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© Cathy Yeulet / 123rf

Wie Kommunen Bewerber beeindrucken können

29. März 2016
Verwaltungen gelten bei vielen Bewerbern nicht als moderne Arbeitgeber. Doch mit einer schnellen Reaktion auf Bewerbungen können Kommunen leicht punkten und gutes Personal finden.

Stellen Sie sich vor, welche Attribute die Menschen mit „der“ öffentlichen Verwaltung verbinden. Diese sind meist negativ, zu 80 %. Beispiele sind zum Beispiel Bürokratie, langwierig, Anträge, unfreundlich, langsam, bis hin zu tierischen Metaphern wie Dinosaurier oder gar technische Anleihen wie der Supertanker, der starr auf Kurs bleibt. Wenn Sie diese Attribute gesammelt haben, dann machen Sie genau das Gegenteil davon. Beginnen Sie mit witzigen Stellenanzeigen. Versenden Sie sofort und nicht nach einer Woche oder noch später eine wertschätzende Eingangsbestätigung; sowohl mit „normalem“ Brief, aber auch an die Mail-Adresse und per SMS oder Whatsapp. Vermutlich verblüffen Sie den Bewerber damit. Und der oder die erzählt das dann bei den Eltern, den Großeltern, den Nachbarn, auf Facebook, überall. Und schon bekommen Sie schnell ein völlig anderes Image. Nach dem Vorstellungsgespräch bedanken Sie sich bei den Bewerbern schriftlich, dass diese Interesse an einer Ausbildung in Ihrer Verwaltung haben. Aber bitte nicht mit so einem lieblosen Amtsdeutsch. Lassen Sie den Bürgermeister unterschreiben und – wenn's passt – legen Sie ein kleines „Giveaway“ dazu, was zu Ihrem Haus passt. Auch damit transportieren Sie Wertschätzung, Schnelligkeit und so weiter. Es geht darum, mit dem Bewerber eine Beziehung anzubahnen Was passiert, wenn der Bewerber die Zusage schriftlich erhalten hat, dass er den Ausbildungsplatz (oder Arbeitsplatz) bekommt? Wenn ich diese Frage stelle, höre ich zwei Aussagen: 1. „Was soll denn da passieren? Nix!“ oder 2. „Wir schicken den Bewerber zum Gesundheitsamt!“. Viele Personaler wissen nicht, worauf ich hinaus will. Es geht mir um die Anbahnung einer Beziehung. Sie können Weihnachtsbriefe, Glückwünsche zum Geburtstag, zur anstehenden Prüfung in der Schule, Ostergrüße und so weiter überbringen. Es geht um eine Art Einzahlung auf dem Beziehungskonto des Bewerbers bzw. zukünftigen Auszubildenden. Und wenn der Dienst dann tatsächlich angetreten wird, sollte das Konto schon ein bestimmtes Guthaben vorweisen. Dann gelingt auch das sogenannte „Onboarding“. Die Beziehung beginnt eigentlich schon bei der Stellenanzeige und endet praktisch nie; selbst dann nicht, wenn der Bewerber die Verwaltung verlässt. Gerade dann gilt es, die Beziehung über Mailing, usw. aufrecht zu erhalten, denn es könnte sein, dass wir irgendwann einen Mitarbeiter mit genau den Kompetenzen benötigen. Die Verwaltung kann so selbst zum Headhunter werden. Große Autokonzerne machen dies seit Jahren so. Bevor der neue Auszubildende oder Mitarbeiter seinen Dienst antritt, kann ihm ca. vier bis sechs Wochen vorher noch ein freundlicher Brief geschickt werden, in dem man noch einmal mitteilt: „Bald ist es soweit!“ mit ein paar freundlichen Worten. Solche Briefe werden ganz einfach nicht erwartet, schon gar nicht von einer öffentlichen, oftmals als unpersönlich vermuteten Institution. Die Zeit für ein Begrüßungsgespräch muss sein Es kommt der erste Tag in der Ausbildung oder auch im Job. Häufig ein absolutes Chaos. Es fehlen Tische, Stühle, PCs, Drucker, Passwörter, der Personalchef, weil er gerade Urlaub macht, eine verantwortliche Person, die den Neuen wertschätzend in Empfang nimmt. Ein Blumenstrauß muss es ja nicht sein. Was es aber sein muss, ist: Zeit. Zeit für ein gutes Gespräch, eine (Begrüßungs-)Tasse Kaffee oder Tee, ein paar Worte der Freude, dass der Neue nun endlich da ist und man sich auf eine gute Zusammenarbeit freut, usw. Die Kommunen müssen sich einfach andere „Verblüffungs-Strategien“ ausdenken, um beim Personal zu punkten. Ab dem Jahr 2018/2020 erreicht viele Verwaltungen die Welle einer verschlafenen und sträflich vernachlässigten Personalpolitik der letzten Jahre. Schon Konfuzius wusste: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“ Daher sollten sich Kommunen über die zukünftige Ausrichtung ihrer personellen Aktivitäten jetzt Gedanken machen. Es macht Sinn, zeitnah die Weichen so zu stellen, dass die Organisation für die nächsten Jahre richtig aufgestellt ist. Dazu gehört z. B. auch eine rechtzeitige Nachfolge- und Freisetzungsplanung, das heißt, wer scheidet wann definitiv aus, wann wird auf welche Art und Weise eine neue Kraft eingestellt und wie lässt sich dies auch im Haushalt finanziell darstellen. Hier muss auch die Politik mit eingebunden werden, weil dort das Budgetrecht verortet ist. Um hier den richtigen Weg einzuschlagen, kann ein befristetes Engagement von Beratungsfirmen kurzfristig eine lohnende Investition sein, damit es keine Meuterei auf der Bounty gibt und für alle Beteiligten der zukünftige Kurs klar ist. Nur dann können die Segel richtig gesetzt werden. Autor: Marco Weißer

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