Kinderfeuerwehr in der freiwilligen Feuerwehr Königswinter

Kinderfeuerwehr: Ein Erfolgskonzept?

In der nordrhein-westfälischen Stadt Königswinter wurde die erste Kinderfeuerwehr gegründet. Durch sie sollen Kinder in Kontakt mit der Feuerwehr kommen, bevor sie von anderen Vereinen abgeworben werden. Ein Gespräch mit dem Pressesprecher über eine Idee, die bereits mehrere Kommunen erfolgreich umsetzen!

„Feuer!“ ruft ein braunhaariger Junge und mehrere Kinder rennen zum Tor der Einfahrt. Mit orangefarbenen Schutzhelmen und leuchtenden Warnwesten stehen sie stramm vor dem Tor, sind bereit für ihren Einsatz. Bereit, als Truppe auszurücken und die Flammen zu löschen. Zumindest hypothetisch. Denn noch sind die Kinder zu jung, um ein richtiges Feuer zu löschen.

Sie sind zwischen sechs und zehn Jahre alt und in der ersten Kindergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter. Die Truppe nennt sich die „Löschdrachen“ und die Mitglieder zählen zu den Jüngsten in ganz Deutschland. Mit Spaß lernen die Kinder hier, wie man sich bei einem Brand verhält und wie man mit einem Wasserschlauch umgeht. 

 

Feuerwehr bekommt neue Mitglieder in der Kinderfeuerwehr
Mit Spaß wird hier der Ernstfall geprobt

 

„Wir waren total überrascht, dass sich so viele Kinder für die Feuerwehr interessieren“

 

Die Kinder sind mit Warnwesten und Tretfeuerwagen ausgestattet, die das Land finanziert hat. Außerdem hoffen die Kinder auf ein eigenes Fahrzeug durch die Fortsetzung einer Fördermaßnahme. Die Kosten dafür wird Nordrhein-Westfalen zu 80 Prozent übernehmen.

„Coole Kleidung und Autos sind sehr wichtig, weil sich die Kinder dadurch viel stärker mit der Feuerwehr identifizieren können“, weiß Lutz Schumacher. Seine Feuerwehr wollte ursprünglich 20 Kinder aufnehmen. Doch nach Besuchen in Kindergärten und Schulen meldeten sich sogar 60 Kinder für den Dienst! „Wir waren total überrascht, dass sich so viele Kinder für die Feuerwehr interessieren“, erzählt Schumacher. Deshalb gibt es nun eine Warteliste, in die sich Interessierte eintragen können, um auch noch Mitglied der „Löschdrachen“ werden zu können. Und anstatt einer treffen sich aktuell zwei Gruppen mit jeweils 20 Mitgliedern alle vier Wochen Samstags. Es gibt acht Betreuer. „Aber für Kinder braucht man auch Pädagogen, die genau wissen, was zu tun ist, wenn Kinder überdrehen oder sich nicht in die Gruppe integrieren. Bei uns übernehmen zwei Ehefrauen von Wehrleuten mit entsprechendem beruflichen Hintergrund diese Aufgabe“, erklärt Schumacher.

 

Kinderfeuerwehr in Königswinter
Die Tretfeuerwagen kommen gut bei den Kindern an

 

Nachdem das Land im Jahr 2016 ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz eingeführt hat, wurde der Weg für die Gründung der Kinderfeuerwehr geebnet: „Wir sind sehr glücklich über die Gesetzesänderung. Denn wir waren häufig zu spät dran, wenn wir junge Menschen für den Dienst gewinnen wollten: Sobald Jugendliche in der Schule sind, treten sie einem Verein bei und haben dann keine Zeit mehr für die Feuerwehr“, erklärt der Pressesprecher. Schumacher weiß, dass die meisten Aktiven früher in der Jugendfeuerwehr waren: „Die Mitglieder der Jugendfeuerwehren bleiben meist auch im Erwachsenenalter dabei. Unser Ziel ist es deshalb, Kinder von klein auf für die Feuerwehr zu begeistern, sie dann für die Jugendfeuerwehr zu gewinnen – und sie bis ins hohe Alter zu halten.“

Zwar ist man in Königswinter noch gut aufgestellt, weil auf 42.000 Einwohner rund 308 Aktive kommen. Ausruhen darf sich die Feuerwehr darauf allerdings nicht. Sollte der Nachwuchs ausbleiben, kann für die Zukunft keine Daseinsvorsorge garantiert werden.

 

Kinderfeuerwehr: Es gibt noch mehr Vorteile

Für den Pressesprecher bringt die Kinderfeuerwehr noch weitere Vorteile. Etwa dass die Feuerwehr über die Kinder Kontakt mit den Erwachsenen aufnehmen kann: „Eine Mutter, die eigentlich nur ihr Kind anmelden wollte, ist nun selbst Mitglied geworden“, freut sich Schumacher.

Andere Eltern unterstützen die Feuerwehr, indem sie am Tag der Offenen Tür mitanpacken. „Wir sind sehr glücklich über all die Möglichkeiten, die sich gerade ergeben und hoffen, dass es so weiterläuft“, schließt der Pressesprecher ab. 

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