Das Wäller Autokino in Altenkirchen
Das Wäller Autokino in Altenkirchen war ein Erfolg.

Tipps eines Bürgermeisters

Kommune kann Autokino!

Wegen der Corona-Beschränkungen mussten Kinos und Bühnen lange geschlossen bleiben. Es schlug die Stunde der Autokinos. Im Westerwald trat eine Kommune sogar selbst als Veranstalterin auf. Der Bürgermeister berichtet auf Anfrage von KOMMUNAL über seine Erfahrungen. Ein Projekt für andere Kommunen ab nächstem Frühjahr?

Motor aus, Film ab – mit Beginn der Coronakrise erlebte das Autokino in diesem Sommer ein Comeback. In zahlreichen Städten und Gemeinden war Filmegucken durch die Windschutzscheibe wieder angesagt. Denn im eigenen PKW ließen sich Abstände und Versammlungsverbote problemlos einhalten.

Autokino - von Konzerte bis Comedy und Gottesdienst

Dabei  kam viel Kreativität ins Spiel. Viele innerhalb kurzer Zeit eröffnete Autokinos boten nicht nur Filmkunst an. Schauspieler auf der Leinwand wechselten sich mit Künstlern live auf der Bühne an. Das Programm reichte dabei  von Konzerten, Comedy bis hin zu Gottesdiensten. Und das war gut: Denn davon profitierten alle. Die Bürger, die während des Lockdowns gar nicht mehr ins Kino durften und die Kulturschaffenden, die wegen der Corona-Ansteckungsgefahr vorerst nicht vor großem Publikum auftreten durften.

Wäller Autokino ein Erfolg

 Auch das „Wäller Autokino“ in Altenkirchen im nördlichen Westerwald hat inzwischen die letzte Vorstellung in dieser Saison hinter sich. Auf Anfrage von KOMMUNAL zieht die Verbandsgemeinde Bilanz und erläutert das Konzept.

UKW-Frequenz wird beantragt

Die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld im nördlichen Rheinland-Pfalz arbeitete als Kommune mit den Veranstalterprofis vor Ort zusammen – dem Geschäftsführer eines regionalen Getränkehandels sowie dem einzigen Kinobetreiber in der Gemeinde. Der Kinobetreiber konnte zum Beispiel beim Antrag einer UKW-Frequenz bei der Bundesnetzagentur helfen, ohne die die Besucher im eigenen Auto keinen Audioempfang gehabt hätten.

Interkommunale Zusammenarbeit

Schon früh war klar: Andere Kommunen und externe Veranstalter der Region sollten in das Projekt einbezogen werden. "In diesen ungewissen Zeiten war es der Kommune besonders wichtig, damit auch ein Zeichen für Öffentlich-Private-Partnerschaften und die kommunale Zusammenarbeit zu setzen". sagt Bürgermeister Fred Jüngerich. Der Namen  des „Wäller“ Autokinos wurde bewusst gewählt. Denn die „Wäller“, das sind die Bewohner des gesamten Westerwalds. Und genau für diese sollte das Autokino auch sein – nämlich für alle Menschen in der Region.  Mit dem Programm wollte die Gemeinde ein „kulturelles Ausrufezeichen“ setzen, wie es Bürgermeister Fred Jüngerich es formuliert. In schwierigen Zeiten wollte sie den Menschen Abwechslung und Entspannung bieten.

Buergermeister Fred Jüngerich

Bürgermeister Fred Jüngerich erläutert das Auto-Kinoprojekt.

Viel Planungszeit hatte das „Wäller Autokino“ nicht. „Normalerweise kann die Vorbereitung eines Marketingkonzepts schon mal ein halbes Jahr dauern“, weiß Rebecca Seuser, Sachbearbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Demografie bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung. Was normalerweise einige Monate Planungszeit benötigt, bewerkstelligten die Verantwortlichen in nur wenigen Wochen – mit Erfolg! Nach Eingang der Projektgenehmigung Anfang Mai konnte die Kommune das Autokino in weniger als einem Monat eröffnen.

„Wegen der Kürze der Zeit musste sehr schnell agiert werden“, erinnert sich Projekt Eugen Schmidt aus Sicht der Verwaltung. Corona stellte die Verantwortlichen vor zusätzliche Herausforderungen. Mit einem Projektteam im Rathaus konnte die Verbandsgemeindeverwaltung immerhin eine wichtige Schnittstelle für die behördlichen Genehmigungen bilden.

