Die Müllgebühren in Deutschland sind extrem unterschiedlich
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Die Müllgebühren in Deutschland sind extrem unterschiedlich

Müllgebühren-Ranking zeigt drastische Unterschiede

Es ist natürlich nicht nur der Preis, der zählt. Bei der Müllabfuhr gibt es auch erhebliche Qualitätsunterschiede. Von kostenloser Biotonne bis zu individuellem Sperrmülltermin - Deutschlands Landkreise und Kommunen handhaben das sehr unterschiedlich. Wenn aber die Qualität schlecht und der Preis doch besonders hoch sind, stellen sich doch einige Fragen. Das große Müllgebühren-Ranking!

Vorweg: Auch beim Thema Müllgebühren gilt natürlich das Gleiche, wie immer: Wir halten hier bei KOMMUNAL die kommunale Selbstverwaltung bekanntlich sehr hoch. Und so ist es grundsätzlich aus kommunaler Sicht völlig in Ordnung, wenn die Qualität und die Kostenstruktur bei den Müllgebühren sehr unterschiedlich ist. Allerdings kann so manche Kommune, die im Ranking weit unten steht, eben auch noch etwas lernen. Es geht ja nicht um Wettbewerb um die niedrigsten Müllgebühren sondern um ein Lernen voneinander, was Kommune A von Kommune B lernen kann. Sprich: Jeder muss vor seiner eigenen Haustür kehren, aber mal schauen, wie der Nachbar es so hält, schadet definitiv nie! 

Gerade mit Blick auf die Nebenkosten des Wohnens nehmen die Müllgebühren ohnehin eine immer wichtigere Rolle ein. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat nun eine aufwändige Musterrechnung erstellt, um die Müllgebühren miteinander vergleichen zu können. Wir sprechen über einen Haushalt mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern. Er produziert alle vier Müllsorten - also Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier. Um auch die verschiedenen Formen des Abtransports zu berücksichtigen und somit einen Servicegrad, hat das Institut diese Werte in Form eines Indexes (z.b. mehr Punkte bei wöchentlicher Abholung, bei flexibler Bezahlung nach Tonne oder Gewicht etc.) ausgewertet. 

 

So sieht das Ergebnis beim Ranking der Müllgebühren aus 

 

Leider hat das Institut nicht alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte untersucht, sondern "nur" die 100 größten deutschen Städte. Dennoch gibt es viele Auffälligkeiten. Sieger im Test ist die Stadt Nürnberg. Und zwar in allen Kriterien. Die Bewohner haben hier die freie Wahl bei der Größe der Müllbehälter und können sie dem tatsächlichen Verbrauch anpassen. Das Gebührensystem ist ebenfalls sehr einfach gestaltet. Pro Liter wird eine wöchentliche Gebühr fällig, der Kunde hat die Wahl zwischen einem Vollservice und einem kostengünstigeren Teilservice (seltenere Abholung). Das Ergebnis: In der Musterrechnung zahlt die vierköpfige Familie dafür 130,20 Euro. Die hohe Punktzahl bekommt Nürnberg übrigens wegen der Serviceangebote. Denn es geht auch noch etwas günstiger. Mit 123 Euro liegen die Müllgebühren für die Musterfamilie in Flensburg etwas niedriger. Hier kritisiert das Institut aber den insgesamt etwas schlechteren Service im Vergleich zu Nürnberg. Kurzum: Der Preis stimmt, dafür gibt es aber auch weniger Qualität. An dritter Stelle des Rankings steht übrigens Magdeburg. 

 

Und das sind die Verlierer im Ranking der Müllgebühren 

 

Weniger Freude an den Müllgebühren und am Service haben die Menschen in Leverkusen. Hier kritisiert die Studie ein unflexibles Gebührensystem, eine intransparente Berechnung und nicht zuletzt trotzdem extrem hohe Kosten. Die gleiche Musterfamilie zahlt hier mehr als 562 Euro für den gleichen Service. Beim Preis ist es vor allem die Grundgebühr, die pro im Haushalt lebende Person festgelegt wird. Nämlich rund 87 Euro. Das macht insofern wenig Sinn, zumal die Grundgebühr eigentlich dafür gedacht ist, die generellen Kosten der Abholung (also etwa Anfahrt, auch wenn keine Mülltonne an der Straße steht) zu bezahlen. Diese Gebühr macht nach Haushalt oder Tonne deutlich mehr Sinn, denn die Grundkosten steigen nicht, weil in dem Haushalt mehr Personen leben. Eher die Menge an Abfall, die aber nicht im Grundpreis verrechnet wird.

Ein Fehler, den jedoch auch viele Landkreise weiter machen. Es gibt aber auch (in der Studie nicht untersuchte Landkreise), die eine einmalige Grundgebühr pro Haushalt erheben und dann einen Chip in der Restmülltonne eingebaut haben. Jede Abholung kostet dann entsprechend Geld. In der Untersuchung haben das nur wenige der 100 Großstädte bisher umgesetzt. Hier sind einige ländliche Regionen deutlich weiter. KOMMUNAL hatte bereits über verschiedene Modelle berichtet. 

 

Nun fällt Leverkusen im Ranking mit weitem Abstand auf den letzten Platz. Viel Kritik übten die Forscher aber auch an den Städten Bergisch-Gladbach und Moers, die die Plätze 98 und 99 von 100 belegen. Auffällig ist somit, dass die Müllgebühren vor allem in Städten in Nordrhein-Westfalen besonders häufig besonders hoch sind. Leidiglich Bonn und Essen haben es im Ranking in die Top 10 (Plätze 8 und 9) geschafft. Unter den schlechtesten 10 Plätzen hingegen befinden sich 6 Städte aus NRW. 

 

 

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