Bürgermeister Merkel in Büttelborn als KI-Avatar
© Gemeinde Büttelborn

Künstliche Intelligenz in der Verwaltung

KI-Avatare übernehmen Bürgerkommunikation

Kommunen in Deutschland setzen zunehmend auf KI-gestützte Video-Avatare. In Hessen gehen zwei Projekte voran: Büttelborn mit dem ersten digitalen Bürgermeister und der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit einem preisgekrönten Video-Nachrichtenformat. So können Verwaltungen mithilfe von KI bürgerfreundlicher werden und dem Fachkräftemangel begegnen.

Zwei hessische Verwaltungen demonstrieren aktuell, wohin die Entwicklung bei KI-gestützter Bürgerkommunikation geht: Während in Büttelborn seit Dezember 2025 ein digitaler Bürgermeister-Avatar rund um die Uhr Fragen beantwortet, produziert der Landkreis Darmstadt-Dieburg Video-Nachrichten und nutzt dafür KI-Avatare von Verwaltungsmitarbeitenden – und gewann dafür im Oktober 2025 einen Bundespreis. Die Projekte markieren den Übergang von Text-Chatbots zu personalisierten Video-Avataren in deutschen Kommunalverwaltungen.

Digitaler Bürgermeister: Wie Büttelborn KI-Avatare einsetzt

Seit dem 19. Dezember beantwortet der digitale Zwilling von Bürgermeister Marcus Merkel auf der Gemeinde-Website Bürgerfragen – in 28 Sprachen und ohne Unterbrechung. Der KI-Avatar nutzt die Stimme, Mimik und Gestik des echten Bürgermeisters. Das System beantwortet typische Verwaltungsfragen wie Hundesteuer-Höhe, Kita-Anmeldungen oder Öffnungszeiten. Bürgerinnen und Bürger können ihre Fragen per Text oder Spracheingabe stellen. Die Wissensdatenbank speist sich aus öffentlich verfügbaren Informationen der Gemeinde-Website und häufigen Bürgerfragen.Die Rückmeldungen sind bislang positiv. Merkel hat bereits Anfragen von anderen Bürgermeistern erhalten, die sich für das Projekt interessieren.

So können Kommunen KI-Avatare nutzen, um mit Bürgern zu chatten

Kosten und technische Umsetzung

Für die 15.000-Einwohner-Gemeinde war das Projekt kostenlos – Büttelborn diente als Pilotkommune. Marktpreise für vergleichbare Systeme liegen bei 4.000 bis 5.000 Euro für die Einrichtung plus 500 bis 2.000 Euro monatliche Betriebskosten. 

Preisgekröntes KI-Video-Format aus Darmstadt-Dieburg

Das Format "LaDaDi KOMPAKT" gewann am 22. Oktober 2025 den DIGITAL-Award in der Kategorie "Landkreise, Ministerien und sonstige Behörden". Ein speziell entwickeltes ChatGPT-Skript fasst Newsletter-Inhalte auf 90 Sekunden zusammen. Ein KI-Avatar – der durchwechselnd aussieht wie verschiedene Mitarbeitende der Verwaltung – präsentiert die Nachrichten lippensynchron im Corporate Design. Die Produktion dauert etwa 30 Minuten.

Die Videos erscheinen wöchentlich auf Instagram und YouTube. "Wir wollten ein Format schaffen, das Lust auf Digitalisierung macht", sagt Lisa Lange von der Landkreis-Kommunikation gegenüber KOMMUNAL. Landrat Klaus Peter Schellhaas betont: "Die zugrundeliegenden Werkzeuge sind handelsüblich, erprobt und günstig gewählt. Damit kann jede Organisation ohne Vorlauf oder große Budgets eigene Anwendungen ableiten." 

Bundesweiter Trend zu kommunalen KI-Assistenten

Die hessischen Projekte reihen sich in eine wachsende Bewegung ein. Hunderte deutsche Kommunen nutzen bereits Text-Chatbots für Bürgeranfragen. Video-Avatare gehen nun den nächsten Schritt: Sie verbinden automatisierte Systeme mit menschlicher Ansprache durch bekannte Gesichter und Stimmen. Dabei machen sie Informationen auch für Menschen mit einer Sehbehinderung leichter zugänglich. 

Der regulatorische Rahmen entwickelt sich parallel: Ab August 2026 greift der EU AI-Act mit verschärften Transparenzpflichten für KI-Systeme. Chatbots müssen dann klar als KI-Systeme gekennzeichnet werden. Die Anforderungen finden sich in Artikel 50 des EU AI-Act. 

Praktische Vorteile für Kommunalverwaltungen

Die KI-Avatar-Technologie adressiert zentrale kommunale Herausforderungen: Der Fachkräftemangel in Verwaltungen verschärft sich bundesweit, während gleichzeitig die Erwartungen an durchgängige Erreichbarkeit steigen. Video-Avatare können rund um die Uhr Standardanfragen beantworten – auch außerhalb der Öffnungszeiten und in zahlreichen Sprachen. Dies entlastet das Personal für komplexere Aufgaben. Außerdem sind die Verwaltungsinformationen so auch für Menschen zugänglich, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben.

Denn besonders der Mehrsprachigkeitsbedarf wird durch die Systeme effizient gelöst: Während Mitarbeitende mit allen benötigten Sprachkenntnissen gerade in ländlichen Kommunen schwer zu finden sind, können KI-Avatare wie in Büttelborn in vielzähligen Sprachen kommunizieren. Dies verbessert den Service für internationale Bürgerinnen und Bürger erheblich.

Herausforderungen und Grenzen der Technologie

Gleichzeitig zeigen sich klare Grenzen. Die Systeme können nur Informationen liefern, die in ihre Datenbanken eingepflegt wurden. Komplexe Einzelfälle und persönliche Anliegen erfordern weiterhin menschliche Bearbeitung. Die Qualität der Antworten hängt unmittelbar von der Pflege der Wissensdatenbank ab – eine kontinuierliche Aufgabe für die Verwaltung.

Datenschutzrechtlich bewegen sich die KI-Avatare in einem sensiblen Bereich: Bürgerfragen können persönliche Informationen enthalten, deren Verarbeitung besonderen Schutzanforderungen unterliegt. Beide hessischen Projekte setzen auf öffentlich verfügbare Informationen und vermeiden die Verarbeitung personenbezogener Daten im Avatar-System selbst.