Wildschweine Kunstwettbewerb Kleinmachnow
Umringt von Wildschweinen - zum 100-jährigen Geburtstag von Kleinmachnow haben sich die Kinder der Steinwegschule viel Mühe gemacht.
© Kleinmachnow

Kinderaktion

Wildschweine wühlen die Gemeinde auf

100 Jahre Kleinmachnow – das sollte in dem kleinen Ort in Brandenburg gefeiert werden. Auch mit einer Kunstaktion für Kinder. Die endete mit einem Überraschungssieger, der viel über die Probleme der Stadt aussagt. 48 Wildschweine aus Pappmaché haben den Wettbewerb gewonnen.

Landauf, landab klagen Kommunen über Wildschweine in ihren Städten. Die Tiere verlieren jede Scheu und schaffen es selbst in Vorgärten. Auch in Fußgängerzonen werden die Vierbeiner immer häufiger gesichtet. Ein Problem, das auch die Gemeinde Kleinmachnow südwestlich von Berlin kennt.

In der Gemeindechronik sind Wildschweine bereits seit dem Jahr 2007 verewigt. Schon damals hatten sich nicht alle über den neuen Zuwachs in der Kommune gefreut. „Wildschweine entdecken das hohe Nahrungspotential von Grünstreifen, Vorgärten und Komposthaufen“, steht in der Chronik geschrieben.

Jetzt wird die Chronik hoffentlich um Wildschweine aus Pappmaché von den Kindern aus der Steinwegschule ergänzt. Sie haben den Wettbewerb bei der Kinderaktion „100 Jahre Kleinmachnow“ gewonnen.

Kunstwettbewerb für Kinder – ein Projekt zum Nachahmen

100 Jahre Kleinmachnow nahm die 20.000-Einwohnergemeinde zum Anlass, ihre jungen Bewohner für die Teilnahme an einem Kunstwettbewerb zu begeistern. Die Aufgabe: Seid kreativ! - Malt, bastelt, singt oder fotografiert „Mein Kleinmachnow“. 240 Kinder von 4 bis 18 Jahren haben sich an dem Wettbewerb beteiligt, bei dem immerhin 96 verschiedene Werke entstanden sind.

Neben Bildern und Collagen, entwickelten Kinder auch ein Brettspiel oder komponierten einen Song. Sehr spannend ist auch die Aktion der örtlichen Gesamtschule - sieben Schüler gestalteten eine digitale Führung durch das Landarbeiterhaus im Ort.

Beim Sieger aber waren sich die Mitglieder der Jury einig. Der Preis geht an eine Gemeinschaftsarbeit einer zweiten und vierten Klasse der Grundschule. Die Kinder haben eine riesige 100 gebastelt, mit alten und neuen Fotos der Stadt beklebt und dazu 48 Wildschweine aus Pappmaché erstellt.

Schon auf dem Weg ins Rathaus, in dem die Kinder ihre kreativen Arbeiten präsentierten, freuten sich Passanten über die Miniaturschweine. Dabei ist auch die Begegnung mit der lebendigen, größeren Variante keine Seltenheit in der Kommune.

Im Siedlungsgebiet werden Wildschweine zum Problem

So wie viele Kommunen kämpft auch die Verwaltung Kleinmachnows schon seit längerem gegen Wildschweine an. Gerade erst hat sie dazu eine neue „Wildschwein-Info“ veröffentlicht: Wieder haben die Tiere auf einem Grünstreifen inmitten des Wohngebiets ihre tiefen Spuren hinterlassen.

Wildschwein in der Stadt
Fühlt sich sauwohl: Ein Wildschwein mitten in der Stadt

Kommunen wie auch Kleinmachnow weisen ihre Bevölkerung immer wieder darauf hin, dass es vor allem um eines geht: Potenzielle Futterquellen vermeiden! Essensreste sollten nicht kompostiert, Fallobst aufgesammelt und die Fütterung grundsätzlich unterlassen werden. Nach dem Brandenburger Jagdgesetz kann letztere sogar mit bis zu 5.000 Euro bestraft werden.

Das sind die Tipps gegen Wildschweine

Aber auch Gartenfreunde haben gute Hinweise, die sich auch von Kommunen an die Bevölkerung vermitteln lassen. An erster Stelle stehen naürlich Zäune mit solidem Fundament, aber auch sogenannte Wildschweinschrecks sind effektiv. Zum Einsatz kommt ein batteriebetriebenes Gerät mit Lautsprechern und Lichtsensoren. Die akustischen Signale, die Warnrufe der Tiere imitieren, sind allerdings recht laut, warum sie für Wohngebiete wohl weniger geeignet sind.

Einfacher sind hingegen abschreckende Duftstoffe, die es häufig auch in Gartencentern zu kaufen gibt. Deren Gestank kann manchmal aber auch für Menschen sehr unangenehm sein.

Als gutes Haushaltsmittel gelten übrigens auch Haare. Der menschliche Geruch, mit dem Brache und Eber auf Abstand gehalten werden sollen, hält allerdings nicht allzu lange. Überdies weist eine einschlägige Webseite darauf hin, dass sich die Tiere in größeren Siedlungsgebieten womöglich schon an den Duft von Menschen gewöhnt haben. Aber probieren kann man es ja mal. - Die Haare gibt es beim Friseur sicherlich umsonst.

Als tierfreundliche Methode gilt auch der Einsatz von Wildrepell. Das sind kleine Pellets, die auf dem Grundstück verteilt werden. Dabei handelt es sich um ein Vergrämungsmittel, das von den Tieren gefressen wird und ihnen – so soll es sein - nicht schmeckt. Ein Erlebnis, das die Tiere nicht so leicht vergessen werden. Intelligent wie die Schweine sind, halten sie sich künftig vom Grundstück fern. Ähnlich einsetzbar sind auch Chilibeize und Chilipaste. Manche Landwirte schwören darauf.

Trotz viel Ärger sind Wildschweine überaus nützlich

Nun sind die Tiere aber nicht nur ein Problem. Als wichtiger Bestandteil des Ökosystems dienen sie dem Wald als eine Art Gesundheitspolizei. Auf Nahrungssuche lockern die Allesfresser mit ihren Schnauzen die Böden, beseitigen Baumschädlinge wie Kiefernspinner und machen auch vor Aas nicht halt.

Zudem versichern Experten: Die Begegnung mit Wildschweinen ist wie auch mit den Miniaturausgaben des Kleinmachnower Kunstwettbewerbs meist ungefährlich.