Direkt zum Inhalt

Secondary Navigation

  • E-Paper
  • Podcast
  • Webinare
  • Messe
  • Veranstaltungen
  • Newsletter
  • Stellenmarkt
  • Kontakt
  • Anmelden
 

IMMER INFORMIERT BLEIBEN!

Jetzt unsere redaktionellen Newsletter abonnieren und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.

Mehr erfahren
Home
Home

Main navigation

  • K+

Mobile Navigation

  • Anmelden
  • Politik
  • Praxis
  • Panorama
  • K+
  • Bestellen
  • E-Paper
  • Newsletter
  • Webinare
  • Messe
  • Veranstaltungen
  • Podcast
  • Stellenmarkt
  • Kontakt
  1. Politik
  2. Wenn Tierschutz Projekte auszuhebeln droht
Ziegenmelker Nachtschwalbe
Ein Ziegenmelker, auch als Nachtschwalbe, bekannt, hat in Tübingen für Verwicklungen gesorgt.
© Adobe Stock

Bürokratiewahnsinn

Wenn Tierschutz Projekte auszuhebeln droht

von Gudrun Mallwitz
Chefreporterin | KOMMUNAL
19. August 2025
In Tübingen hätte ein einzelnes Exemplar eines Ziegenmelkers fast den Klinikausbau verhindert. In Berlin droht ein leeres Mäusebussardnest den Bau von Wohnungen zu verhindern. Wie übertriebener Tierschutz in Deutschland wichtige Projekte in den Kommunen aushebelt und riesige Summen verschlingt.

Ein braun-weiß-grau-gemusterter Vogel war mehrmals auf dem Dach des Tübinger Universitätsklinikums gesehen worden. Mit weitreichenden Folgen: Fast hätte dieses eine Exemplar des Ziegenmelkers ein lebensrettendes Bauvorhaben gestoppt. Denn das Krankenhausgelände wurde zum Habitat erklärt und ein Erweiterungsverbot für die Klinik verhängt. „Auch wenn der Ziegenmelker die nächsten drei Jahre nicht mehr auf dem Gelände auftauchte, blieb das Bauverbot für den dringend benötigten Anbau bestehen“, erzählt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Der Ziegenmelker, auch Nachtschwalbe genannt, gilt in einigen Bundesländern als gefährdete Brutvogelart.

Ziegelmelker gesichtet - Wald roden

Die Naturschutzbehörde schlug vor, zehn Hektar Wald zu roden, um dem Vogel eine Wiese zu schaffen, falls er zurückkäme. „Der Ziegenmelker mag keine Wälder, nur Wiesen und Baumwiesen“, erklärt Palmer. „Wir hätten also für einen einzigen Vogel tausende Bäume absägen sollen.“ An dem Punkt habe es ihm gereicht. „Leute, das macht ihr bitte ohne mich. Ich stelle mich jetzt nicht in der Stadtgesellschaft hin und erkläre das“, machte er klar. 

OB von Tübingen, Boris Palmer, auf Uniklinik-Dach
Boris Palmer auf dem Dach des Tübingen Universitätsklinikums

Dass die Klinik als Maximalversorger für tausende Menschen dann doch auch so ausgebaut werden durfte, führt der prominente Tübinger Oberbürgermeister auf den öffentlichen Druck zurück. „Wir schrieben dem Ministerpräsidenten und der Bundesbauministerin und ich war mit der Geschichte bei Markus Lanz“, so Palmer. „Am Ende hat die Bürokratie eine Ausnahmegenehmigung erteilt, in Form eines amtlichen Totenscheins für den Vogel, und somit wurde das Habitat aufgelöst.“

Leeres Mäusebussard-Nest in Berlin

Nicht jeder Bürgermeister und nicht jede Bürgermeisterin hat Zugang zu einem Millionenpublikum. Dabei hätten sie alle so einiges über den Bürokratiewahnsinn in Deutschland zu erzählen. Allein beim grundsätzlich sinnvollen Naturschutz. Auswüchse behindern wesentliche Vorhaben und kosten dem Staat Unsummen. Geld, das dann für Schulen, Kitas und Straßen fehlt. In Berlin droht ein leeres Mäusebussard-Nest den Bau von 230 Wohnungen zu verhindern. „Das Nest war spätestens seit 2022 nicht mehr genutzt worden, die letzten Jungvögel piepsten dort 2020“, zitierte BILD jüngst aus dem von den Investoren in Auftrag gegeben Gutachten. Es soll nun aber Jahre abgewartet werden, ob der Vogel zurückkehrt. 

