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Blitzer sollen Unfälle verhindern - wo mehr geblitzt wird, passieren aber MEHR Unfälle, sagt eine neue Statistik...

Bedeuten mehr Blitzer mehr Unfälle?

Geschwindigkeitskontrollen gehören zu einem der größten Ärgernisse von Bürgern, wenn es um ihre Kommunen geht. Die einen fordern mehr Blitzer, die anderen sprechen von Abzocke durch die Kommune. Allen recht machen können es die Städte und Gemeinden ohnehin nicht. Eine neue Studie aus Nordrhein-Westfalen dürfte die Diskussion um die "richtigen Standorte" nun aber neu anheizen.

Mehr Geschwindigkeitskontrollen auf den Straßen in der Innenstadt und mehr Befugnisse für Städte in Sachen Blitzer. Das war im Jahr 2013 das Ansinnen der damaligen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Großstädte dürfen seither per Gesetz auf allen Straßen blitzen, auf denen erfahrungsgemäß zu schnell gefahren wird. Zumindest die Großstädte - Städte mit weniger als 100.000 Einwohner müssen die Arbeit weiter dem jeweiligen Landkreis überlassen. Vorher durften die Großstädte nur an besonderen Unfallschwerpunkten blitzen.

Der Landesbetrieb IT NRW hat nun - über fünf Jahre nach Einführung der neuen Regelung nachgerechnet. Das Ergebnis: Die Zahl der Blitzergeräte ist tatsächlich massiv gestiegen. Beispiel Mönchengladbach: Dort verdoppelte sich die Zahl der erfassten Geschwindigkeitssünder von rund 35.000 auf rund 75.000 innerhalb von nur einem Jahr. Die Stadt nahm damit 1,3 Millionen Euro ein, nach 800.000 Euro im Vorjahr. In Köln stehen allein in diesem Haushaltsjahr 2,7 Millionen Euro für den Kauf neuer mobile Blitzeranlagen zur Verfügung. Eine Investition, die sich auszahlen dürfte. Auf der Einnahmeseite des Haushalts 2017 stehen in der Stadt Köln etwa 13,6 Millionen Euro durch Blitzer. 

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Immer mehr Blitzer - und doch massiv mehr Unfälle 

 

Doch nun kommt es - nicht nur die Zahl der Unfälle ist im gleichen Zeitraum gestiegen - vor allem die Zahl der Todesopfer hat sich in Köln massiv erhöht - um über 50 Prozent. Köln ist damit kein Einzelfall. Nach Zahlen des Landesbetriebs lag die Zahl der Unfälle im Jahr 2013 bei gut 47.000 in NRW. Im Jahr 2018 waren es fast 54.000. Und auch die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist deutlich gestiegen - von 4700 auf über 5100. Auffallend bei den Zahlen ist auch, dass die Unfälle mit Personenschaden auf Autobahnen vergleichsweise gering sind - von den 5111 Personenschäden geschahen 320 auf Autobahnen. Das sind genauso viele wie im Jahr 2014. Die meisten Unfälle (rund 4000) passierten innerorts. Hinzu kommt noch, dass nur Unfälle registriert wurden, zu denen die Polizei gerufen wurde. Gerade innerstädtisch passiert das nicht immer. 

 

Bedeuten mehr Blitzer also eine höhere Unfallgefahr?

 

Ganz soweit wollen die Experten dann doch nicht gehen. Wohl aber scheint klar, dass die pure Geschwindigkeitsüberwachung an sich nicht erfolgreich ist. Zumal seit dem Jahr 2014 auch die Bußgelder massiv erhöht wurden. Es kommt wohl eher darauf an, wo kontrolliert wird. Der Städte- und Gemeindebund in NRW fordert daher, den Blitzer-Fokus künftig auf Unfallhäufungsstellen zu richten. Solche Streckenabschnitte werden für alle Städte und Kreise durch Teams aus der Verwaltung und der Polizei ermittelt. "Mit klaren Vorgaben für Kontrollstandpunkte ließen sich auch die Abzocke-Vorwürfe aus der Welt schaffen", argumentiert Cora Ehlert vom Städte- und Gemeindebund. 

Auch der ADAC fordert eine Änderung der Blitzer-Praxis: "Die Überwachung muss verstärkt auf notorische Raser ausgelegt werden statt möglichst viele geringfügige Überschreitungen im Berufsverkehr zu dokumentieren", so ein ADAC-Sprecher. 

Eine Umkehr scheint aber in den Großstädten in NRW noch nicht in Sicht. Laut einer Umfrage der Rheinischen Post wollen 16 der 20 Großstädte im Land in diesem Jahr weitere zusätzliche Kontrollgeräte bestellen. 

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