Luca Warn-App - nur eine von einem ganzen Dutzend an Lösungen, die aber die Gesundheitsämter vor Probleme stellt
Luca Warn-App - nur eine von einem ganzen Dutzend an Lösungen, die aber die Gesundheitsämter vor Probleme stellt
© www.luca-app.de

Lockdown-Ausweg

Kontaktnachverfolgung: Rennen um die beste Warn-App läuft

Die offizielle Corona-Warn-App macht Kontaktverfolgungen aufgrund der Datenschutzbestimmungen weiter schwer. Alternative Anbieter drängen in den Markt. Die App Luca, hergestellt in Zusammenarbeit mit der Stadt Jena, setzt sich durch. Aber auch sie hat noch Schwächen, was wiederum andere Anbieter auf den Markt ruft. Doch was bedeutet das für Gesundheitsämter und Verbraucher? Ein wirres Durcheinander? Wir geben den Überblick!

Neben der offiziellen Corona Warn-App gibt es inzwischen ein ganzes Dutzend weiterer Apps, teils von kommerziellen Anbietern, die den Markt erobern wollen. Im Grunde haben sie eines gemeinsam: Sie sollen die Kontaktnachverfolgung endlich organisieren. Die offizielle Warn-App kann das bisher nicht leisten. Die Datenschutzbestimmungen machen einer Nachverfolgung bisher einen Strich durch die Rechnung. Es geht vor allem darum, dass sich Kunden registrieren, wenn sie etwa ein Geschäft betreten. Doch inzwischen ist das Warn-App Geschäft zu einem lukrativen Faktor geworden, immer mehr Firmen setzen darauf. Nutzer stellen sich die Frage, wie viele Apps sie möglicherweise bald brauchen. Mecklenburg-Vorpommern etwa setzt jetzt auch offiziell auf die Lösung der Stadt Jena, die Luca App. Köln hingegen hat mit "Recover" seine eigene Lösung und so könnte der Städtetripp von Flensburg nach München damit verbunden sein, 12 Apps herunterladen zu müssen. Und auch die Gesundheitsämter sind überfordert.

Warn-App Wirrwarr sorgt für Überforderung in Gesundheitsämtern

Eine einheitliche Kontaktverfolgung wird ohnehin unmöglich, wenn die große Auswahl an Programmen und Apps nicht am Ende dazu führt, dass alle Daten irgendwann aus den verschiedenen Programmen zusammengeführt werden. Die Gesundheitsämter sind schon jetzt teils mit der digitalen Verarbeitung von Kontaktlisten überfordert. Der jüngste Beschluss der Bund-Länder-Konferenz hat es den Landkreisen und kreisfreien Städten dabei noch schwerer gemacht. Darin steht: "Die Länder stellen sicher, dass die verpflichtende Dokumentation zur Kontaktnachverfolgung auch in elektronischer Form, etwa über Apps erfolgen kann". Nur leider steht nicht drin, auf welche App sich die Länder nun einigen oder alternativ wie es gelingen soll, die Daten der verschiedenen Apps irgendwo zentral zusammenzuführen. 

Eine Tochter der Telekom arbeitet genau daran, die Software zur Anbindung aller möglichen Apps sei so gut wie fertig heißt es. Voraussetzung auch hierfür jedoch ist das Programm Sormas. Es ist in mehr als 100 Gesundheitsämtern in Deutschland noch nicht installiert und vor allem in nur wenigen der 400 Gesundheitsämter wirklich im Einsatz. Der Bürgermeister der Gemeinde Ditfurt, Matthias Hellmann, einer 1500 Seelen-Gemeinde im Harz kritisiert etwa gegenüber KOMMUNAL: "Sormas wird verweigert weil das Programm viel zu umständlich ist und den Prozess eher verlängert als unterstützt. Die Herrschaften sollten sich mal bei ihren Landratsämtern informieren." 

Damit reagiert Hellmann auf die Drohung des Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag. Er hatte am Freitag im KOMMUNAL-Interview gedroht, allen Gesundheitsämter Gelder zu streichen, wenn sie sich das Programm Sormas künftig nicht nutzen. 

Kritik an kommerziellen Warn-App Anbietern

Vor allem gegen die Luca-App, für deren Sammellizenzen das Land Mecklenburg-Vorpommern gerade 440.000 Euro auf den Tisch gelegt hat, gibt es immer mehr Bedenken. Zwar setzt sich inzwischen auch Vizekanzler Olaf Scholz offen für die Luca-App ein. Die Konkurrenz, aber auch Kommunen kritisieren, dass es bessere Lösungen gebe. Der Sänger der Fantastischen Vier, Smudo masst massiv Werbung für diese App, schafft es damit oft in die Medien. Er wirbt nicht ganz ohne Grund für die App: Die Fantastischen Vier waren vor ihrer Hiphop Karriere ein Programmierduo. Entwickelt wurde die App in Zusammenarbeit mit der stadteigenen Marketinggesellschaft in Jena, im Boot ist auch die Firma der Fantastischen Vier sowie ein Berliner StartUp. 

Doch es gibt Kritik an dieser App.  Ein wichtiger Punkt: Die Warn-App lässt sich zwar an das Sormas-System der Gesundheitsämter anbinden, ist bisher aber nicht Open Source. Auf den Quellcode kann bisher also niemand zugreifen und überprüfen, was wirklich gespeichert wird. Darauf haben die Macher nun reagiert und angekündigt, dieses bis Ende März zu ändern. Ein anderer Punkt betrifft iPhone Nutzer: Die App nutzt laut Medienberichten die Sicherheitsmechanismen von Apples iOS nicht. 

Kann die offizielle Corona Warn-App nachgerüstet werden?

Die Gesundheitsämter haben bisher jedoch am ehesten die offizielle App angebunden. Daher will das Gesundheitsministerium nun auch die offizielle Corona Warn-App nachrüsten. Man arbeite an einer Eventregistrierung, das solle zeitnah nach Ostern bereit stehen, heißt es. Gleichzeitig betonte die Sprecherin, es solle bei der anonymen Übermittlung der Daten bleiben. Real soll das wie folgt funktionieren: Die offizielle Warn-App soll QR-Codes einlesen können. Diese können Restaurantbesitzer oder Geschäftsinhaber dann erstellen und über die Warn-App einlesen lassen. Persönliche Daten sollen so weiter nicht ausgetauscht werden. 

Das Grundproblem der offiziellen Warn-App bleibt aber: Das ganze funktioniert nur, wenn anschließend ein Corona-Infizierter auch freiwillig einträgt, dass er infiziert ist. Erst dann kann die Nachverfolungskette starten. In anderen Ländern funktioniert das in den Apps automatisch, sobald die Gesundheitsämter einen Fall melden. 

Offen bleibt, wann die Funktionen der offiziellen Warn-App überhaupt verfügbar sind und ob und wann sich die Länder auf eine einheitliche App einigen. Und was am Ende schneller funktioniert: DAs Impfen oder die Einigung auf eine App...denn sind alle durchgeimpft, braucht es auch die Warn-App nicht mehr. Sämtliche Lösungen sind also nur kurzfristig wichtig und spannend. Der Markt will von den Unternehmen jetzt also möglichst schnell erschlossen werden.