Die Ergebnisse der Kriminalstatistik 2016 entfachen neue Diskussionen

Kriminalstatistik 2016 - immer mehr Gewalttaten!

Di, 25.04.2017

Die Kriminalstatistik 2016 zeigt Licht und Schatten: Zwar ist Deutschland weiterhin ein sicheres Land. Doch die Gewalt stieg letztes Jahr deutlich an.

Weniger Wohnungseinbrüche und Diebstähle, dafür mehr Mord- und Gewaltdelikte – Diese Ergebnisse stammen aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2016, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern vorgestellt hat. Das Dokument umfasst 150 Seiten. Verglichen wird darin die Anzahl von Straftaten von 2015 und 2016. KOMMUNAL fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen! Es wurden 6,37 Millionen Straftaten gemeldet. Damit wurden letztes Jahr 41.877 mehr Straftaten  begangen als im Jahr zuvor. Interessant wird die Statistik vor allem, wenn man sich anschaut, wie die Zahl zustande kommt.

Kriminalstatistik 2016: Gewalt ist angestiegen!

Unter Gewalt fallen Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raubdelikte und gefährliche und schwere Körperverletzung. Insgesamt ist die Gewaltkriminalität um 6,7 Prozent gestiegen. Zugenommen haben besonders die gefährliche und schwere Körperverletzung (9,9 Prozent)!

So setzen sich die Zahlen zusammen...

Doch ein Fakt der Statistik sorgt für Diskussionen: Es gibt 52 Prozent mehr straffällig gewordene Asylbewerber. Trotzdem, so De Maizière, sollten nicht alle Flüchtlinge für die Taten einiger bestraft werden: „Wir lassen es nicht zu, dass alle bei uns lebenden Flüchtlinge pauschal unter Verdacht gestellt werden“, sagte er. Ähnlich sieht das auch der Kriminologe Christian Pfeifer, der in einem Interview im WDR zu einer Differenzierung aufruft. Man müsse zwischen Kriegs-und Wirtschaftsflüchtlingen entscheiden, so Pfeiffer. Die Nordafrikaner, die häufig als Wirtschaftsflüchtlinge eingestuft werden, kämen nach einer gefährlichen und anstrengenden Flucht nach Deutschland. Hier angekommen, landen sie schnell auf dem Boden der Tatsachen. Sie merken: hier sind wir unerwünscht. Für sie ist kein Platz. Sie müssen Deutschland wieder verlassen. Darauf folgt Frust, der sich in Gewalttaten manifestiert, so der Kriminologe. In Niedersachsen seien die Nordafrikaner für 31 Prozent aller Raubdelikte verantwortlich, obwohl sie nur 1,5 Prozent der Flüchtlinge ausmachen. Sie sind um das zwanzigfache überrepräsentiert. Denn die Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Irak oder Afghanistan machen zwar 60 Prozent der Flüchtlinge aus, sind aber nur für 14 Prozent aller Raubdelikte verantwortlich. Weil sie hier bleiben dürfen, wollen sie sich nichts zu Schulden kommen lassen kommen, erklärt Pfeiffer.

Es sind junge Männer, die straffällig werden

"Die Kriminalitätsbelastung der 18-21-jährigen Männer ist auch unter Deutschen vier Mal so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung. Da die meisten Zuwanderer junge Männer sind, überrascht es kriminologisch nicht, dass deren Kriminalität vergleichsweise hoch ist", erklärte De Maizière. Aber Kriminologe Pfeiffer geht weiter: Die Sichtbarkeit von Gewalt hat sich erhöht. Sie wird mehr als doppelt so häufig angezeigt, wenn ein Flüchtling Gewalt gegen einen Deutschen anwendet als anders herum. Die Begründung liegt in der Kultur, wenn man Pfeiffer glaubt.

  • Wenn Deutsche untereinander Gewalt anwenden, also Max gegen Moritz werden nur 13 Prozent aller Vorfälle angezeigt.
  • Wenn Mehmed gewaltvoll gegen Mustafa vorgeht, geht man selten zur Polizei.
  • Aber wenn Mehmed Igor etwas antut, heißt es: das lasse ich mir nicht gefallen.
  • Geht Max gewaltvoll gegen Mehmed vor, gehen nur 27 Prozent zur Polizei.

Und warum? Die Ausländer, erklärt Pfeiffer im Interview, haben Angst davor, von der Polizei nicht ernst genommen zu werden. Sie fürchten, dass die Deutschen Recht vom Staat bekommen. Das ergaben Jugendumfragen. Trotzdem und das betont Pfeiffer, haben die Anzeigen ihre Gründe. Und das dürfe man nicht anzweifeln. Aber, fügt er hinzu: Die Deutschen sind nicht ganz so brav, wie die Statistiken vermuten lassen.

Erfreulichere Zahlen der Kriminalstatistik 2016

Auch wenn die Zahlen erst einmal erdrücken, gibt die Kriminalstatistik 2016 auch Grund zur Freude: Die Diebstahldelikte, die fast 40 Prozent aller Straftaten ausmachen, sind von 4,4 Prozent auf 2,37 Prozent gesunken. 2016 gab es weniger Ladendiebstähle und Taschendiebstähle. Auch die Betrugsfälle sanken um 7 Prozent. Besonders der Überweisungsbetrug ( -24 Prozent!) Der Tankbetrug ging um 10 Prozent zurück. Während die Gewaltdelikte von Linksextremen um 2,2 Prozent gesunken ist, ist die Gewalt von Rechtsextremen um 2,6 Prozent gestiegen.

Der DStGB kommentiert die Kriminalstatistik 2016 mit gemischten Gefühlen:

Erfreulich ist, dass die Einbruchskriminalität zurückgegangen ist. Große Sorge bereitet uns aber die scheinbare Verrohung der Gesellschaft. Gewalttaten wie Tötungsdelikte, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, gefährliche und schwere Körperverletzung haben zugenommen, politisch motivierte Straftaten haben einen neuen Höchststand erreicht. Betroffen von der Hasskriminalität sind auch zunehmend Mandatsträger. Dies kann ein demokratischer Staat nicht dulden. Insgesamt zeigt die Statistik, dass die eingeleitete Verstärkung der Polizei notwendig ist und fortgesetzt werden muss. Aber auch die Justiz muss ausreichend ausgestattet werden. Laut Statistik gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: Am sichersten lebt man in Bayern. Am anderen Ende finden sich die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Die Flächenländer mit der höchsten Kriminalitätsbelastung sind Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

Kriminalstatistik 2016: der Süden ist sicherer als der Norden.

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