Der Shooting-Star der europäischen Politik: Emmanuel Macron

Macron: Das Geheimnis moderner Wahlkampfführung

Es war der härteste Wahlkampf Europas und das Ergebnis war eine Sensation. In Frankreich ist das klassische Parteiensystem komplett zusammengebrochen, Newcomer Emmanuel Macron ist neuer Präsident. Nun hat er auch die erste Runde der Parlamentswahlen klar gewonnen. Auf den Spuren des Erfolgsgeheimnisses des Shooting-Stars geht KOMMUNAL-Chefredakteur Christian Erhardt der Frage nach, was deutsche Politiker von Macron lernen können.

Vorab: In traditionell linken Frankreich konnte nur deshalb ein Sozialliberaler Präsident werden, weil alle Demokraten gemeinsam die Rechtspopulistin Marine Le Pen verhindern wollten. Auch der komplette Zusammenbruch des traditionellen Parteiensystems in Frankreich wäre so in Deutschland im Moment nicht denkbar. In Frankreich erscheinen die Parteien wie Erbhöfe. Le Pen gehört – in Deutschland kaum vorstellbar – zu den „jüngsten“ Politikern im Lande. Im Parlament sitzen fast ausschließlich Berufspolitiker, die seit den 80er Jahren durchgehend gewählt wurden. Zentralistisch aufgestellt in Paris mit minimaler Anbindung zur Bevölkerung in ihren Wahlkreisen hunderte Kiometer entfernt.

250.000 Mitglieder in einem Jahr - davon träumen deutsche Parteien!

Die eigentliche Sensation ist aus meiner Sicht daher, dass es Macrons Bewegung „En Marche“ gelungen ist, innerhalb von nur einem Jahr 250.000 Mitglieder zu generieren. Das sind mehr Unterstützer, als in Deutschland Grüne, Linkspartei und FDP zusammen an Mitgliedern haben. Auf der Suche nach dem Geheimnis von „En Marche“ bin ich in Paris als erstes im Büro der Konrad Adenauer Stiftung fündig geworden. Der dortige Büroleiter der CDU-nahen Stiftung ist selbst „Unterstützer“ von „En Marche“ und erklärt mir, dass man das Wort „Mitglied“ bei der Bewegung nun wirklich nur in Anführungsstrichen setzen darf. Denn feste Parteistatuten gab es vor der Wahl nicht, werden erst jetzt nach der Wahl eingeführt. Als „Mitglied“ wird bisher geführt, wer sich in einer Unterstützerliste einträgt. Das läuft teils über das Internet gemeinsam mit dem Abonnieren des Newsletters der Bewegung. In Deutschland erinnert mich das sehr an die Forderung einiger Jugendorganisationen. Sie erklären immer wieder, dass gerade junge Menschen sich nicht mehr so fest an eine Partei und ihre Regeln „ketten“ wollen, sondern projektbezogen mitarbeiten wollen. Die CSU in Bayern ist hier für deutsche Verhältnisse Vorreiter, hier gibt es eine „Mitgliedschaft auf Probe“, auch eine Online-Mitgliedschaft ist möglich – das alles beitragsfrei für zwei Jahre. So will sie die  Schwelle für eine Mitgliedschaft senken.

Moderner Wahlkampf per Internet und Social Media

Apropos Internet – wer den Wahlkampf von Emmanuel Macron verfolgt hat, wird über seine Homepage verwundert gewesen sein. Von klassischer Parteipolitik hier keine Spur. Sein Auftritt auch im Netz wirkt eher wie das eines Start Up Unternehmens. Seine Forderungen, sein Auftreten – ein klassischer Jungunternehmer mit vielen Visionen – so kommt er rüber. Politisch links oder rechts – für ihn an keiner Stelle ein Thema. Genau damit dürfte er die politische Mitte – ob eher sozial oder eher konservativ geprägt – erreicht haben. Seine Gegner: Ein Sozialdemokrat mit Forderungen, die in Deutschland eher von der Linkspartei erwartet werden und ein Konservativer, der Horst Seehofer mehr als nur Konkurrenz gemacht hätte. Nur so konnte Macron in den Menschen etwas wachkitzeln, die Stimme der „Mitte der Gesellschaft“ erreichen.

Macron: Ein Mann, der was zu sagen hat!

Dazu, und das berichten mir alle Beobachter der Stiftungen vor Ort in Paris, mit denen ich gesprochen habe: Ein junger, hübscher Kandidat mit einer spannenden Lebensgeschichte, der vor allem eben nicht Berufspolitiker ist, der in seinem Leben außerhalb der Politik schon einiges geleistet hat, der als Unternehmer auch das Scheitern kennt, der souverän auftritt und vor allem: Der ein positives Bild der Zukunft malt, den Pessimismus beiseite lässt und auf die Chancen statt auf die Risiken verweist.

Christian Erhardt auf den Spuren des Erfolgsgeheimnisses von Emmanuel Macron

Nicht zu unterschätzen neben ihm eine Frau, die deutlich älter ist, der man zutraut, dass Sie ihm auch die Meinung sagt, ihn erdet. Gerade in Frankreich nach der Ära Sarkozy mit seinen jungen Frauen und Hollande, dessen sehr viel jüngere Frau in der Öffentlichkeit eigentlich kaum gesehen wurde.

Macron und Bundeskanzlerin Merkel im harmonischen Gespräch

Und dann war da noch das Geheimnis des Erfolgs. En Marche begann als sehr kleine Bewegung. Je mehr Erfolg Macron in der Öffentlichkeit hatte, je mehr positiv berichtet wurde, desto schneller wuchs die Zahl seiner Unterstützer. Erfolg macht offenbar sexy. Was ihm zugegeben leicht fiel, hatte er doch keine Partei mit verkrusteten Strukturen im Nacken, keine Altlasten in der Politik, nichts, was ihn politisch ernsthaft hätte zur Last gelegt werden können. „Diesem Menschen traue ich zu, nicht nur von der Digitalisierung zu reden, sondern ein Smartphone auch bedienen zu können“, hat ein Passant in einer Umfrage des französischen Fernsehens einmal gesagt. Whats App, Instagram, Snapchat, all diese Kanäle hat Macron erfolgreich bedient, das Bild von der jungen „Start Up Partei“ geradezu zelebriert.

Von Macron lernen heißt siegen lernen!

Ich bin mir sicher: Gerade vor Ort, da wo wir als Kommunalpolitiker vor Ort greifbar, erfahrbar sind, kann diese „nahbare“ Politik auch gelingen. Wenn wir den Menschen die Chancen aufzeigen, statt der Risiken. Wenn wir statt Streit und Pessimismus mehr die positiven Effekte, die Gemeinsamkeiten und den gemeinsamen Willen zum Gestalten vor Ort in den Vordergrund rücken.

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