Das Grenzdenkmal Hötensleben Foto: Ariane Mohl

Hötensleben – ein Dorf im Schatten der Mauer

Sa, 08.11.2014

Rund 18 km südlich von der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn entfernt kann in Hötensleben in Sachsen-Anhalt das ehemalige Grenzsystem vor Ortschaften im Originalzustand besichtigt werden. Besonders beeindruckend ist der Verlauf der Sperranlage. Sie wurde unmittelbar hinter den Häusern des Ortes errichtet.

Hötensleben im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt: Die 3700-Einwohner-Gemeinde hat eine ganz besondere Sehenswürdigkeit zu bieten, die für eines der finstersten Kapitel der deutschen Geschichte steht: Hier befindet sich eines der letzten Teilstücke der innerdeutschen Grenze. [gallery link="file" columns="5" ids="2280,2277,2282,2278,2285,2279,2274,2273,2284,2281,2283,2275"] Auf einer Länge von 350 Metern und einer Fläche von 6,5 Hektar sind unter anderem die Sichtblendmauer, der Signalzaun, das Sicht- und Schussfeld mit Lichttrasse, Kolonnenweg und Kfz-Hindernis, die Grenzmauer und der Führungsturm mit Kraftfahrzeugstellung erhalten geblieben. Das Besondere: Der Schutzstreifen zwischen Ort und Grenzlinie ist an einer Stelle gerade mal 35 Meter breit. Normalerweise sollte der Abstand mindestens 500 Meter betragen. Mit dem Bau der Grenzanlagen wurde bereits 1952 begonnen. Von einem Tag auf den anderen wurde der sogenannte "Todesstreifen" errichtet. Im Juni 1952 startete die "Aktion Ungeziefer". Der SED-Staat zwang zahlreiche Hötenslebener, ihren Heimatort zu verlassen. Zum Teil mussten die Betroffenen Haus und Hof über Nacht zurücklassen. Nach und nach wurden Beobachtungstürme errichtet. Ab 1961 wurde die Grenze hermetisch abgeriegelt. Stacheldrahtzäune und im Boden vergrabene Minen sollten Flüchtlinge an ihrem Vorhaben hindern. 1972 wurde der Signalzaun errichtet, der bei Kontakt sofort Alarm auslöste. Die Grenzmauer war 3,40 Meter hoch. Auf ihr hatte man Rohre montiert, um es Fluchtwilligen unmöglich zu machen, sich an der Mauer hochzuziehen.

Bis zur Grenzöffnung 1989 lebten die Hötenslebener direkt im Sperrbezirk. Wer Besuch empfangen wollte, musste einen Antrag stellen. Die Grenztruppen waren ständig präsent und beobachteten jeden Schritt der Bewohner. Am 12. Januar 1990 wurden die Grenzanlagen unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2004 sind sie als Grenzdenkmal Hötensleben Bestandteil der rund 18 km nördlich liegenden Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Seit 2011 zählt die Anlage mit der Gedenkstätte in Marienborn zum Europäischen Kulturerbe. Das Grenzdenkmal gilt als das am besten und umfassendsten erhaltene Zeugnis der innerdeutschen Grenzbefestigung. Obwohl alle Grenzanlagen bis 1993 abgerissen werden sollten, gelang es engagierten Einwohnern, den heutigen Denkmalbereich nördlich der Straße nahezu originalgetreu zu bewahren. Südlich der Straße blieben nur einzelne Objekte erhalten. Auf den Linien der beiden abgebrochenen Mauerstücke wurden dort in einer Spendenaktion Bäume gepflanzt.

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