Ob die autonom fahrenden Busse bald auch zu Deutschlands Stadtbild dazu gehören?


2. August 2017

Jetzt werden sie Realität

Autonom fahrende Busse auf dem Land

Im Sommer 2018 sollen die ersten autonom fahrenden Busse im Einsatz sein. Sie sollen keine festen Routen mehr abfahren, sondern per App zum Wunschort bestellt werden. KOMMUNAL berichtet über ein Verkehrsprojekt, das viele Hoffnungen aufkeimen lässt...

 

Immer und überall wird über technische Innovationen geredet. Doch bis die Technik dann wirklich auf den Markt kommt, vergeht mitunter viel Zeit. Auch über das Thema autonome Busse oder Autos wurde viel berichtet – und jetzt kommt es tatsächlich zu den ersten Pilotprojekten…

In Schleswig Holstein beispielsweise startet jetzt ein Pilotprojekt, bei dem erstmals autonom fahrende Busse im Öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden sollen – ohne feste Routen, ohne Fahrpläne, nur gesteuert durch die Nachfrage der Bewohner.

Die autonom fahrenden Busse sollen nämlich per Knopfdruck gerufen und unabhängig von irgendwelchen Linienfahrplänen genutzt werden können. Nach dem Aussteigen am gewünschten Haltepunkt sucht sich das elektrisch angetriebene Fahrzeug selbstständig einen Abstellort, lädt an der nächsten Ladestation auf oder macht sich schon auf den Weg zum nächsten Fahrgast. Das Projekt „ÖPNV-On-Demand“ wird vom BMVI mit 2,3 Millionen Euro gefördert und startet erst auf einem Privatgelände. Es wird von der Beratungsgesellschaft EurA AG koordiniert und soll neue Erkenntnisse zu Nutzererfahrung und -verhalten in autonomen Fahrzeugen gewinnen.

—> Bis das Projekt dann auf den öffentlichen Straßen rollt, soll nicht viel Zeit vergehen! Ab dem Sommer 2018 sollen die Busse auch auf Sylt und dem nordfriesischen Festland fahren.

 

Autonom fahrende Busse sind eine große Chance für das Land!

 

Autonom fahrende Busse – das klingt für viele zu unwirklich, viel zu sehr nach Science-Fiction. Dabei sind autonom fahrende Busse gerade für den ländlichen Raum attraktiv. Warum?

Strecken, die ein Bus auf dem Land zurücklegen muss, sind häufig zu lang oder werden kaum genutzt, sodass sich der ÖPNV schon gar nicht mehr rentiert. Zusätzlich sind die festen Fahrpläne so unflexibel, dass sie dem individuellen Bedarf gar nicht angepasst werden können. In einigen Regionen sind abgelegene Ortsteile nicht an den Personennahverkehr angebunden, was besonders für Senioren zum Problem werden kann. Und genau hier wollen Projekte wie „ÖPNV-On-Demand“ ansetzen.

 

Autonom fahrende Busse – Angst vor Verkehrsunfällen

 

Was in der Theorie äußerst verlockend klingt, bringt in der Praxis noch einige Probleme. Denn auf Teststrecken kam es bereits zu ersten Unfällen. Auch der Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel äußerte Bedenken, betonte aber, dass er seine Vorbehalte aufgeben würde, sobald das autonome Fahren sicher und erprobt sei. Im Bus wird zwar kein Fahrer sein, dafür aber ein Kontrolleur, der per Joystick jederzeit ins Geschehen eingreifen kann. Und auch das Tempo soll zu Beginn noch auf 20 bis 40 km/h begrenzt werden.

—> Auch wenn Risiko und Nutzen noch abgewogen werden müssen, machen solche Projekte Unternehmern, Stadtplanern und Politikern Hoffnung. Denn solange die Einwohnerzahl sinkt und der Altersdurchschnitt steigt, könnten autonome Busse eine echte Alternative zu den Standard-Bussen mit Fahrer bieten, indem sie eine bessere Verkehrsanbindung gewährleisten und so dazu beitragen, das Leben auf dem Land attraktiver und komfortabler zu gestalten.