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Wenn wir nichts gegen den Lehrermangel tun, werden die Klassenzimmer bald leer bleiben wie dieses.
Lässt der Lehrermangel die Klassenzimmer bald leer zurück?
© Serhii Fedoruk/shutterstock

Lehrermangel: Zu Schulbeginn fehlen 35.000 Lehrer

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
14. August 2018
Immer mehr Schüler, immer weniger Lehrer. Die Sommerferien neigen sich auch in den letzten Bundesländern dem Ende zu und der Lehrerverband schlägt Alarm - es fehlen aktuell 35.000 Lehrkräfte in Deutschland.

Pünktlich zum Schulbeginn in den meisten Bundesländern kommt die beunruhigende Nachricht: Derzeit fehlen laut Deutschem Lehrerverband rund 35.000 Lehrkräfte an deutschen Schulen. Besonders betroffen vom Lehrermangel sind Grund-, Förder- und Berufsschulen. Rechne man nur mit den derzeit unbesetzten Stellen, komme man auf etwa 10.000 fehlende Lehrer. Rechne man die Stellen ein, die derzeit von Quereinsteigern, Studenten und Pensionären besetzt sind und die darüber hinaus fehlende Unterrichtsreserve komme man dagegen auf über 35.000 fehlende Lehrkräfte.

Lehrermangel drückt bereits die Qualität der Bildung

Der Deutsche Lehrerverband kritisiert auch die mit dem Lehrermangel einhergehenden Qualitätsmängel. Verstöße gegen Qualitätsstandards bei der Lehrerausbildung, -einstellung und im Unterricht seien aufgrund der verzweifelten Suche nach Lehrpersonal zum Alltag geworden. Dieses Szenario werde sich noch verschärfen, warnt der Lehrerverband. Eine Bertelsmann-Studie aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt, dass es 2030 11,2 Millionen Schüler an deutschen Schulen geben wird. Das sind 278.000 Schüler mehr als heute. Besonders viele Lehrer fehlen in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen. Berlin ist mit 1.250 offenen Stellen der Spitzenreiter. In Thüringen hat die Landesregierung kürzlich sogar in der DDR ausgebildete Erzieherinnen angefragt, um vakante Stellen in den Grundschulen zu besetzen. Thüringens Bildungsminister und der aktuelle Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter, möchte dagegen das Studium reformieren. Die meisten Studenten entscheiden sich nämlich zu einem Studium für Gymnasiallehrer. Holter schlägt vor nicht mehr nach Schulformen, sondern nach Altersstufen einzuteilen. Dann gäbe es Lehramtsstudiengänge für Grund-, Mittel- und Oberstufe.

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Das Hauptproblem besteht jedoch darin, dass derzeit die Kapazitäten an den Universitäten fehlen, um die nötige Menge an Lehrern auszubilden. Mit ihrer Studie zur Entwicklung der Schülerzahlen sorgte die Bertelsmann Stiftung im letzten Jahr für großes Aufsehen. Sie widerspricht den Hochrechnungen der Kultusministerkonferenz deutlich, wenn es um die Schülerzahlenentwicklung geht. Der niedrigen Prognose ist es auch geschuldet, dass über Jahre bis heute zu wenig Lehrer ausgebildet wurden. Auch bei einer schnellen Reaktion auf die neuen Zahlen, wird sich eine Lösung des Problems einige Jahre hinziehen. Die Anwärter müssen erst geworben, die Ausbildungs- und Studienplätze geschaffen und besetzt werden.

Die Schülerzahlenentwicklung wird den Lehrermangel verschärfen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund verlangt seit Veröffentlichung der Studie einen Aktionsplan vom Bund und der Kultusministerkonferenz. Schulen brauchten mehr Finanzmittel, gut ausgebildete Lehrer, Schulsozialarbeiter und -psychologen. Der Bund müsse die Schulen dabei direkt finanziell unterstützen, um die Chancengleichheit der Schüler aller Bundesländer sicherzustellen. Das Prinzip des Föderalismus sieht der DStGB davon nicht unterwandert.

Bildung ist die entscheidende Zukunftsfrage für unsere Gesellschaft. Nur mit einem guten Bildungssystem wird Deutschland die zentralen Herausforderungen des demografischen Wandels, der Integration von Zuwanderern und der Zukunftssicherung unseres Sozialstaats meistern können.

DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg
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