Katastrophenschutz
Warntag 2026: Was neu ist, welche Lehren aus den Pannen gezogen wurden
Hybride Angriffe, die Gefahr durch Kampfdrohnen und massive Cyberattacken: In Deutschland ist jederzeit mit dem Risiko von Anschlägen zu rechnen, das hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt unmissverständlich klargemacht. Kommt es zu einem Ernstfall sind nicht nur Bund und Länder, sondern vor allem auch die Kommunen gefragt. Sie erstellen seit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine Notfallkonzepte und proben vielerorts ein Szenario nach einem Angriff.
Deutschland will sich vor Drohenangriffen schützen
Wie real die Bedrohung ist, zeigte sich Anfang August am Flughafen Leipzig/Halle. Dort wurde eine mit Sprengstoff versehene Drohne entdeckt, mit der nach Angaben der Bundesanwaltschaft eine Explosion verursacht werden sollte. Der Vorfall ist inzwischen auch Thema der Bundespolitik: Union und SPD haben ein Zehn-Punkte-Paket beschlossen, mit dem Deutschland widerstandsfähiger gegen hybride Bedrohungen und geopolitischen Druck werden soll, wie t-online berichtete. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Zivil- und Katastrophenschutz. Auch die Drohnenabwehr und der Schutz vor Cyberangriffen sollen ausgebaut werden.
So arbeiten beispielsweise der Landkreis Waldeck-Frankenberg und die kreisangehörigen Städte und Gemeinden arbeiten momentan an einem gemeinsamen Konzept für IT-Notfälle. Ziel der Kooperation ist es, die Handlungsfähigkeit der Verwaltungen in Krisenszenarien durch gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Maßnahmen zu sichern.
Die 20.000-Einwohner-Stadt Moosburg a.d. Isar könnte ihre Infrastruktur inzwischen im Falle eines Blackouts mindestens 14 Tage selbst sichern.
Im Landkreis Oberhavel wird dem Katastrophenschutz eine hohe Priorität eingeräumt. Der Kreis baute in Oranienburg für die Feuerwehren in den acht Städten, sechs Gemeinden und in einer Amtsgemeinde ein neues Technik- und Ausbildungszentrum. Auf 3.300 Quadratmetern können Feuerwehrmitglieder nicht nur theoretisch ausgebildet werden, sondern alle Ernstfälle übungsweise bewältigen. Das TAZ ist auch einer der sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürme, die im Ernstfall als Anlaufstelle für die Bevölkerung dienen. Davor aber müssen die Bürgerinnen und Bürger gewarnt werden.
Wann findet der bundesweite Warntag 2026 statt?
Am Donnerstag, 10. September 2026, wird ab 11 Uhr die Probewarnung ausgelöst.
Was passiert beim Warntag 2026?
Ab 11 Uhr verschickt der Bund eine Probewarnung in Form eines Warntextes über das Modulare Warnsystem, kurz MoWaS. Die dort angeschlossenen Warnmultiplikatoren leiten die Meldung an die verschiedenen Warnkanäle weiter.
Parallel können die Länder sowie teilnehmende Landkreise und Kommunen ihre eigenen Warnmittel auslösen. Gegen 11.45 Uhr folgt die Entwarnung.
Was ist neu beim Warntag in diesem Jahr?
Erstmals kann beim Warntag auch die Entwarnung über Cell Broadcast auf die Handys geschickt werden. Die Funktion wurde Ende November 2025 eingeführt. Bis dahin konnte Cell Broadcast zwar warnen, aber nicht über denselben Kanal Entwarnung geben. Entwarnungen werden dabei mit der niedrigsten Warnstufe 3 ausgespielt. Das BBK empfiehlt deshalb, diese Warnstufe auf dem Smartphone zu aktivieren.
Wie liefen die bisherigen bundesweiten Warntage?
Der erste bundesweite Warntag 2020 offenbarte erhebliche Probleme: Die zentrale Warnmeldung kam verspätet an, Warn-Apps funktionierten teilweise nicht wie vorgesehen und vielerorts waren keine Sirenen zu hören. 2021 wurde der Warntag ausgesetzt, um die Warninfrastruktur weiter auszubauen.
Seitdem sind die Ergebnisse deutlich besser. Beim Warntag 2022 wurden laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mehr als 90 Prozent der Befragten über mindestens einen Warnkanal erreicht, 2023 waren es 96 Prozent und 2024 97 Prozent. Auch 2025 wurde nach Angaben des BBK nahezu jeder Befragte über mindestens einen Warnkanal erreicht.
Welche Konsequenzen wurden aus Schwachstellen gezogen?
Als Hauptursache für die verspätete zentrale Warnmeldung beim ersten Probelauf 2020 wurde ein Fehler in der Software des Modularen Warnsystems MoWaS festgestellt. Die Bundesregierung leitete die Beseitigung der festgestellten Mängel ein. In den Jahren darauf haben die Behörden den Warnmix erweitert. Auch die Warn-App NINA wurde weiterentwickelt.