Mäusebussard
Ein Mäusebussard könnte zurückkommen.

Auf Anfrage von KOMMUNAL sagte eine Sprecherin der Umweltsenatsverwaltung: „Der Umstand, dass mitunter Wechselhorste angelegt werden, lässt keine pauschale Aussage zu, dass ein Nest auch mal mehrere Jahre nicht zur Brut genutzt wird. Es könnte sehr wohl anschließend wieder als Hauptnest genutzt werden.“ Baulärm würde während der Fortpflanzungs-, Aufzucht- und Mauserzeiten zu erheblichen Störungen bei geschützten Vogelarten führen. Noch ist dazu keine Entscheidung gefallen, die zuständige Behörde prüft, ob weiterhin von einem Brutrevier auszugehen sei, so die Sprecherin.

Baulärm führt zu erheblichen Störungen bei geschützten Vogelarten.“

Sprecherin der Senats­verwaltung für Umwelt in Berlin

Große Summen für Feldhamster und Fledermäuse

Deutschland investiert Millionen Euro, um Tiere bei Bauprojekten zu schützen. Für den Neubau einer Gemeinschaftsschule plante die Stadt Erfurt im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Euro ein, um 39 Feldhamster umzusiedeln. Das entspricht rund 64.100 Euro pro Tier. In Biberach an der Riß wurden zwei Fledermausbrücken für etwa 400.000 Euro errichtet – das war vor 12 Jahren, als die Preise noch niedriger waren als heute. In Ostelsheim verhinderte ein Feuersalamander den Bau einer Unterkunft für Geflüchtete. 

Bürokratie-Wahnsinn

„Die Prinzipien, dass man nur eigene Anliegen betrachtet und die Folgen auf andere Anliegen ignoriert, sind in anderen Bereichen die gleichen“, stellt Tübingens Oberbürgermeister Palmer fest. „Der amtliche Denkmalschutz, der Brandschutz, der Erdbebenschutz agieren genauso wie der Naturschutz.“  Er hofft, dass die Regierung eine Vereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag umsetzt:  Für Projekte im überragenden Interesse des Allgemeinwohls sollen Ausnahmen möglich werden. „Wir brauchen Flexibilität und Ermessensspielräume vor Ort“, fordert er. „Zu oft widersprechen sich Vorschriften und der gesunde Menschenverstand sagt: Das ist falsch. “ Er warnt: „Es untergräbt die Demokratie, wenn Entscheider sagen: Ich weiß, dass es Unsinn ist, aber ich muss es tun.“ 

Bauturbo und Gebäudetyp E - weniger Bürokratie

Der vom Bundeskabinett beschlossene Bau-Turbo könnte helfen. Der Paragraf 246e erlaubt Gemeinden, von Bauvorschriften abzuweichen, wenn mindestens sechs Wohnungen entstehen. Die Experimentierklausel gilt bis 2030. „Man kann nicht willkürlich abweichen, sondern nur, wenn es nötig ist“, betont Palmer. „Das ist ein guter Ansatz.“ Seine Forderung: „Wir brauchen weniger starre Vorschriften und mehr Empfehlungen. „Allein im Bauwesen gibt es mehr als 20.000 Normen. Das überblickt niemand mehr.“

Noch ein Lichtblick, um das Bauen schneller zu machen: Beim sogenannten Gebäudetyp E müssen diese Normen nicht angewendet werden. Die Vorschriften werden hier zu Empfehlungen heruntergestuft.  Nach Ansicht von Palmer reicht es vollkommen, sich auf einen Kernbestand von verbindlichen Vorschriften bei der Technik zu einigen.

