Mitgliederwerbung
Freiwillige Feuerwehr: So klappts mit dem Nachwuchs
Die Freiwillige Feuerwehr besteht aus ehrenamtlich tätigen Einsatzkräften. Sachsen-Anhalt etwa weist mit gut 31.000 Mitgliedern neben zwei weiteren Bundesländern die wenigsten Mitglieder bundesweit auf. Bei den Jugendfeuerwehren befindet sich Sachsen-Anhalt mit 16.000 Mitgliedern im Bundesdurchschnitt, die Tendenz zeigt aber nach unten. Fast die Hälfte der Jugendfeuerwehren hat mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, wohingegen nur etwa ein Zehntel von zu vielen Interessenten berichtet. Eine zentrale Aufgabe der handelnden Akteure in den Kommunen ist es daher, zur Erhöhung und langfristigen Sicherung der Mitgliederzahlen von Freiwilligen Feuerwehren proaktiv beizutragen. Eine einsatzfähige Freiwillige Feuerwehr ist nur durch konzentrierte Jugendarbeit zu sichern. Die Nachwuchsförderung ist „alternativlos“, um das Unwort des Jahres 2010 zu nutzen, weil Berufsfeuerwehren flächendeckend nicht zu finanzieren und Pflichtfeuerwehren deutlich weniger leistungsfähig sind.
Den Königsweg gibt es nicht - wohl aber erfolgreich erprobte Ansätze
Zur Mitgliedergewinnung gibt es keinen Königsweg. Vielmehr ist die individuelle Situation vor Ort entscheidend und die bisherige Kinder- und Jugendarbeit. So kann aus einer Kinderfeuerwehr eine Jugendabteilung aufgebaut werden und langfristige Mitwirkung sichern. Weiterhin sind konkrete Werbemaßnahmen in den jeweiligen Altersgruppen erforderlich. Eine der besten Werbemaßnahmen dürfte die Präsenz in den kommunalen Einrichtungen, Schulen, bei Festen und Veranstaltungen in der örtlichen Gemeinschaft sein. Diese Maßnahmen sollten entsprechend publik gemacht werden, zum Beispiel im Internet, in Bekanntmachungsblätter oder auf kommunalen Social-Media-Plattformen. Dadurch wird die Arbeit in einer funktionierende Gruppe nach außen deutlich. Zudem kann Mundpropaganda im Freundes- und Bekanntenkreis zur möglichen Mitgliedergewinnung beitragen. Der Schwerpunkt sollte nicht nur auf Jugendliche, sondern auch auf Angehörige gelegt werden. Herausgestellt werden sollte ein intaktes soziales Gefüge, Aktivitäten, Erlebnisse, Spaß, Lerninhalte und eine zukunftsfähige Freizeitbeschäftigung. Zudem muss Wert auf die langfristige Bindung gelegt werden, damit über die Jugendfeuerwehr hinaus der aktive Dienst abgesichert werden kann.
Feuerwehr: Das ist vor allem Zusammenhalt und Freundschaft unter Kameraden
An oberster Stelle steht dabei die Stärkung des Zusammenhalts sowie freundschaftliche Beziehungen zwischen Betreuer und Jugendlichen. Ein Treffpunkt mit Raum zur Kommunikation ist zwingend. Möglich sind dabei gemeinsame Grillabende, Spiele, Wochenendausflüge, Zeltlager, Weihnachtsfeiern und vieles mehr. Spaß und Abwechslung sind wichtig. Die Gruppendynamik sollte dabei in den Fokus rücken. Es muss auf die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen eingegangen und diese etwa in einer Jahreshauptversammlung besprochen werden. So können insbesondere Übungszeiten mit anderen Freizeitaktivitäten koordiniert werden. Außerdem sind Abstimmungen zum Beispiel über die Teilnahme an Wettkämpfen möglich. Um der Jugendfeuerwehr ein entsprechendes Gewicht zu verleihen, sollten Jugendsprecher gewählt werden, denen ein Mitbestimmungsrecht zugesprochen wird. Die Alterspanne zwischen 16 und 18 Jahren muss besonders in den Fokus rücken. Hier sollte es den jugendlichen Mitgliedern flexibel ermöglicht werden, am Dienst der Einsatzabteilung teilzunehmen. Auch die berufliche Entwicklung, Studium und Ausbildung sollte Gegenstand von persönlichen Gesprächen werden, um die Bindungen untereinander zu stärken und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.
Die Rolle der Kooperation - und der interkommunalen Zusammenarbeit
Kooperationen mit anderen Jugendfeuerwehren benachbarter Städte und Gemeinden sind denkbar, vor allem, um Personalengpässe in der Betreuung abzufangen. Dadurch können Kompetenzen, Technik und Ausbildung gebündelt werden. Auch eine Zusammenarbeit mit den Schulen bietet eine Vielzahl von Chancen. Für all das braucht es Betreuer, die auf den Umgang mit Jugendlichen Lust haben, verantwortungsbewusst und pünktlich sind. Sie müssen eine Vorbildrolle einnehmen, Einfühlungsvermögen, Geduld, Humor und Gelassenheit mitbringen. Solche Personen zu finden ist nicht einfach. Eine entsprechende Honorierung über die üblichen Aufwandsentschädigungen hinaus ist erforderlich, wie etwa die Erwähnung der Jugendarbeit und ihre Betreuer in der Neujahrsansprache des Bürgermeisters.
Hintergrund:
Grundlage dieses Artikels ist die Bachelorarbeit der Verfasserin Victoria Meyer mit dem Titel: “Eine Untersuchung über die Maßnahmen der Mitgliederwerbung und -bindung zur Nachwuchsförderung in den Jugendabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren“, vorgelegt am 03.02.2025 am Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz. Die wesentlichen Erkenntnisse wurden in einem Fachbeitrag (LKV 3/2025, „Nachwuchsförderung in den Jugendabteilungen Freiwilliger Feuerwehren – zu den notwendigen Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung und -bindung“) vertieft.