Carsharing
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Neue Statistik veröffentlicht

Carsharing wächst in Kleinstädten

Eine neue Statistik zeigt, dass Carsharing in Deutschland zulegt. Insbesondere der ländliche Raum wird immer mehr erschlossen.

Carsharing wächst vor allem in kleinen Kommunen und auf dem Land - wie eine neue Statistik des Bundesverbands Carsharing e.V. (BCS) zeigt.

Demnach gibt jetzt 226 Carsharing-Anbieter an 840 Orten in Deutschland. Das sind 100 Orte mehr als im letzten Jahr.

Und auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Autos ist um 25,7 Prozent gestiegen.

Zudem zeigt die Statistik, dass Carsharing kein Großstadtphänomen mehr ist, denn im vergangenen Jahr gab es in fast jedem zweiten Ort mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern ein solches Angebot. Und selbst in noch kleineren Orten hat sich Carsharing mittlerweile etabliert.

Immer mehr Carsharing im ländlichen Raum

Es gibt zwei unterschiedliche Angebote:

stationsbasiert - Hierbei wird das Fahrzeug von einem bestimmten Platz abgeholt und wieder abgestellt.

free floating: das Auto wird an einem beliebigen Ort abgeholt und an einem beliebigen Ort im Geschäftsgebiet wieder geparkt.

In den ländlichen Regionen ist vor allem das stationsbasierte Carsharing weit verbreitet.

Alle 100 Orte, die neu hinzugekommen sind, bieten das stationsbasierte CarSharing-Modell an.

Auch die Fahrzeugflotte der free-floating-Anbieter ist im letzten Jahr um 4400 Fahrzeuge gewachsen. Doch: Der Anstieg spiegelt nicht die steigende Nachfrage wider, sondern liegt vor allem an dem Markteintritt von neuen, großen Anbietern, wie etwa Sixt oder Volkswagen.

Das free-floating-Modell rechnet sich laut des Bundesverbands Carsharing aber erst in Städten mit einer Einwohnerzahl ab 500.000, deshalb erschließen Anbieter nicht neue Regionen, sondern konkurrieren vor allem um den großstädtischen Raum. Jüngst ging die Kundenzahl bei den free-floating-Angeboten zurück, dies liegt laut des BCS aber an der Fusion der Anbieter car2go und DriveNow. Viele ehemalige Kunden haben sich demnach nicht beim neuen, gemeinsamen Anbieter ShareNow registriert. Dies könnte allerdings auch ein Hinweis darauf sein, dass einige Kunden Carsharing kaum genutzt haben.

Nichtsdestotrotz bleibt der deutsche Carsharing-Markt mit 2,3 Millionen relativ klein. Gunnar Nehrke, der Geschäftsführer vom Bundesverbands Carsharing sieht deshalb die Politik in Verantwortung: "Carssaring ist die ökologische Alternative zum privaten Pkw. Bund, Länder und Kommunen sollten das Carsharing endlich systematisch fördern.“

Er fordert deshalb, dass Kommunen möglichst flächendeckend Carsharing-Stellplätze im öffentlichen Raum einrichten. So erklärt er, dass kein Bewohner eines innenstadtnahen Wohngebietes weiter als 400 Meter von einer CarSharing-Station entfernt leben sollte. Zudem fordert er eine Verteilung des knappen öffentlichen Raumes in den Städten zugunsten von ÖPNV und Fahrrädern. Und Kertstin Haarmann, die Bundesvorsitzende des Verkehrsclub Deutschland fügt hinzu: "Individuelle Mobilität ist zukünftig digital - in der Stadt und auf dem Land. Apps schlagen mir vor, mit welchem Verkehrsmittel ich am besten zu meinem Ziel komme. Damit die umweltfreundlichen Verkehrsmittel eine echte Alternative sind, brauchen wir mehr Platz fürs Rad, deutlich weniger Autos und einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur bei Bus und Bahn. Dass jeder im eigenen Pkw unterwegs ist, ist ökologisch wie ökonomisch Wahnsinn. Carsharing setzt genau an der richtigen Stelle an: Für einzelne Wege leihe ich mir zukünftig das Auto, das ich gerade brauche."

