Ein Alpenpanorama allein reicht schon lang nicht mehr aus, damit der Tourismus boomt
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Ein Alpenpanorama allein reicht schon lang nicht mehr aus, damit der Tourismus boomt

Den Tourismus ankurbeln

Wie begeistere ich Touristen in einem Skigebiet, auch im Sommer in die Region zu kommen? Einige Hoteliers bei Salzburg hatten eine besondere Idee. Mit der Almcard helfen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen Betrieben im Ort. Ein Projekt zum Nachahmen!

Filzmoos ist eine kleine Gemeinde mit 1500 Einwohnern am Fuße des Dachsteins. Ein Fremdenverkehrsort, der hauptsächlich vom Skitourismus lebt. Die Skirennläuferin Michaela Kirchgasser etwa stammt aus dem Dorf, ist hier aufgewachsen. Ansonsten wirkt der Ort – außerhalb der Skisaison, ziemlich verträumt. Und so wirbt er online auch für sich: „Wandern am Fuße des weitläufigen Wandergebiets von Bischofsmütze und Dachstein. Mit täglich geführten Wanderungen, Almfrühstück. Und jetzt neu – der Almcard“. Denn wer sich die Karte des kleinen Dorfes genauer ansieht, der stellt schnell eine auffallende Besonderheit fest: Hier haben sich noch zahlreiche Almhütten halten können, die auch noch bewirtschaftet werden. Aber auch hier zeichnet sich seit einigen Jahren ab, dass sich die Bewirtschaftung immer häufiger einfach nicht mehr lohnt. Rein vom Wintertourismus kann das Dorf und erst recht die vielen kleinen Almen nicht leben. 

 

Tourismus im Sommer - dank der Almcard 

 

So kamen Julia und Michael Walchhofer, selbst Betreiber eines Hotels im Ort, auf die Idee der Almcard. Das ist ein kleines Heft, in dem alle Almen mit schönen Panorama Bildern dargestellt werden. Aber nicht nur das: Jede Alm wirbt mit einem kostenlosen „Schmankerl“. Das kann die kostenlose Schmalzstulle ebenso sein, wie der kleine Eisbecher oder eine leckere frische Milch von den Bergkühen direkt neben der Alm. Wer sich also auf einen der vielen Wanderwege hoch zu einer Alm begibt, erhält oben angekommen die entsprechende „Stärkung“ kostenlos. Jeder Gast, der ein Zimmer in einem der teilnehmenden Hotels bucht, bekommt ein solches Heft. Täglich kann ein Angebot auf einer Alm eingelöst werden. 

 

Hinter der Almcard steckt ein gut ausgeklügeltes Geschäftsmodell.„Der jeweilige Hotelier, der die Almcard an seinen Gast ausgibt, zahlt für jedes eingelöste Schmankerl gut 2 Euro an den Betreiber der Alm“, erklärt uns Julia Walchhofer. Das verursache bei den Hoteliers natürlich erst einmal Kosten. „Am Ende sind wir aber darauf angewiesen, dass die Almen überleben, denn die sind der Garant dafür, dass gerade auch im Sommer Touristen zu uns in die Hotels kommen“, so Julia Walchhofer.

 

Julia und Michael Walchhofer
Julia und Michael Walchhofer hatten die Idee zu der Almcard 

 

 

Die Almbetreiber haben mit dem Geld der Hoteliers meist zumindest die reinen Produktkosten wieder eingespielt. Beim Besuch einer der Almen stellen wir zudem fest: Natürlich haben wir uns zusätzlich zu der Schmalzstulle noch ein kühles Bier und einen Cappuccino bestellt. Und weil am Nachbartisch die Käsestulle mit dem frischen Bergkäse einfach zu verführerisch aussah, und Wandern bekanntlich hungrig macht, haben wir uns auch noch jeweils eine solche Käseplatte bestellt. Den hervorragenden selbstgebackenen Krapfen zum Nachtisch nicht zu vergessen. Unterm Strich kam also auch die Almwirtin auf Ihre Kosten. „Ja, das ist eine tolle Idee von Julia und Michael gewesen und eine absolute Win-Win-Situation“ erklärt uns einer der Almwirte, bei dem wir in luftiger Höhe eines der Schmankerl genießen. Und das Gespräch mit ihm zeigt: Hier gönnt man sich gegenseitig den Erfolg, ist ohnehin im Dorf mit allen per Du und so gibt es bei der Abrechnung zwischen den Hoteliers auch keine Probleme. „Das hilft uns allen, wir sind hier in den Bergen aufeinander angewiesen. Nur gemeinsam können wir Geld verdienen“, ist der Wirt begeistert. 

 

Idee für den Tourismus: Anfangs machte nur ein Betreiber mit

 

Im vergangenen Jahr ist Familie Walchhofer zunächst allein mit der Idee gestartet.Die Almcard mit all den schönen Bildern hat der kleine Hotelbetreiber auf eigene Kosten erstellt, hat im ganzen Ort und vor allem oben auf den Almen die Werbetrommel gerührt. „Unsere Gemeinde habe ich gar nicht gefragt, das habe ich einfach selbst in die Hand genommen. Natürlich hätten die vor allem finanziell helfen können. Aber wozu sind wir Unternehmer, da müssen wir auch mal selbst was unternehmen“, meint Michael Walchhofer. Zunächst gab es daher die Almcard aussschließlich in seinem Hotel. Inzwischen konnte er die Betreiber weiterer Hotels überzeugen. Mittlerweile existiert zur Almcard sogar eine eigene Webseite. „Ja, die habe ich natürlich auch selbst programmiert“, sagt Walchhofer mit großer Selbstverständlichkeit. 

 

Die Almcard - inzwischen wird sie überall ausgegeben
Die Almcard - eine ganze Gemeinde macht mit! 

 

 

KOMMUNAL meint: Die Almcard ist eines von vielen schönen Beispielen dafür, wie mit guten Ideen Tourismus gefördert werden kann. Was einige Hoteliers hier in Eigenregie gemacht haben, kann auch Anregung für so machen Tourismusverband oder städtisches Wirtschaftsförderungsprojekt werden. Voraussetzung ist immer, dass die Unternehmer gemeinsam mit der Kommune an einem Strang ziehen und sich Unternehmer weniger als Konkurrenten, sondern vielmehr als Partner sehen! 

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