Ein Wildschwein
In Brandenburg wurde die Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen festgestellt.
© Adobe Stock

Gut vorbereitet

Strategien gegen die Afrikanische Schweinepest

Die Landkreise in Deutschland rüsten sich gegen die Afrikanische Schweinepest. In Berlin wollen die Bezirke gemeinsam Zäune anschaffen. Damit soll verhindert werden, dass infiziertes Schwarzwild von Brandenburg in die Hauptstadt kommt. KOMMUNAL sprach mit dem Landestierarzt in Brandenburg, Stephan Nieckisch über Strategien zur Bekämpfung der Tierseuche. Bislang wurde dort der Erreger bei 20 Wildschweinen nachgewiesen. Nieckisch sieht Kommunen und Amtstierärzte gut vorbereitet.
Aktualisiert am 9. Oktober

Seit die Afrikanische Schweinepest am 10. September Deutschland erreicht hat, laufen die Schutzmaßnahmen gegen eine Ausbreitung der Tierseuche auf Hochtouren. Bisher wurde der Erreger bei  inzwischen 55 Wildschweinen in Brandenburg nachgewiesen. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich, tötet aber die Schweine. Für Verbraucher besteht kein Gesundheitsrisiko durch den Verzehr von Lebensmitteln, die von infizierten Tieren stammen, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung betont.

Das können Behörden gegen Ausbreitung der Schweinepest tun

Was können die zuständigen Behörden auf Kreis- und Landesebene tun, um eine Ausbreitung in andere Regionen Deutschlands zu verhindern? "Die Behörden in Deutschland sind gut vorbereitet", zeigt sich Brandenburgs Landestierarzt Stephan Nieckisch überzeugt. Auch Brandenburg traf die Tierseuche nicht überraschend. "Wir haben uns bereits seit 2014 mit dem Auftreten der Schweinepest im Baltikum und in Polen intensiv darauf eingestellt, dass uns die Afrikanische Schweinepest erreichen könnte", sagte Nieckisch zu KOMMUNAL. Als in Westpolen erste Fälle beim Schwarzwild festgestellt wurden, bestand die Gefahr nicht nur einer Sprunginfektion etwa über Lebensmittel, sondern auch, dass die Seuche durch migrierende Wildschweine eingeschleppt wird.

Mobiler Zaun soll durch festen Zaun ersetzt werden

Am 4. November 2019 war in der Nähe der polnischen Stadt Nowa Sól – etwa 70 Kilometer östlich der Grenzstadt Forst  - die Schweinepest bei einem Wildschwein festgestellt worden. Das Tier war bei einem Autounfall verendet und wurde untersucht. "Wir haben daraufhin auf einer Länge von 120 Kilometern zwischen Frankfurt an der Oder und der sächsischen Landesgrenze eine mobile Wildschwein-Barriere errichtet", schildert Nieckisch die Sofortmaßnahme. Es handelt sich dabei um einen 75 bis 90 Zentimeter hohen Elektrozaun, der sich seither über Frankfurt an der Oder und die beiden Landkreise Oder-Spree und Spree-Neiße erstreckt.

Dennoch konnte nicht verhindert werden, dass die Afrikanische Schweinepest nach Brandenburg kam. Das Land plant nun, den mobilen Zaun an der Grenze zu Polen in den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree durch einen festen Zaun zu ersetzen. "Wir rechnen mit rund 930.000 Euro für einen etwa 60 Kilometer langen Knotengitterzaun", erläutert Nieckisch. Diese Barriere gleiche der Eingrenzung der Autobahn. Der Vorteil eines festen Zaunes sei, dass er eine ganze Rotte abhält.

Wie sind Land und Landkreise vorbereitet?

Für die Tierseuchenbekämpfung vor Ort ist das Veterinäramt zuständig, der Amtstierarzt oder die Amtstierärztin leitet die Maßnahmen und ist auch verantwortlich für die Vorbereitung. "Die Landkreise schafften das nötige Material wie Bergetechnik und Kühlcontainer für die Lagerung der Kadaver bis zum Abschluss der Untersuchungen an", erläutert Nieckisch. "Außerdem wurde Zaunmaterial für feste und mobile Zäune besorgt und Gps-Geräte zur gezielten und systematischen Kadaversuche angeschafft.

Landesbetrieb unterstützt betroffene Landkreise

Zudem bildete Brandenburg eine eigene Landesreserve, um die Kreise bei einem größeren Seuchengeschehen mit Technik und Personal zu unterstützen. "Wir haben dazu mit dem Landesbetrieb Forst eine Vereinbarung geschlossen", so Nieckisch. Der Landesbetrieb unterstützt mit seinem Personal die betroffenen Landkreise beim Zaunbau und bei der Fallwildsuche, die sehr personalintensiv ist. Zudem schafft das Land Drohnentechnik an, die mit einer Wärmebildkamera die Suche nach Fallwild unterstützt.

Laut Nieckisch findet jedes Jahr eine sogenannte Landes-Tierseuchenübung statt. Das Land stimmt sich auch mit der Bundeswehr ab. Eine für 2020 vorbereitete Tierseuchenübung zur Afrikanischen Schweinepest wurde wegen der Corona-Pandemie allerdings abgesagt.

Jäger bekommen Aufwandsentschädigung für Kadaverprobe

"Darüber hinaus haben wir in den vergangenen Jahren die Fallwildsuche durch die Jäger intensiviert", sagte er. Bislang bekamen Jäger, die einen Kadaver fand und eine Probe entnommen und eingesandt hat, 30 Euro Aufwandsentschädigung, seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Westpolen  erhalten sie 50 Euro pro Probe. Diese geht an das zuständige Veterinäramt, das die Probe dann an das Landeslabor Berlin Brandenburg schickt

Spürhunde und Hundeführer werden ausgebildet

Das Land organisiert jetzt auch die Ausbildung von Fallwildhunden. Hunde und Hundeführer werden darin ausgebildet, nach verendeten Tieren zu suchen. "Wir beginnen damit im Oktober, der Termin wurde schon im August geplant", sagte Nieckisch. Schon jetzt sind Spürhunde im Einsatz. Allerdings kommen sie aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Dort sind bereits Spürhunde ausgebildet worden. Nach dem Ausbruch der Schweinepest sei die Abstimmung zwischen den Landkreisen und dem Ministerium eng, betonte Nieckisch. Es wurden die Alarmierungs- und Bekämpfungspläne aktiviert. Gearbeitet wird im Landeskrisenzentrum für Tierseuchen und im Landeskrisenstab, auf Kreisebene wurden lokale Krisenzentren und ein lokaler Krisenstab gebildet.

Neuester Inhalt