Fahrräder werden immer mehr und kurze Wege in der Stadt häufig mit ihm zurück gelegt. An zentralen Orten gibt dies Aufstaueffekte. Die Lösung kann ein Fahrradparkhaus sein, doch es gibt einiges zu bedenken.
Fahrräder werden immer mehr und kurze Wege in der Stadt häufig mit ihm zurück gelegt. An zentralen Orten gibt dies Aufstaueffekte. Die Lösung kann ein Fahrradparkhaus sein, doch es gibt einiges zu bedenken.
© nantanut nimmanaranon/EyeEm via Adobe Stock

Mobilität

Fahrradparkhaus: Vielfältige Idee, aber auch Praxis-Probleme

Die Fahrrad-Mobilität wird allenthalben gefördert. Sogar in der Straßenverkehrsverordnung wurde dem Rad eine Vorzugsstellung gegeben. Doch wohin mit den muskelbetriebenen Zweirädern, wenn der Weg anderweitig fortgesetzt wird oder das Ziel erreicht ist?

Das Fahrrad ist längst mehr als der "olle Drahtesel", mit dem man sich angestrengt durch die Stadt bewegt. Heute sind Fahrräder wahre Hightech-Produkte und ein wichtiger Teil der Mobilitätswende. Nicht zuletzt haben viele Freunde des Zweirads eine persönliche Bindung zu ihrem treuen Freund aufgebaut. Diebstahl und Vandalismus sind somit in den neuen Zwanzigern viel gravierendere Probleme geworden. Warum also nicht einfach eine altbewährte Institution übertragen? Das Parkhaus, hat es für Autos Jahrzehnte gut funktioniert, muss ein Fahrradparkhaus jedoch ganz anders erdacht werden. Nicht zuletzt stieg die Zahl der Fahrradkäufe seit Beginn der Corona-Krise enorm.  

Neue Ansätze für Fahrradabstellanlagen

So ist es wenig verwunderlich, dass Start-Ups und andere findige Unternehmer auf immer neue Ideen kommen, um zum einen die Fahrräder vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen und auf der anderen Seite für Ordnung an den zentralen Plätzen in den Städten und Gemeinden zu sorgen. Eine Idee pilotiert der Senat von Berlin gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), hier sind umgerüstete Schließfachanlagen, wie sie für Reisegepäck allseits bekannt sind, am Hauptbahnhof aufgestellt worden. Die so genannten Bike and Ride Boxen nehmen Fahrräder simpel und sicher auf und können bis zu einem Jahr gemietet werden, zudem enthalten eine Steckdose zum Laden von E-Bikes. Allerdings müssen sie ein Baugenehmigungsverfahren durchlaufen.

Der Velobrix L ist schnell und vielseitig einsetzbar. Eine Innovation aus Chemnitz geliefert an Kommunen in ganz Deutschland.
Der Velobrix L ist schnell und vielseitig einsetzbar. Eine Innovation aus Chemnitz geliefert an Kommunen in ganz Deutschland.

Eine einfacher umzusetzende Methode, Fahrräder sicher unterzubringen, hat das Chemnitzer Start-Up RWC Factory erfunden. In genormten Schiffscontainern befinden sich bis zu 16 Stellplätze für Fahrräder auf zwei Ebenen. Die Schließfächer sind nicht quaderförmig, sondern hinten etwas schmaler, da der Fahrradlenker die breiteste Stelle ist. Durch die Corona-Krise ist das Geschäft der Entrepreneure etwas schleppender vorangegangen, wie der Mitgründer Patrick Rabe berichtet.  Bisher haben sechs Kommunen eine der Fahrradabstellanlagen bekommen. Gegenüber KOMMUNAL erklärt er: "Weil die Schließfächer in einem genormten Container untergebracht sind, lassen sie sich schnell und einfach bewegen. So können die Anlagen auch an verschiedenen Orten einer Stadt einfach ausprobiert werden." Die Verlegung des ziemlich autarken Systems ist mit einem einfachen LKW mit Kranaufbau in wenigen Minuten gemacht. Durch verschiedene Fördermittel sind die 49.000 Euro kostenden Raumwunder auch für kleinere Gemeinden erschwinglich. 

Fahrradparkhaus ist nicht gleich Parkhaus

Ein Fahrradparkhaus kann nicht einfach wie ein Parkhaus für Autos gebaut und geplant werden. Das haben Erfahrungen aus der märkischen Stadt Bernau gezeigt. Das Fahrradparkhaus ist hier für das Mittelzentrum zu einem ausgewachsenen Problem heran gewachsen. André Stahl, Bürgermeister der Stadt Bernau, meint deshalb im RBB Fernsehen: "Wir haben bei diesem Objekt sicher auch eins lernen können: dass man im Betriebskonzept gerade in Sachen Reinigung und Hygiene hinterher sein muss." 

Gute Idee: Ein #Fahrradparkhaus in #Bernau zu bauen.

In dem Gebäude fühlen sich aber auch #Diebe, #Wildpinkler und #Tauben gut aufgehoben. #Brandenburg pic.twitter.com/WXxtAQ4rrD

— rbb|24 (@rbb24) May 27, 2021

Das Fahrradparkhaus wird nicht nur von Fahrradfahrern genutzt, sondern dient viel zu oft als Ort, um eine Notdurft zu verrichten. Auch Tauben haben den offenen Zweckbau für sich entdeckt und bevölkern ihn. Von den regelmäßigen Reinigungsaktionen ist wohl wenig zu bemerken. Bürger und Stadtverwaltung sind unzufrieden mit dieser Situation. Eine Sprecherin der Stadt erklärt gegenüber KOMMUNAL: "Ein wesentliches Problem sind die fehlenden Toiletten. Die Deutsche Bahn AG hat die Toiletten im Bahnhofsbereich geschlossen und wir fordern die Bahn auf eine Lösung zu finden." Die Stadt Bernau prüft auch die Aufstellung eigener WC-Anlagen. Die Deutsche Bahn war für KOMMUNAL bis zum Erscheinen dieses Artikels für keine Stellungnahme erreichbar.  

Tauben-Alptraum auf dem Fahrradparkhaus

Auch dem Taubenproblem nimmt sich die märkische Stadt an. Nachdem Taubennetze und so genannte Spikes nicht die erwünschte Wirkung erzielen, soll ein Taubenhaus auf das Dach des Fahrradparkhauses gebaut werden. Dort werden die Vögel mit Futter versorgt und bekommen ruhige Nistbedingungen. Eine fachkundige Tierschützerin betreut das Vorhaben und kümmert sich um die Versorgung, sowie den Austausch der Gelege mit Gipseiern. So hofft die Stadt, die auch viele Tagesausflügler aus der nahegelegenen Hauptstadt anzieht, Herrin der Lage zu werden.

Dennoch ist das Fahrradparkhaus im brandenburgischen Bernau aus Sicht der Stadtverwaltung ein Erfolg und kein Flopp, erklärt Sprecherin Linda Standhardt: "Die unteren Etagen des Fahrradparkhauses sind immer ausgebucht – von Beginn an. Also wir schauen da nun nicht drauf und denken: 'Da haben wir jetzt ein Haus gebaut und keiner will es nutzen.'"