Blackout-Vorsorge ist ein wichtiger Teil des kommunalen Katastrophenschutzes
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Tipps für den Krisenfall

Blackout: Was, wenn das Undenkbare passiert?

20. März 2026
Sollte es in Deutschland zu einem überregionalen und länger andauernden Stromausfall kommen, wären die meisten Kommunen darauf nicht ausreichend vorbereitet. Das meint Herbert Saurugg, Präsident der Gesellschaft für Krisenvorsorge im KOMMUNAL-Gastbeitrag. Er erklärt, wo die Herausforderungen liegen und wie sich Kommunen auf einen solchen Extremfall besser vorbereiten können. Bei KOMMUNAL hält er hierzu auch ein Webinar.

Ein großer Stromausfall gilt noch immer als unwahrscheinliches Szenario. Doch im Januar 2026 hat der regionale Stromausfall in Berlin gezeigt, wie schnell aus einem technischen Problem ein großflächiger Notstand werden kann. Innerhalb weniger Stunden standen Versorgung, Kommunikation und Sicherheit still – obwohl nur ein Teil der Stadt betroffen war. Die Prognosen vieler Fachleute haben sich damit auf erschreckende Weise bestätigt: Deutschland ist auf einen überregionalen und länger andauernden Stromausfall kaum vorbereitet.

Wenn eine Metropole mit vier Millionen Einwohnern schon mit einer regionalen Krise überfordert ist – wie soll dann eine ganze Gesellschaft damit umgehen, wenn plötzlich überall die Lichter ausgehen?

Die unterschätzte Systemkrise

Die zentrale Herausforderung ist nicht der Stromausfall selbst, sondern unser Umgang damit. Wir verdrängen die Möglichkeit eines solchen oder ähnlichen Ereignisses, obwohl die Warnsignale immer deutlicher werden:

  • Drei großräumige Blackouts in Europa seit 2024 – gegenüber nur zwei in den sechs Jahrzehnten davor.
  • Ausfall von kritischen Infrastrukturkomponenten mit monatelangen Wiederherstellungszeiten, wie der beschädigte Transformator nach dem österreichischen Schwarzstarttest 2025 oder nach Sabotageangriffen auf kritische Infrastrukturen.
  • Zunehmende Herausforderungen im europäischen Stromverbund durch hohe PV-Einspeisung in den Mittagsstunden.
  • Zunehmende geopolitische Eskalationen, wie aktuell im Nahen Osten, werden sich folgenschwer auf die Lieferketten auswirken und zu Folgekrisen führen. Mögliche Terror- oder Sabotageanschläge können sich auch gegen die kritische Infrastruktur richten und somit auch die Stromversorgung gefährden.

Diese Entwicklungen zeigen: Das System ist fragiler geworden. Und noch gefährlicher ist die Illusion, dass „schon nichts passieren” oder „schon jemand helfen wird“. Bei einem überregionalen Stromausfall wird niemand von außen zur Hilfe eilen können – jede Region und jede Kommune wird auf sich allein gestellt bleiben. Denn auch die üblichen Helfer werden selbst betroffen sein.

Der Teufelskreis der Abhängigkeit

Ein Blackout ist kein gewöhnlicher Stromausfall, sondern der Beginn einer vernetzten Versorgungskrise. Ohne Strom bricht die Kommunikation weg, Lieferketten reißen, Tankstellen bleiben leer, Kühlketten fallen aus. Und das nicht nur bis zum Ende des Stromausfalls. Wie das Blackout auf der Iberischen Halbinsel vor einem Jahr gezeigt hat, dauert die Wiederherstellung der Normalität Wochen und länger. Darüber wurde bei uns kaum berichtet. Auch in Berlin hat es gedauert, bis die Schäden wieder repariert waren.

Wenn dann auch noch ein Großteil der Bevölkerung – und damit auch viele Einsatzkräfte – keine eigene Notvorsorge hat, geraten auch Behörden und Betriebe rasch in Schwierigkeiten. Wer zu Hause um das eigene Überleben kämpft, kann nicht gleichzeitig Systeme wieder hochfahren, die öffentliche Ordnung sichern oder die Versorgung mit Lebensmittel sicherstellen.