Warum gibt es den bundesweiten Warntag?
Der Warntag soll zeigen, ob die Warnsysteme und das Zusammenspiel der beteiligten Stellen funktionieren. Zugleich soll die Bevölkerung mit Warnungen und den verschiedenen Warnwegen vertrauter werden. Das BBK nennt zwei wesentliche Ziele: Die technischen Warnsysteme werden auf ihre Belastbarkeit geprüft und das Bewusstsein der Bevölkerung für Warnungen gestärkt.
Über welche Wege wird 2026 gewarnt?
Deutschland setzt auf einen Warnmix. Warnmeldungen können unter anderem über Cell Broadcast, Warn-Apps wie NINA, Radio und Fernsehen, Internetangebote sowie digitale Stadtinformationstafeln verbreitet werden. In den Kommunen kommen je nach vorhandener Infrastruktur beispielsweise Sirenen und Lautsprecherwagen hinzu.
Was ist Cell Broadcast überhaupt?
Cell Broadcast ist ein Mobilfunkdienst, mit dem Warnmeldungen direkt an Handys und Smartphones in einem bestimmten Gebiet geschickt werden können. Dafür muss keine Warn-App installiert sein. Die Nachrichten werden über Mobilfunkzellen ausgesendet und erreichen dort empfangsbereite Geräte.
Beim bundesweiten Warntag 2022 wurde Cell Broadcast erstmals bundesweit erprobt. Im Februar 2023 ging das System in den regulären Betrieb.
Welche Handys können Cell Broadcast empfangen?
Grundsätzlich sind neuere Geräte mit einem Betriebssystem-Update ab Android 11 beziehungsweise iOS 16.1 empfangsfähig. Das Gerät muss eingeschaltet sein und darf sich nicht im Flugmodus befinden. Das BBK weist darauf hin, dass keine abschließende Aussage für jedes einzelne Gerätemodell möglich ist.
Muss man sich für Cell Broadcast anmelden?
Eine Registrierung ist nicht erforderlich. Die Warnungen werden anonym ausgesendet. Nach Angaben des BBK werden dafür keine personenbezogenen Daten erhoben oder verarbeitet.
Warum braucht es trotzdem Sirenen und andere Warnmittel?
Nicht jedes Warnmittel erreicht jeden Menschen. Ältere Mobiltelefone können beispielsweise für Cell Broadcast ungeeignet sein. Warn-Apps wiederum können ausführlichere Informationen und Handlungsempfehlungen liefern. Durch die Kombination verschiedener Warnwege soll die Wahrscheinlichkeit steigen, Menschen im Gefahrengebiet zu erreichen.
Welche Rolle spielen die Kommunen?
Der bundesweite Warntag ist ein gemeinsamer Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen. Bund und Länder bereiten ihn in Abstimmung mit kommunalen Vertretern vor. In den Kommunen sind in der Regel die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden verantwortlich. Teilnehmende Kommunen können am Warntag ihre vor Ort verfügbaren Warnmittel auslösen.
Warum ertönen nicht in allen Kommunen Sirenen?
Nicht alle Kommunen beteiligen sich mit eigenen Warnmitteln am Warntag. Das BBK spricht ausdrücklich von „teilnehmenden Landkreisen und Kommunen“. Ob und welche Sirenen am 10. September ausgelöst werden, hängt deshalb von der Teilnahme und den Gegebenheiten vor Ort ab. Bleibt eine Sirene stumm, bedeutet das nicht automatisch, dass das Warnsystem nicht funktioniert hat.
Wie wird der Ausbau der Sirenen weiter gefördert?
Der Bund will den Ausbau des Sirenennetzes langfristig weiter fördern. Nach Angaben der Bundesregierung sind dafür acht Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Eine zeitliche Begrenzung der Sirenenförderprogramme ist derzeit nicht geplant.
Zusätzlich arbeitet das BBK an einer technischen Schnittstelle, über die kommunale Sirenen digital über das Modulare Warnsystem MoWaS ausgelöst werden können. Diese Ansteuerung ist für 2027 vorgesehen. Wie viele Sirenen und Ansteuergeräte für eine flächendeckende Warnung noch fehlen, kann die Bundesregierung derzeit nicht beziffern. Der bundesweite Bestand wird aktuell erfasst.
Was kritisieren die Kommunen beim Bevölkerungsschutz?
Die kommunalen Spitzenverbände fordern vor allem eine dauerhaft verlässliche Finanzierung. Zusätzliche Aufgaben im Zivil- und Bevölkerungsschutz dürften nicht auf die Kommunen übertragen werden, ohne dass auch das nötige Geld bereitsteht. Gefordert werden zudem ein flächendeckendes Netz leistungsfähiger Sirenen, ein breiter Mix verschiedener Warnmittel und eine stärkere Einbindung der Kommunen in die Planungen von Bund und Ländern.
Weitere Informationen zum bundesweiten Warntag 2026.