Wie umweltfreundlich ist Carsharing?

Da sich mehrere Leute ein Auto teilen, soll die Verkehrsbelastung sinken.

Geht es um die Umweltfreundlichkeit von Carsharing, unterscheidet der Bundesverband Carsharing zwischen free-floating- und stationären Angeboten. So soll das free floating-Konzept den Verkehr nicht sonderlich entlasten.

Ähnlich sieht das die Unternehmunsgebratung Kearney, die mit einer Studie darauf hinwies, dass diese Art des Carsharings in Konkurrenz mit dem ÖPNV trete. Auch das Consulting-Unternehmen Berylls Strategy Advisors stützt diese Auffassung und erklärt, dass flexible Systeme wie das free-floating dazu führen, dass die Leute mehr fahren als vorher - insbesondere diejenigen, die vorher keinen Zugriff auf einen eigenen Pkw hatten.

Und auch der BCS beteuert, dass stationsbasierte Angebote umwelttechnisch besser abschneiden. Hierbei sind die Anbieter meist bürgerschaftlich organisierte Vereine oder Genossenschaften. Diese machen zwar nicht so viel Gewinn wie die kommerziellen Anbieter, aber die Nutzer dieser Angebote verzichten häufiger auf den Zweit- oder sogar auf den Erstwagen: „Das stationsbasierte Carsharing hat die höchste verkehrsentlastende Wirkung. Ein stationsbasiertes Carsharing-Fahrzeug ersetzt bis zu 20 private Pkw. Deswegen ist das Wachstum hier von besonderer verkehrspolitischer Bedeutung“, erklärt Geschäftsführer Nehrke.

Viele stationsbasierte Anbieter haben in den letzten Jahren auch free-floating Fahrzeuge in ihre Flotten aufgenommen und bieten nun beide Varianten an. Auch diese Kombinationsangebote sollen laut BCS verkehrsentlastend wirken.

Rasiermesserdünne Margen?

Immer wieder verschwinden Anbieter vom Markt. Das Unternehmen Kearney erklärt diesbezüglich in einer Studie aus dem letzten Jahr, dass das Geschäftsmodell nur "rasiermesserdünne" Margen hat. In den meisten Städten rechne sich das Modell zudem nicht, weil in den meisten Kommunen nicht so viele Einwohner leben, sodass es zu einer Bevölkerungsdichte von 3.000 Personen pro Quadratkilometer kommt.

Dennoch gibt es auch Regionen, in denen sich Carsharing-Anbieter seit Jahren halten sowie solche, die auch in Zukunft gute Angebote anbieten wollen.

Jüngst hat sich die Stadt Münster mit 29 Prozent beim örtlichen Carsharing-Dienstleister "Stadtteilauto CarSharing Münster" eingekauft. Stadtteilauto gilt als Pionier in dem Bereich, ihn gibt es bereits seit fast 30 Jahren und er zählt über 6.000 Kunden.

Der Landkreis Ebersberg gehört zu den kleinsten Kreisen in Deutschland und hat 134.000 Einwohner. Er will bis 2030 ein wirtschaftlich tragfähiges, flächendeckendes Carsharing-Angebot aufbauen. Das ehrgeizige Ziel: Jeder Einwohner soll in maximal 1.000 Metern auf mindestens zwei Carsharing-Fahrzeuge zugreifen können. 10 Prozent der Bevölkerung sollen das Angebot bis zum Jahr 2030 nutzen. Bereits heute gibt es in neun Gemeinden ein Carsharing-Angebot. Um das Ziel zu erreichen, will der Landkreis selbst sowie durch externe Fördergeber finanzielle Starthilfe geben. Zudem sollen die kommunalen Mitarbeiter das Angebot stärker nutzen und kommunale Fahrzeuge außerhalb der Dienstzeiten öffentlich zur Verfügung stellen.

Und auch in der 17.000-Einwohnerstadt Renningen bietet ein Verein 24 Fahrzeuge an, die sehr gefragt sind.

Damit zeigen die Beispiele, dass Carsharing-Anbieter zwar immer wieder scheitern, Anbieter sich aber auch immer wieder etablieren - und das nicht nur im großstädtischen Bereich.