Strassenbeleuchtung
Auf Knopfdruck: Simon Hansen, der Erfinder der App-Lösung, schaltet die Straßenbeleuchtung ein.
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App-Lösung

Wenn Dorfbewohner die Straßenbeleuchtung selbst einschalten

Ein Druck auf ein Lampensymbol auf dem Smartphone und schon gehen alle 32 Straßenlaternen im nordfriesischen Lütjenholm an. Mehrere Gemeinden nutzen die Technik bereits und bieten eine Straßenbeleuchtung auf Abruf an. KOMMUNAL hat mit Simon Hansen, dem Erfinder der App, gesprochen.

KOMMUNAL: Hallo Simon, deine App „Knoop“ (Plattdeutsch für „Knopf“), gibt es mittlerweile seit fast zwei Jahren. Wie kamst du zu der Idee für diese Art der Straßenbeleuchtung?

Simon Hansen: Die Idee für die Straßenbeleuchtung kam mir auf einem sogenannten Hackathon. Das ist ein Format, in dem man Dinge ausprobieren kann. Ich hatte mir Hardware bestellt und wollte eine Lampe steuern. Als ich abends im Dunkeln nachhause ging, habe ich daran gedacht und die beiden Dinge miteinander verknüpft: Warum steuern wir nicht die Straßenlaternen? Am nächsten Tag bin ich direkt zum Bürgermeister du habe das vorgeschlagen. So kam dann das eine zum anderen.

Wie konntest du den Bürgermeister von deiner Idee mit der Straßenbeleuchtung überzeugen?

Das war recht einfach. Der ist, ich sag mal, experimentierfreudig. Er hatte aber auch gleich ein paar Fragen: Was passiert, wenn hier nachts Halligalli ist und die Leute die ganze Zeit das Licht an- und ausmachen? Zusammen mit dem Gemeinderat, dem ich das Projekt nochmal vorgestellt habe, haben wir dann ein Konzept entwickelt, um einen Missbrauch der App zu verhindern. Seitdem funktioniert das auch gut, auch in anderen Gemeinden.

Was waren die Fragen des Gemeinderats?

Was kostet das? Was braucht es an Umbaumaßnahmen? Viele denken, man muss an jede Laterne ran. Das muss man bei unserer Lösung aber nicht. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Was waren bisher die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

In meiner Heimatgemeinde Löwenstedt war es recht einfach. Die Herausforderungen kamen eigentlich erst, als wir auf andere Gemeinden zugegangen sind. Jede Gemeinde ist anders. Die Infrastruktur ist anders. Die Informationslage ist anders. Die Bürger sind anders. Oft ist es auch so: Es gab mal einen Dorfelektriker und den gibt es jetzt nicht mehr. Der hat dann ganz viel Knowhow mitgenommen. Viele wissen zum Beispiel gar nicht wie viele Straßenlaternen sie haben.

Hat es die App schon geschafft, fester Bestandteil des Alltags der Bürger zu werden?

Die rund 10 Steuergeräte, die im Einsatz sind, laufen gut und die Bürger schalten fleißig. Vor ein paar Wochen war ich nach einem Jahr mal wieder in einer Gemeinde bei Lübeck. Dort habe ich mit dem Bürgermeister gesprochen. Die App wird fleißig genutzt. Besonders die Leute, die morgens früh aufstehen und zur Arbeit fahren, nutzen das.

Können auch Kosten eingespart werden?

Der Kostenfaktor ist in den Hintergrund gerückt, weil durch die LED-Beleuchtung schon genügend Stromkosten eingespart werden. Viele Bürgermeister sehen das eher als Serviceleistung für ihre Bürger, was diese auch zu schätzen wissen.

Und was kostet die Umsetzung von „Knoop“?

In der Regel ist es so, dass die Anschaffung von „Knoop“ durch eine Stunde Einsparung der Beleuchtung refinanziert wird. Die App selbst kostet die Bürger gar nichts. Die Gemeinde zahlt für den Betrieb und einmalig für das Steuerungsgerät. Wir sorgen dafür, dass die App abrufbar bleibt und dass die Infrastruktur läuft. Die Betriebskosten richten sich nach der Anzahl der Laternen im Ort.

Welche Voraussetzungen muss eine Gemeinde für die App erfüllen?

Unsere Empfehlung ist LED-Technik. Das ist keine Voraussetzung, aber sie ist bei erhöhtem Schaltaufkommen unempfindlicher. Zwar wird in der Regel nicht viel mehr geschaltet als vorher, aber bei älteren Lampen geht das schon auf die Lebensdauer. Bei LED ist das überhaupt kein Problem. Ansonsten gibt wenige Voraussetzungen. Die Kommunen können auf uns zukommen und dann machen wir einen Termin.

Gibt es Unterschiede bei der Umsetzung für kleinere und größere Kommunen?

Je kleiner die Kommune desto einfacher ist die Umsetzung, weil es weniger Bereiche gibt. Ein Bereich ist ein Ort, der mit der App bedient werden kann. Wenn ich zum Beispiel einen Ort durch vier teile, dann muss ich mir auch überlegen, wie viele Leute sich in dem jeweiligen Bereich bewegen. Macht es Sinn, die Bereiche so aufzuteilen? Wenn man kleine Gemeinden hat, dann stellen sich diese Fragen kaum. Unsere Hauptzielgruppe sind daher kleine Kommunen mit weniger als 1000 Einwohnern.

Jetzt ist es ja so, dass nicht jeder in der Gemeinde ein Smartphone hat. Habt ihr für Leute ohne Smartphone eine Alternative entwickelt?

Das wollten wir. Das war auch eine Sache die der Gemeinderat angemerkt hatte. Unsere Idee war ein analoger Knopf, Es hat sich aber letztendlich herausgestellt, dass das überhaupt kein Thema ist. In den kleinen Gemeinden funktioniert das Dorfleben in der Regel noch. Und dann fragen die Senioren, die kein Smartphone haben, zum Beispiel ihre Enkelkinder: Kannst du mal kurz „Knoop“ anmachen? Und dann geht das. Die Sorge ist oft größer als so ein Knopf tatsächlich gebraucht wird.