Das Warten an einer roten Ampel kann sich anfühlen wie eine halbe Ewigkeit

Dürfen Radfahrer bei rot rechts abbiegen?

Di, 28.03.2017

Für Fahrradfahrer könnte es in Zukunft eine kleine Änderung geben: Das Bundesministerium prüft die Einführung neuer Verkehrsschilder, die das Rechtsabbiegen bei Rot erlauben. In anderen Ländern ist das längst legal.

Wenn die Ampel rot zeigt, doch der Weg rechts frei ist, und weit und breit keine Fußgänger in Sicht sind, wird die Geduld von Fahrradfahrern auf die Probe gestellt. Obwohl sich das Warten wie eine halbe Ewigkeit anfühlt, dürfen sie trotzdem nicht weiterfahren. Wer dennoch nicht anhält und die rote Ampel ignoriert, riskiert ein Bußgeld von 80 Euro und einen Punkt in Flensburg. Doch in Zukunft könnte sich das vielleicht ändern. Die Bundesregierung prüft eine Initiative, die Radfahrern das Rechtsabbiegen bei Rot an Kreuzungen erlauben würde. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Im Einzelnen sagt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage von Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen: „Es ist geplant im Rahmen der nächsten StVO-Novelle § 37 Absatz 2 Nr. 1 Satz 8 StVO im Hinblick auf Radsonderwege zu erweitern. Darüber hinaus soll die Bundesanstalt für Straßenwesen mit einer Untersuchung zur Klärung der Frage beauftragt werden, ob es unter Verkehrssicherheitsgesichtspunkten sinnvoll ist, die Grünpfeil-Regelung in Einzelfällen nur auf den Radverkehr beschränken zu können und ob dafür die Anforderungsvoraussetzungen der Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) im Hinblick auf die unterschiedlichen Radwegeführungen modifiziert werden können.

Kein Autofahrer oder Fußgänger in Sicht? Bisher müssen Fahrradfahrer trotzdem trotzdem warten

Erfahrungen aus anderen Ländern nutzen

Offen ist in dem Zusammenhang noch, wie die Regelung konkret ausgestaltet werden soll. So wird die Frage diskutiert, ob Radfahrer auch bei Einführung des neuen Verkehrszeichens für das Rechtsabbiegen selbst dann vor dem Abbiegen zunächst stoppen müssen, wenn die Straße frei ist. In der Schweiz gibt es nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung bereits im Kanton Basel ein Forschungsprojekt, das sich unter anderem mit der Frage beschäftigt hat, welche Auswirkungen das Rechtsabbiegen bei Rot auf die Radverkehrssicherheit hat. Ergebnis ist, dass es bei 40.000 Radfahrern, deren Verhalten analysiert wurde, keinen registrierten Unfall gegeben hat. Allerdings wiesen die Forscher auch darauf hin, dass nicht alle Kreuzungen für die neue Regelung geeignet sind, etwa bei besonders engen Fahrspuren für Autos und Fahrrädern.

Rechts abbiegen bei rot für Fahrradfahrer - eine kommunale Einschätzung

"Aus kommunaler Sicht spricht für das Rechtsabbiegen für Radfahrer bei Rot insbesondere die damit verbundene bessere Sichtbarkeit der Radfahrer im Straßenverkehr. Dadurch können Abbiegeunfälle, die oft mit lebensgefährlichen Verletzungen oder gar dem Tod von Radfahrern verbunden sind, reduziert werden. Radfahrer, die rechts neben wartenden Lastkraftwagen, Bussen oder auch Personenkraftwagen auf „Grün“ warten, befinden sich häufig im toten Winkel und laufen Gefahr, beim Anfahren in die Rechtskurve übersehen zu werden. Spiegel und elektronische Warnsysteme, die helfen können, dies zu verhindern, sind längst noch nicht an allen großen Fahrzeugen installiert", sagt Timm Fuchs vom DSTGB. Sollte sich das Blatt für die Fahrradfahrer tatsächlich wenden, könnte das Autofahrer dazu animieren, selbst aufs Rad umzusteigen. Das erhoffen sich die Experten zumindest.

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