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Die Kommunalwahlen hatten eine enorm hohe Wahlbeteiligung

Kommunalwahlen: So fallen die Wahlergebnisse in Stadt und Land aus

87.000 Mandate sind am Sonntag in Deutschlands Kommunalparlamenten neu vergeben worden. Noch immer laufen in vielen Kommunen die Auszählungen, die amtlichen Endergebnisse wird es in vielen Städten erst am Mittwoch geben. Die Tendenzen sind aber eindeutig, die meisten Mandatsträger wissen bereits, ob sie gewählt wurden oder nicht. Ein Überblick!

Die Stimmung bei der Europawahl hat ganz offensichtlich auch in der Tendenz bei den Kommunalwahlen in insgesamt 10 Bundesländern durchgeschlagen. In fast allen Bundesländern ist die CDU auch bei den Kommunalwahlen landesweit hochgerechnet mit Abstand stärkste Kraft geworden. Etwa in Rheinland-Pfalz, wo ein Ampel aus SPD, FDP und Grünen regiert. Hier holte die CDU landesweit rund 32 Prozent der Stimmen, die SPD fiel auf 23 Prozent. Das bedeutet für beide Parteien im Schnitt ein Minus von rund 7 Prozent. Das schlägt dann auch bei den zahlreichen Bürgermeisterposten und in den Fraktionen der Gemeindevertretungen durch, auch wenn es lokal viele Auffälligkeiten und Besonderheiten gibt. Es zeigt sich einmal mehr, dass Personen bei der Kommunalwahl dennoch ein sehr wichtige Rolle spielen. 

 

Afd im Westen bei Kommunalwahlen schwach 

 

Die Personenwahl hat sich zumindest in den westdeutschen Bundesländern bei der Kommunalwahl negativ auf die AfD ausgewirkt. Sie holt fast überall bei den Kommunalwahlen deutlich schlechtere Ergebnisse als in den gleichen Orten bei der Europawahl. In Rheinland-Pfalz kommt die Partei etwa landesweit auf knapp 9 Prozent, bei der Gemeinderatswahl in der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart etwa nur auf 6 Prozent und somit weit hinter der FDP. In Stuttgart zeigt sich exemplarisch die Stärke der Grünen in den Großstädten. Mit 28 Prozent wird sie hier mit Abstand stärkste Ratsfraktion vor der CDU mit rund 20 Prozent und der SPD, die um 12 Prozent liegt. Ein Bild, das in Karlsruhe sogar noch deutlicher wird - die Grünen hier im Gemeinderat bei 30 Prozent, die CDU nur bei 18. 

 

Teils lange Schlangen vor den Wahllokalen 

 

Bei den letzten Europawahlen vor 5 Jahren gab es einen klaren Trend: Überall dort, wo zeitgleich Kommunalwahlen stattfanden, war die Wahlbeteiligung deutlich höher als in Regionen, die nicht zeitgleich eine Kommunalwahl hatten. Bei dieser Wahl ist der Trend noch viel deutlicher. Bei den Europawahlen kam es zu einer Rekordwahlbeteiligung, wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Regionen mit zeitgleichen Kommunalwahlen hatten teils Probleme, den Ansturm an Wählern zu meistern. In zahlreichen Städten berichten die Wahlhelfer von langen Schlagen. Die Wahlbeteiligung lag bundesweit bei über 60 Prozent.  Und das gilt auch für Regionen, in denen sonst traditionell die Wahlbeteiligung auch bei Kommunalwahlen deutlich unter 50 Prozent liegt. Etwa in Sachsen-Anhalt - landesweit beteiligten sich hier 54 Prozent an den Kommunalwahlen, teils wurden zusätzliche Wahlkabinen organisiert. Anders als in den Westdeutschen Bundesländern holte hier aber die AfD auffallend viele Mandate. Der Trend jedoch war der Gleiche: Bei Kommunalwahlen schneidet die rechtspopulistische Partei deutlich schlechter ab, als bei den Europawahlen. In Mecklenburg - Vorpommern etwa ist die AfD bei den Kommunalwahlen landesweit zweitstärkste Kraft und bleibt weit hinter den Ergebnissen der Europawahl sowie der letzten Landtags.- und Bundestagswahlen zurück. Stärkste Kraft auch im Nordosten: Die CDU mit rund 25 Prozent, die AfD bei knapp 18 vor der SPD mit 16 Prozent.

