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  3. Neuer Schub fürs Carsharing
Carsharing wird immer beliebter - Niedersachsen will dem Teilen von Autos nun neuen Schub verleihen
© 123rf

Neuer Schub fürs Carsharing

von Christian Erhardt-Maciejewski
Geschäftsführer, Chefredakteur | KOMMUNAL
20. Juni 2019
Carsharing boomt nicht nur in Großstädten. Auch viele kleine Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohnern haben inzwischen Carsharing Angebote. Häufig laufen diese zwar nicht wirtschaftlich, werden vor Ort aber dennoch als großer Gewinn wahrgenommen.

Jesberg ist eine kleine 2400 Einwohner Gemeinde in der Nähe von Marburg. Und hat mit einer breiten Fahrzeugflotte seit Jahren erfolgreich Carsharing im Angebot. Allerdings ist es hier kein Start-Up oder ein Großkonzern. Für die würde sich das Geschäft auf dem Land in einer kleinen Gemeinde kaum lohnen. Hinter dem Carsharing Angebot steckt ein Verein mit dem Namen "Vorfahrt für Jesberg e.V.". Vom Prinzip funktioniert das aber nicht anders, als bei anderen Carsharing Anbietern. Jesberg hat ein stationäres Modell mit einem Fuhrpark. Die Fahrzeuge werden dabei von Privatpersonen oder Unternehmen zur Verfügung gestellt. Darunter etwa eine lokale Bank. Die Verleiher tragen alle laufenden Kosten, bekommen im Gegenzug aber auch 90 Prozent aller Einnahmen aus der Vermietung. 10 Prozent behält der Verein, um das Konzept zu vermarkten und die Verwaltung zu stemmen. Das Ausleihen ist ebenfalls sehr simpel. Alle Autos sind mit einem Chipleser in der Windschutzscheibe ausgestattet. Wer das Carsharing Angebot nutzen möchte, registriert sich im Internet, bucht sein Fahrzeug und öffnet es, indem er seinen Führerscheinchip an das Lesegerät am Auto hält. 

Das Angebot kam so gut an, dass der Verein inzwischen auch noch drei E-Lastenräder und drei Elektrofahrräder angeschafft hat.

Wer nutzt eigentlich Carsharing?  

In Jesberg hat das tatsächlich dazu geführt, dass einige ihr privates Auto abgeschafft haben. Das ist in Großstädten bisher nicht so. Laut einer Umfrage sind die meisten Nutzer von Carsharing Angeboten in Berlin und München Menschen, die kein eigenes Auto besitzen. Etwa die Hälfte der Nutzer hat demnach kein eigenes Auto. Aber auch hier geben immerhin rund 10 Prozent an, sie hätten ihr Auto wegen des Carsharing Angebots abgeschafft. Das liegt daran, dass der typische Nutzer etwa in Berlin direkt in der Innenstadt wohnt und zahlreiche Fahrzeuge im Carsharing Angebot vorhanden sind. Hauptmotiv der Nutzer ist übrigens nach eigenen Angaben der schlechte öffentliche Nahverkehr. 

Der Gesetzgeber verschafft Carsharing neuen Schwung 

Das Land Niedersachsen hat nun (am 19. Juni) im Landtag die Weichen gestellt, um Carsharing auch im Flächenland weiter zu fördern und vor allem, die Hürden zu senken. So sollen neben Unternehmen nach dem Vorbild von Jesberg künftig auch in Niedersachsen Vereine Carsharing anbieten dürfen. Außerdem beschloss der Landtag Änderungen in der Bauordnung. Das Ziel: Parkplätze für Carsharing Fahrzeuge in Wohngebieten errichten. Bei der Vergabe von Lizenzen sollen Kommunen zudem die Möglichkeit bekommen, auch ökologische Aspekte wie E-Mobilität zu berücksichtigen. 

Bisher ist Carsharing in Niedersachsen vor allem in der Landeshauptstadt Hannover ein Thema. Dort stellt die Stadt seit langem öffentliche Parkplätze speziell für Carsharing Anbieter zur Verfügung. Die Zahl der Stellflächen soll aber auch dort weiter erhöht werden, denn die Zahl der Autos und der Nutzer steigt in Hannover stark. Auf 1000 Einwohner kommen hier inzwischen 0,64 Carsharing Fahrzeuge. 

Bundesweit nutzen nach Branchenangaben rund 2,5 Millionen Menschen Leihautos. 

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