Helsinki Smart City
Helsinki gilt als Hauptstadt der Smarten Cities.
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Smart City

Helsinki stellt die Weichen für die Zukunft

Helsinki gilt als Hauptstadt der Smarten Cities. Wie sieht die digitale Zukunft aus? Was können Städte und Gemeinden in Deutschland aus Helsinki lernen, und was sollten wir besser nicht nachahmen?

Im Hafenviertel der finnischen Hauptstadt Helsinki wohnen die Bürger in Wohnungen, in denen sich das Licht, die Heizung und die Sauna per App steuern lassen. Der Müll wird über ein unterirdisches Röhrensystem abtransportiert. Bei anstehenden Bauprojekten in der Stadt fließen wichtige Daten in die Planung ein. Fast alle Behördengänge können in Helsinki online erledigt werden. Und: Wer zu Fuß geht oder umweltfreundliche Verkehrsmittel wie das Fahrrad oder den ÖPNV nutzt, sammelt Punkte und kann diese gegen einen kostenlosen Besuch in der Sauna eintauschen.

Diese Beispiele zeigen, wie offen, wie zukunftsgewandt, ja wie smart Helsinki ist. Können deutsche Kommunen etwas von der finnischen Stadt lernen? Und wenn ja, was?

Ist Helsinki ein Vorbild für den ländlichen Raum?

Für Peter Bihr, Strategieberater für Unternehmen und Kommunen, ist Helsinki nicht nur ein Vorbild für andere Großstädte, sondern insbesondere auch für den ländlichen Raum. Das Land ist flächenmäßig sehr groß, viele Regionen sind nur dünn besiedelt, sodass der nächste Bus oftmals weit entfernt ist. Helsinkis Lösung? Autonome Busse! „Im Gegensatz zu vielen anderen Städten setzt Helsinki autonome Fahrzeuge nicht für den Individualverkehr ein, sondern für den Öffentlichen Personennahverkehr.“ Die Busse sollen die letzte Meile erschließen und erfassen mit Laser- und Radargeräten die Strecke und bewegen sich automatisch – selbst bei Nebel, Regen oder Schnee. „Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen sie mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs gefüllt werden und als rollende Supermärkte durch den ländlichen Raum touren. Sie könnten die einzelnen Häuser anfahren und so auch die Menschen versorgen, die sonst abgeschnitten leben“, meint Peter Bihr. Zudem arbeitet Helsinki sehr eng mit den Bürgern zusammen. In einer Karte werden aktuelle Projekte dargestellt, die die Bürger bewerten und kommentieren können. So will die Stadt nicht nur ein besseres Stimmungsbild einfangen, sondern auch die Zufriedenheit erhöhen.

In Helsinki ist die Digitalisierung der Verwaltung weit fortgeschritten

Wie in anderen skandinavischen Ländern bietet Helsinki fast alle Verwaltungsdienstleistungen digital an. Das ist bequemer, weil die Bürger die Verwaltungsdienstleistungen auch von unterwegs in Anspruch nehmen können. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung aber auch die Möglichkeit, den Bürgern alle Informationen an die Hand zu geben, die sie brauchen. In diesem Bereich gilt auch Großbritannien als Vorbild. Denn das Land hat die Internetseiten der Regierung so umgestellt, dass auch Acht- oder Neuntklässler die Inhalte verstehen können. In Deutschland hingegen gibt es zwar auf regionaler Ebene immer wieder Vorbilder. Doch die Texte vieler Internetseiten sind für Laien unverständlich, die Inhalte laden zu lange oder die Homepages stürzen immer wieder ab.

Technik sollte nicht zum Selbstzweck eingesetzt werden

Helsinki prescht auch im Bereich der Datenoffenheit voran. Hier kann jeder Bürger einsehen, wie viel Steuern sein Nachbar zahlt. In Deutschland? Wäre das undenkbar! „Hier spricht man nicht mal mit seinen Freunden übers Gehalt“, Peter lacht. Doch das Beispiel zeigt, dass es keine one-size fits all-Lösung gibt und niemals geben kann. In den letzten Jahren hat sich jedoch auch viel in Deutschland getan, erste Projekte wurden angestoßen: „Der Druck auf Kommunalpolitiker wächst, nicht technologiefeindlich zu erscheinen. Kommunen sollten dennoch nicht einfach Technik einkaufen, um sich ein innovatives Image aufzubauen“, rät der Strategieberater. Aus seiner Sicht sollte Technik nicht als Selbstzweck, sondern vielmehr zielführend eingesetzt werden. Kommunen sollten sich also fragen: Welche Probleme haben wir? Welche Technik würde sich dafür anbieten? Und wie passen wir die Angebote am besten auf unsere Bedürfnisse an?

Der Austausch der Kommunen ist der schnellste Weg zur Smart City

„Wer einfach nur die nächstbeste Technik einkauft, kann relativ viel Schaden anrichten. Denn man muss sich auch überlegen, was in 20 Jahren mit den Daten passiert, wenn man den Anbieter wechselt. Wer hat dann Zugriff auf die Daten? Wer könnte davon betroffen sein? Das sind Risiken, die man abwägen sollte“, so Bihr. Je mehr Knowhow sich Städte und Gemeinden aneignen, desto selbstbewusster können sie gegenüber Tech-Firmen auftreten. „Da kann eine Kommune sich dann auch mal positionieren und ein Angebot ausschlagen, wenn es nicht den eigenen Ansprüchen entspricht. Doch Peter Bihr weiß auch, wie schwer es ist, nein zu sagen, wenn beispielsweise ein großer Konzern anbietet, in der gesamten U-Bahn kostenloses WLAN zu bauen. „Was für die Kommune sehr teuer werden kann, ist für einen Konzern ein kleines Marketingbudget“, weiß er. An dieser Stelle müssen Kommunen auch mal eine harte Entscheidung treffen. Auch wenn der Weg zur Smart City dann länger dauert. Aus strategischer Sicht ist der Austausch unter den Kommunen aber der schnellste Weg, um sich Wissen anzueignen und um sich so die Zukunft 2.0 aufzubauen.

Auch von Njema Drammeh