Bauen Handwerkermangel wird für Kommunen zum Problem
VadimGuzhva

Bauen: Wie Kommunen auf den Handwerkermangel reagieren

Immer mehr Kommunen schreiben ihre Angebote erst aus und dann ab. Grund dafür: Zu hohe Preise oder fehlende Angebote von Baufirmen. Doch wie gehen die Kommunen mit so einem Fall um? Und gibt es überhaupt eine Lösung für das Problem? KOMMUNAL sucht nach Antworten...

Die Zeiten, in denen Handwerker hinter Angeboten herjagen, sind vorbei.

Das stellen immer mehr Kommunen fest. Arbeiten, wie etwa die Sanierung einer Brücke oder die Neugestaltung eines Schulhofes werden häufig nicht mehr vergeben oder letztlich viel zu teuer. So beklagt zum Beispiel die Stadtverwaltung in Konstanz, dass sie auf Ausschreibungen für Bauleistungen nur noch wenige und zum Teil gar keine Angebote mehr erhält. Die Folgen? Preissteigerungen und Zeitverzögerungen.

 

Bauen: Ausschreibungen müssen zurückgezogen werden

 

So wollte die Stadt Konstanz die Fußgängerunterführung zwischen Hafen und Marktstätte sanieren lassen. Nachdem aber auf die erste Ausschreibung  kein wirtschaftlich vertretbares Angebot eingegangen war, hatte die Stadt die Ausschreibung neu konzipiert und abgespeckt.

Bauen: Ausschreibungen werden für Kommunen zum Problem

In Donaueschingen mussten zwei Brückenprojekte vertagt werden. Zwar hatten sechs Unternehmen Interesse an den Arbeiten gezeigt, aber nur ein Unternehmen hatte ein Angebot abgegeben: Die Verwaltung rechnete im Vorhinein mit 292.000 Euro, das Angebot lautete jedoch 888.000 Euro. Nicht, weil die Kosten so gestiegen wären, sondern weil die Bieterfirma laut Medienberichten auf gar keinen Fall den Zuschlag erhalten wollte. Daraufhin zog Donaueschingen die Ausschreibung zurück und schrieb die Arbeiten erneut aus: Die Brücke soll jetzt im Jahr 2019 für 410.000 Euro saniert werden.

 

Bauen: Kommunen versuchen sich selbst zu helfen!

 

Das Problem mit den Preisen kennen mittlerweile viele Kommunen. Einige von ihnen schreiben die Arbeiten bereits für das Folgejahr aus und hoffen, dass sich ein Unternehmen seine Auftragsbücher schon für das kommende Jahr füllen will.

In Konstanz setzt die Verwaltung nun auf die Vergabe einzelner Leistungen, während man in Donaueschingen auf den Faktor Zeit setzt: Eine lange geplante Kanalsanierung wurde aufgrund der fehlenden Angebote verschoben. Das Abwasser soll nun über einen rollenden Kanal (Tankfahrzeug) abfließen.

 

Bauen: Was ist die Ursache für die Probleme?

 

Bauindustrieverbände begründen die Kosten damit, dass die Preise für Rohstoffe, wie zum Beispiel Bitumen, Kies und Sand steigen: „Wer mit veralteten Preisvorstellungen ausschreibt, darf sich über höhere Preisvorstellungen der Bauwirtschaft nicht wundern“, erklärt Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes NRW. Die Baubranche reiche die Preissteigerungen nur weiter. Ihre Kritik: Die öffentliche Hand müsse sich zu einem attraktiveren Auftraggeber entwickeln. „Langwierige, fehlerhafte Planungsverfahren, Risikoverlagerungen auf Bauunternehmen, liegen gebliebene Nachtragsforderungen und stockende Bezahlung sind Gift für eine Partnerschaft am Bau.“

Doch auch der Nachwuchsmangel spielt eine große Rolle: „Jedes Jahr fehlen 15.000 bis 20.000 Azubis und Lehrlinge“, weiß der Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Hinzu komme, dass 200.000 Betriebe mit einer Million Mitarbeiter in den kommenden fünf bis sechs Jahren vor einem Generationswechsel stehen: Weder in den Familien noch von außen käme genug Nachwuchs, sodass die Betriebe nicht weitergeführt werden könnten.

Die Suche nach Fachkräften im Ausland hilft laut einigen Experten wenig, weil die technischen Regelwerke in Deutschland so kompliziert sind, dass Handwerker aus dem Ausland nicht genug betraut sind mit ihnen.

 

Und welche Möglichkeiten haben die Kommunen, wenn sie bauen wollen?

 

Viele Möglichkeiten haben Kommunen nicht. Entweder sie akzeptieren die Preise oder verschieben das Projekt und hoffen, dass ein besseres Angebot kommt, so der Tenor. Aloys Wilpsbäumer, Leiter der Technischen Betriebe in Greven glaubt aber, dass sich Kommunen ein bisschen Spiel verschaffen, wenn sie den Unternehmen ein größeres Zeitfenster anbieten, in denen sie ihre Arbeiten bewältigen müssen.

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