Digitalisierung
Wiesbadener verzichten auf eigene Stadt-App
Die Landeshauptstadt Wiesbaden wird vorerst keine eigene Stadt-App entwickeln. Das hat die Verwaltung nach Auswertung einer mehrmonatigen Bürgerbeteiligung mitgeteilt.
Bürgerbeteiligung als Grundlage der Entscheidung
Mehr als 200 Rückmeldungen aus einer Online-Befragung, aus Straßeninterviews in der Innenstadt und aus einem Workshop bilden die Grundlage der Entscheidung. Die Bürgerinnen und Bürger sprachen sich darin mehrheitlich gegen eine zusätzliche Einzel-App und für einen gebündelten, niedrigschwelligen Zugang zu städtischen Informationen, Karten und Dienstleistungen aus.
Die Beteiligung war im Dezember 2025 gestartet. Über das städtische Beteiligungsportal wiesbadenwirkt.de konnten Interessierte bis zum 12. Januar 2026 ihre Erwartungen an digitale Angebote der Stadt schildern. Ein begleitender Workshop fand am 17. Dezember 2025 statt. Untersucht wurde unter anderem, wie bestehende digitale Angebote der Stadt sowie Stadt-Apps anderer Kommunen wahrgenommen werden.
Was sich Wiesbadens Bürgerinnen und Bürger wünschen
Die Auswertung lieferte ein klares Bild: Gewünscht werde kein weiteres isoliertes Angebot ohne eindeutige Positionierung, so die Verwaltung, sondern weniger Insellösungen, mehr Orientierung und eine durchgängige Nutzbarkeit ohne Medienbrüche. Mit anderen Worten: Die Bürgerinnen und Bürger wollen weniger Apps, dafür mehr Übersicht. Vor diesem Hintergrund werde die Entwicklung einer eigenständigen App auf Basis der vorliegenden Ergebnisse derzeit nicht weiterverfolgt.
Die zuständige Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung, Maral Koohestanian, hatte bereits zum Auftakt der Beteiligung den Anspruch formuliert: "Mir ist besonders wichtig, die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer, also die Bürgerinnen und Bürger Wiesbadens, früh in digitale Vorhaben einzubeziehen. Nur so entstehen digitale Lösungen, die im Alltag wirklich helfen und wir damit unserem Auftrag gerecht werden."
Konsequenz: Bestehende Digitalangebote bündeln statt Stadt-App
Statt einer neuen App will die Stadtverwaltung die bestehenden digitalen Verwaltungsleistungen kontinuierlich auf ihre Nutzungsfreundlichkeit prüfen und weiterentwickeln. Parallel läuft ein Projekt, das verschiedene städtische Kartenangebote zusammenführen und sowohl digital als auch analog bereitstellen soll.
Wiesbaden im Vergleich: Andere Kommunen, andere Wege
Wiesbaden setzt damit einen anderen Akzent als zuletzt etwa die Stadt Nordhorn, die im März 2026 eine sogenannte SuperApp mit gebündelten Diensten und integriertem KI-Agenten gestartet hat. Die hessische Landeshauptstadt ist zugleich eine von sechs hessischen Pilotkommunen einer gemeinsamen Digitalisierungsoffensive von Bund und Land Hessen, die Verwaltungsleistungen bundesweit standardisieren soll. Bis Ende April 2026 läuft außerdem der "Nutzerklima-Test", in dem Bürgerinnen und Bürger die Nutzerfreundlichkeit der digitalen Services ihrer Stadt bewerten.