 

Spannende Bürgermeisterwahlen im Nordosten

 

Mit Spannung wurde in Mecklenburg-Vorpommern auch die Bürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt Rostock erwartet. Einen Sieger gab es noch nicht. Der von CDU und FDP ins Rennen geschickte parteilose Däne Claus Ruhe Madsen kam im ersten Wahlgang auf rund 35 Prozent. Der von den Linken ins Rennen geschickte Sozialsenator Steffen Bockhan erreichte 19 Prozent. Auch hier übrigens die Wahlbeteiligung vergleichsweise hoch bei rund 58 Prozent. Bei der Stadtratswahl in Rostock derweil ein ganz anderes Bild. Die Linke dort stärkste Kraft mit 20 Prozent vor den Grünen mit 19, die CDU bei knapp 15 Prozent. Rund um Rostock im Landkreis Rostock derweil wieder das übliche Bild, wie wir es fast überall in ländlichen REgionen bei diesen Kommunalwahlen finden: Die CDU klar vorn mit knapp 30 Prozent, die Grünen mit 9 Prozent zwar vergleichsweise stark, aber eben auf deutlich anderem Niveau als in den Großstädten. 

 

Ein Trend, der sich auch im Saarland fortsetzt. Etwa in Merzig-Wadern: Dort kommt die CDU auf 40 Prozent, die Grünen auf 11, die AfD auf knapp 7 Prozent. Anders bei der Bürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt Saarbrücken. Dort führt die SPD-Kandidatin Charlotte Britz mit 37 Prozent vor dem CDU Kandidaten Uwe Conradt mit 29 Prozent. Bei der Stadtratswahl hingegen liegt die CDU in Saarbrücken mit 25 Prozent wieder vorn, die Grünen hier mit 20 Prozent ebenfalls sehr stark. 

 

Besonders Spannung in 3 ostdeutschen Bundesländern

 

Mit Spannung wurden auch die Wahlergebnisse in Brandenburg, Thüringen und Sachsen erwartet - in diesen 3 Bundesländern finden im Herbst Landtagswahlen statt. Ernüchterung hier bei den Europawahlen - in Sachsen und Brandenburg wurde die AfD stärkste Kraft, nur in Thüringen liegt die CDU knapp vor den Rechtspopulisten. Für die SPD Verluste im Bereich zwischen 7 und 10 Prozent. Anders bei den Kommunalwahlen. Dort, wo Personen direkt gewählt wurden, hatte es die AfD deutlich schwerer. In Brandenburg etwa holte die AfD bei der Europawahl 20 Prozent, bei den Kommunalwahlen waren es knapp 16 Prozent. CDU und SPD lagen hier mit jeweils rund 18 Prozent vorn. Die Grünen in mehreren ostdeutschen Budesländern erstmals knapp zweistellig. In der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam dann wieder das übliche Bild der Großstädte: SPD und Grüne errreichen hier jeweils rund 19 Prozent, die AfD lediglich bei 9 Prozent. Zudem gab es 3 Wahlen zum hauptamtlichen Bürgermeister mit sehr unterschiedlichen ERgebnissen. In Uebigau-Wahrenbrück im sehr ländlichen - weit von Berlin entfernten - Landkreis Elbe-Elster siegt der FDP Kandidat Delf Gerlach mit 55 Prozent und wird  neuer Bürgermeister. Er setzte sich gegen den CDU-Kandidaten durch. Im nahe Berlin gelegenen Wildau im Landkreis Dahme-Spreewald wird die SPD-Kandidatin Angela Homuth neue hauptamtliche Bürgermeisterin und in Zehdenick im Landkreis Oberhavel nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine STichwahl zwischen einem parteilosen Kandidaten und dem Kandidaten der CDU. 

 

 

 

 

 

 

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