Zurück zum Tierschutz und den bürokratischen Auswüchsen. „Wir hatten Projekte, bei denen wir ausrechneten: Für jede Zauneidechse geben wir so viel aus, wie für einen Bürgergeldempfänger im Jahr“, berichtet Palmer. „Und da geht es nicht um eine einzige Zauneidechse, sondern um Hunderte.“ 

 

Pro Zauneidechse geben wir so viel aus wie für einen Bürgergeld­empfänger im Jahr.“

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen

Zauneidechs

So oft wie sie vorkommen, wundere er sich ohnehin, dass diese Tierart besonders geschützt ist. Als in Tübingen ein neues Hotel am Hauptbahnhof gebaut wurde, musste die Stadt für die Eichechsen einen Sicherheitszaun zwischen den Schotterflächen des Bahnhofs und einer angrenzenden Straße aufstellen. Die Baugenehmigung durfte nur erteilt werden, wenn die Baufahrzeuge keine Zauneidechsen überfahren. „Eidechsen müssen lernen, zwischen Baustellenverkehr, vor dem sie aufwendig geschützt sind und normalem Straßenverkehr zu unterscheiden“, schlussfolgert der Tübinger Oberbürgermeister. „Denn der Zaun wurde nach den Baumaßnahmen wieder entfernt." Auf den Bahngleisen hingegen gibt es für die Tiere gar keinen Schutz. 

Bürgermeister Andre Ebeling, Kummerow im Feuerwehrfahrzeug, Kampf gegen Bürokratiewahnsinn

Kummerow rückt gegen den Bürokratie-Brand aus

Ein funktionierendes Fahrzeug durfte nicht eingesetzt werden, ein Löschteich musste gebaut werden – obwohl ein großer See direkt daneben liegt. Der Bürgermeister eines kleinen Dorfs kämpft gegen den Verordnungswahnsinn. Teil 1 unserer neuen Serie!
MEHR

Bürgermeister Ernst Hansen vor der Pferdekoppel, die seit 10 Jahren auf ihre Häuser wartet.

Bürokratie bremst Bauprojekte in Stakendorf

Stakendorf will Wohnraum schaffen – doch Bürokratie verhindert Bauplätze und Radwege. Wie ein Dorf seit Jahrzehnten kämpft.
MEHR

Bürokratie in Deutschland: Warum Radwege 52 Jahre dauern – eine Satire

Bürokratie – Deutschlands letzte Bastion gegen den Fortschritt

Wie deutsche Bürokratie Fortschritt verhindert – eine satirische Abrechnung mit Radwegen, Formularen und 52 Jahren Planung für 800 Meter Asphalt.
MEHR

Fotocredits: Boris Palmer: Privat, Mäusebussard: Adobe Stock, Eidechsen: Adobe Stock
Der Newsletter für kommunale Entscheidungsträger. Lesen Sie was Kommunen bewegt

Auch von Gudrun Mallwitz

  • Immer häufiger kommt es zu IT-Angriffen.
    Cyberangriff

    Daten aus Gemeindeverwaltung im Darknet

    von Gudrun Mallwitz
  • Wahlkampf-Fehler: Hier in der Kommunikation
    Tipps

    5 folgenschwere Fehler im Kommunalwahlkampf

    von Gudrun Mallwitz
  • Gewerbesteuer Symbolbild Taschenrechner, Euro, Finanzamtschild
    Gesetzesentwurf

    Bund hebt Mindest-Hebesatz für Gewerbesteuer an – Chancen und Risiken für Kommunen

    von Gudrun Mallwitz

Lesen Sie auch...

  • Kommunalaufsicht eingeschaltet

    Nach Zwickau: Auch Görlitz muss Werbeverbot für Bundeswehr zurücknehmen

    von Rebecca Piron
  • Flickenteppich

    Bezahlkarte: Berlin bremst – und die Praxis zeigt, was wirklich geht

    von Christian Erhardt-Maciejewski
  • Ayslbewerber

    Bezahlkarte für Flüchtlinge: Technik bremst

    von Gudrun Mallwitz

Neuester Inhalt

  • Knappe Ergebnisse

    Erste Kommunalwahlen haben Wahljahr 2026 eingeläutet

    von Christian Erhardt-Maciejewski
  • Ordnungsamt

    Parkgebühren und Falschparker: Die große KI-Revolution

    von Christian Erhardt-Maciejewski
  • Öffentliche Gebäude

    Klimafreundlich bauen – mit Praxisbeispielen

    von Annette Lübbers

Schlagwörter

  • Politik

ZURÜCK ZUR STARTSEITE

Home

Footer First Navigation

  • Messe KOMMUNAL
  • Leserservice
  • AGB
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Mediadaten
  • Verträge kündigen
  • Datenschutzeinstellungen
  • KOMMUNALBESCHAFFUNG

Footer Second Navigation

  • Wir auf Whatsapp