Social Media einbezogen

Die Öffentlichkeitsarbeit koordinierte die Gemeinde, weil sie schneller handeln konnte. Dazu gehörte auch das zielgruppenorientierte bespielen von sozialen Medien wie Facebook und Instagram – ersteres für ein vergleichsweise älteres, letzteres für ein vergleichsweise jüngeres Publikum. Zudem war es wichtig auf die Multiplikatoren der Region zuzugehen und die lokale Presse miteinzubeziehen.  

Ein Augenmerk legten die Verantwortlichen auch auf Bürgernähe. Durch ihre aktive Öffentlichkeitsarbeit förderte sie die Interaktion und etablierte damit eine Feedbackkultur. Das war wichtig, denn nicht jede Veranstaltung war erfolgreich. Aber auch das gehöre dazu.

„Vier Wochen muten wie ein Festival an. Flexibilität war gefragt“, so Bürgermeister Jüngerich.Die zusätzliche Arbeit haben sie und ihre Kollegen gerne gemacht. Für den Verwaltungsalltag war das Projekt eine gelungene Abwechslung.

Dialog mit regionalen Event-Veranstaltern

Für die Planung eines kommunalen Autokinos empfiehlt die  Verbandsgemeinde anderen Kommunen als ersten Schritt, den Dialog mit den regionalen Event-Veranstaltern und Kulturschaffenden zu suchen. „Was ist den Menschen vor Ort wichtig, und wie können sie sich den kulturellen Bereich in dieser besonderen Zeit vor Ort vorstellen? Und wie sähe deren Beteiligung daran aus?“, sind Fragen, die ihrer Meinung nach beantwortet werden müssen. „Partizipationsprozesse gemeinsam mit allen Akteuren gestalten und verwirklichen!“, betont der Bürgermeister.

Trotz  Corona-Einschränkungen zählte die Kommune immerhin 6.000 Besucher. Rund 125.000 Euro kostete der Kinosommer. Finanzielle Unterstützung im vierstelligen Bereich bekam das Projekt aber unter anderem vom Kulturfonds „Kultursommer“ des Lands Rheinland-Pfalz.

Bürgermeister Fred Jüngerich rät: „Seien Sie mutig, denken Sie über den Tellerrand hinaus! Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtig, Kulturarbeit vor Ort mit allen uns gegebenen Möglichkeiten zu unterstützen.“

So  sieht der Ablauf des Wäller Autokinos aus:

  • Tickets können nur online über den Webshop gebucht werden. Die Preise variieren je nach Vorstellung. Der Erwerb von Speisen und Getränken ist nur online und nur in Verbindung mit einem gültigen Ticket möglich.
  • Im selben PKW dürfen 5 Personen aus maximal 5 Haushalten sitzen. 
  • Eine Platzreservierung ist aus technischen Gründen nicht möglich. Das Personal wird die Zuschauer vor Ort  einweisen.
  • Über  den  Web-Shop können während der Veranstaltung Speisen und Getränke bestellt werden.
  • Laut der hier gültigen Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz ist das Aussteigen aus dem Auto während des Autokinobesuchs nur zum Toilettengang und im Notfall  gestattet. In diesem Fall muss eine Schutzmaske getragen werden.
  • Die Ticketkontrolle für die einzelnen Vorstellungen öffnet eine Stunde vor Beginn.
  • Das Auto darf nicht höher als 2,10 Meter und nicht breiter als 2,50 Meter sein. 
  • Hunde sind im Autokino erlaubt, solange sie im Auto bleiben.
  • Das Öffnen von Autotüren, Hupen und das Laufenlassen des Motors sind untersagt.
  • Der Ton wird über eine Radiofrequenz gesendet. Diese wird vor Vorstellungsbeginn auch nochmal auf der Leinwand angezeigt.
  • Versprochen wird: Die Autobatterie hält einen Radiobetrieb von wenigen Stunden locker durch. Ein Autoradio benötigt selbst bei einer Leistung von 30 W in 2 Stunden nur rund. 7 Ah. Sogar kleine Autobatterien verfügen über eine Kapazität von 45 Ah, die meisten über sehr viel mehr Leistung. Im Notfall wird Starthilfe gegeben.