschen und sich beraten lassen können. Für interessierte Kommunen gibt es sogenannte „Leerstand Safaris“. Bei einem geführten Spaziergang besuchen Ortsvorsteher und Interessenten mögliche Immobilien und Flächen. Währenddessen wird über Projektideen gesprochen, die für Gemeinde und Akteure gleichermaßen interessant sind.

Die neue Landlust

Während in den letzten Jahren Städte und ihre Speckgürtel beliebte Wohnorte geworden sind, versuchen Kommunen sich dahingehend weiterzuentwickeln, dass sie keine Pendler- oder Feriendörfer werden. Sie wollen Menschen nicht nur attraktive Wohnräume, sondern auch Arbeitsplätze bieten. „Viele nennen das ‚die neue Landlust‘. Die Menschen merken, grade auch in Corona-Zeiten, dass Städte nicht in jeder Situation die beste Lösung sind. Auf dem Land hat man ganz andere Freiräume,“ ist Julia Praaß überzeugt.

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