Die eigentliche Krise beginnt erst nach dem Stromausfall.

Herbert Saurugg über kommunalen Katastrophenschutz beim Blackout

Was Kommunen jetzt tun sollten

Kommunen stehen im Zentrum der Bewältigung – sie sind die ersten Ansprechpartner für die Bevölkerung und zugleich Teil der kritischen Infrastruktur. Sie müssen:

  • Selbst handlungsfähig bleiben: Notstromlösungen, Kommunikationsmittel und Entscheidungsstrukturen müssen auf einen längeren Ausfall ausgelegt sein.
  • Eigenvorsorge fördern: Nur wenn Mitarbeiter:innen und Bürger:innen sich 14 Tage lang selbst versorgen können, bleibt die Kommune als Ganzes funktionsfähig. Denn niemand möchte sich mit Menschen in eine Schlange stellen, die sich nach dem Wiederanlauf um die wenigen Waren streiten oder Panikeinkäufe tätigen werden.
  • Das Wasser muss fließen: Fällt die Wasserversorgung aus, ist eine Krisenbewältigung fast unmöglich. Zudem drohen Infrastrukturschäden durch leerlaufende Leitungen. Die Sicherstellung der Wasserver- und Abwasserentsorgung auch bei Stromausfall sollte daher in jeder Kommune höchste Priorität haben.
  • Entsorgung und Versorgung sichern: Eine Notabgabe und eine rasche Entsorgung verderblicher Waren müssen vorbereitet sein, sonst drohen Hygiene- und Umweltprobleme. Die vorhandenen Ressourcen müssen vorbereitet und organisiert verteilt werden. Eine Rationierung wird unumgänglich sein.
  • Eine Gesundheitsnotversorgung muss vorbereitet und organisiert werden: Wie Berlin einmal mehr gezeigt hat, gibt es hier erhebliche Lücken, die rasch zu einem eskalierenden Problem für den kommunalen Krisenstab werden können. Denn selbst wenn die Kommune nicht unmittelbar zuständig ist, werden die Probleme letztlich beim Krisenstab landen. Und hier geht es schnell um Leben und Tod.
  • Gestrandete Menschen: Je nach Größe und Lage werden viele Kommunen auch rasch mit einer erheblichen Anzahl gestrandeter Menschen konfrontiert sein. Betroffen sind Kinder in Kindertagesstätten und Schulen, Touristen, Pendler und Zugreisende. Auch hier sind dringend Konzepte erforderlich, denn in der Krise wird ohne Kommunikation nur wenig und mit großem Aufwand organisiert werden können.
  • Verantwortung übernehmen: Die lokale Führungsebene muss sich als vorausschauender Krisenmanager verstehen, der nicht erst handelt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Vorbereitung ist Führungsaufgabe.

Führung heißt vorsorgen – jetzt!

Eine Blackout-Vorsorge ist keine Aufgabe für den Ausnahmezustand. Sie ist Teil moderner kommunaler Verantwortung. Wer heute Strukturen aufbaut, Notfallpläne vorbereitet und testet und Eigenvorsorge klar kommuniziert, schützt die Lebensgrundlagen seiner Gemeinde.

Wichtige Schritte für die Kommunen

  • Vorausschauende Planung und Priorisierung lebenswichtiger Funktionen und Ressourcen.
  • Aufbau belastbarer Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen ohne gewohnte Infrastrukturen.
  • Förderung, Unterstützung und Überprüfung der Eigenvorsorge beim eigenen Personal.
  • Kooperation mit Nachbarregionen und lokalen Betrieben für eine abgestimmte Notversorgung.

Führung in der Krise bedeutet, heute dort zu handeln, wo morgen alle hinsehen werden. Denn eines ist sicher: Vorbereitung ist die einzige Versicherung gegen das Unvorstellbare – auch wenn sie im Alltag und bis zur Krise oft wenig Lorbeeren einbringt.

Webinar-Reihe "Sicherheit um 6"

Einen tieferen Einblick in die zu erwartenden Auswirkungen und die notwendigen Vorbereitungen liefert Herbert Saurugg in dem Webinar „Sind Sie und Ihre Kommune bereits krisenfit?“ am 29. April 2026. Es ist Teil der Webinar-Reihe "Sicherheit um 6".