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Nachwuchsmangel in der Verwaltung
Nachwuchsmangel in der Verwaltung

Nachwuchsmangel

Droht der Ausverkauf im Rathaus?

von Christian Erhardt-Maciejewski
Geschäftsführer, Chefredakteur | KOMMUNAL
9. April 2019
Es ist vor allem die mittlere Führungsebene, die bald fehlen wird. Also genau die Menschen in den Rathäusern, die für die Umsetzung von Zukunftsinitiativen von besonderer Bedeutung sind. Somit droht die Öffentliche Hand, handlungsunfähig zu werden. Aber das muss nicht sein! Wir haben Mutmacherbeispiele und praktische Tipps, was Sie vor Ort tun können!

Gute Chancen für den Nachwuchs! Schlechte Chancen für die Kommunen? In der Tat waren es viele Kommunalverwaltungen über Jahrzehnte nicht gewohnt, um den Nachwuchs wirklich buhlen zu müssen. Im Gegenteil: Es wurden immer wieder Stellen abgebaut, das rächt sich heute. Dabei haben Kommunen jede Menge Vorzüge, wie Andreas Hemsing, Bundesvorsitzender der "Komba" Fachgewerkschaft für Beschäftigte in den Kommunen sagt.  Der 55-jährige sieht neben der großen Arbeitsplatzsicherheit viele Vorteile eines städtischen Arbeitsplatzes, mit denen die Kommunen als Arbeitgeber punkten könnten: etwa hohe Arbeitszeitflexibilität, Homeoffice und Lebensphasenmodelle. „In Zeiten, in denen vielen jungen Menschen die sogenannte Work-Life-Balance wichtiger wird, ist Freizeit eine ganz eigene Währung. Denn die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ist bei der Stadt aufgrund rechtlicher Möglichkeiten prinzipiell gegeben. Dann kommen auch noch Punkte wie eine Betriebsrente dazu. "Nicht selten bis zu 1000 Euro im Monat", so Hemsing. 

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Und was denkt der Nachwuchs über das Rathaus vor Ort? 

Wer in Deutschlands Kommunen auf die Suche geht, der findet außerhalb der Rathäuser zwar viele Vorurteile. Die jungen Menschen, die schon drin sind, können das aber so gar nicht bestätigen. 

Für unseren Deutschland-Report in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins haben wir sechs junge Menschen in verschiedenen Orten befragt. So auch Lea Dinstühler. Sie hat sich die Arbeit in ihrer Stadt - sie arbeitet in Wuppertal -  jedenfalls früher sehr viel langweiliger vorgestellt. Ein Vorurteil, das – wie sie selbst sagt – in ihrer Generation weit verbreitet ist. „Beamtenmikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren“ ist so ein Bild, das selbst in den Köpfen der jungen Generation noch gespeichert ist. Die junge Frau lacht: „Selbst mein Opa – ein gelernter Schreiner – tut sich schwer damit, für meinen Job das Wort Arbeit zu benutzen.“

Das mit dem Image weiß auch die Stadt selbst. Sie hat daher unter dem Stichwort "Wuppertaler" junge Auszubildende zusammengetrommelt und sie gebeten, einen Flyer und eine Internetpräsenz für die Personalwerbung zu gestalten.

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Was Kommunen alles gegen den Nachwuchsmangel tun 

Die Kampagne in Wuppertal ist kein Einzelfall. Die vermutlich bekannteste Werbekampagne hat die Stadt Bonn in den vergangenen Monaten auf die Beine gestellt. Im KOMMUNAL-Deutschlandreport haben wir mit den Machern gesprochen. Denn Pate für die Plakataktion standen reale Mitarbeiter, keine professionellen Models. Das wirkt besonders authentisch. Andreas Leinhaas, Amtsleiter des Personal- und Organisationsamtes und Verantwortlicher der Kampagne, erklärt: „Natürlich haben wir auch schon früher versucht, deutlich zu machen: Hier bei der Stadt arbeiten nicht nur Menschen mit Ärmelschonern und Hosenträgern. Fakt aber ist, dass Sie mit einer schwarz-weißen Anzeige in den Tageszeitungen im digitalen Zeitalter niemanden mehr begeistern können. Wir müssen die jungen Leute schon da abholen, wo sie stehen: im Netz.

Was Andreas Leinhaas auch an Gegenwind zu der Kampagne erlebt hat, erzählt er ebenfalls ausführlich in unserer aktuellen Ausgabe. 

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Werbung allein wird den Nachwuchsmangel nicht beseitigen 

Innovative Werbekonzepte sind das Eine, innovative Strukturen innerhalb der Kommune das Andere. So zufrieden Lea Dinstühler mit ihrem Job ist, ein bisschen mehr Wille zur Veränderung wünscht sie sich bei der Stadt schon. „Manche Kollegen sehen zunächst nur, dass neue Prozesse in der ersten Phase der Implementierung tatsächlich aufwändiger sein können. Aber wenn sie dann einmal laufen, dann sind sie eben doch schneller. Und deshalb wünsche ich mir ein bisschen mehr Gestaltungskraft, Durchhaltewillen und Mut, Abläufe neu zu betrachten und neu zu organisieren.“ 

Und auch - und vielleicht vor allem - kleine Kommunen haben Probleme mit dem Nachwuchs. Daher sind sie besonders darauf angewiesen, auch Menschen wie Brigitta Bertram für die Arbeit in der Kommune zu gewinnen. Die 27-Jährige stammt aus Sundern-Endorf, einem kleinen Örtchen im Hochsauerland. Nach Fach-Abi, Berufskolleg und einer Lehre zur Groß- und Außenhandelskauffrau stellte die junge Frau fest: Das ist es nicht. Jetzt arbeitet sie in einer städtischen Kita als Erzieherin. „Ich denke, ich habe Glück gehabt. Die Stadt ist hier auf dem Land zwar ein großer Träger, aber die Atmosphäre in der Kita ist sehr herzlich und sehr familiär. Das Gehalt ist nicht überragend, aber OK. Außerdem ist mein Job sicher. Wichtige Faktoren, aber für mich nicht ausschlaggebend. Für mich gilt: Große, unübersichtliche Strukturen sind nicht mein Ding. Ich bin sehr heimatverbunden, liebe die Natur und umgebe mich gerne mit Menschen, die ich schon immer gekannt habe. Und da ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, genau der richtige Arbeitgeber.“

Für den KOMMUNAL-Deutschlandreport waren wir auch in weiteren Städten - so erzählt uns etwa Daniela Steiner, wie sie statt Lehrerin zu werden, doch den Weg in die Kommunalverwaltung angetreten hat und was sie dabei erlebt hat.

Für alle Bezieher des KOMMUNAL-Newsletters KOMMUNE.HEUTE haben wir übrigens in dieser Woche ein besonderes Schmankerl: Als Abonnent von KOMMUNE.HEUTE können Sie an diesem Donnerstag die Reportage, die sonst exklusiv mit allen Materialien und Hintergründen im Printmagazin zu finden ist, vorab online lesen. KOMMUNE.HEUTE erscheint jeden Donnerstag und ist kostenfrei. HIER KÖNNEN SIE SICH HEUTE NOCH ANMELDEN UND LESEN DIE REPORTAGE AM DONNERSTAG, 11.April, exklusiv vorab. 

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