Podcast Innovative Verwaltung
Die Verwaltung ist im letzten Jahr gehörigen Veränderungen unterworfen und es kamen Innovationen.

Podcast-Serie

Verwaltung: Muss nach Corona eigentlich alles digitalisiert werden?

Analog und digital dürfen sich in der Verwaltung nicht ausschließen. Sie gehören spätestens in der Zeit nach Corona zusammen. Das ist nur ein Ergebnis einer Digitalkonferenz mit mehr als 100 Verwaltungsmitarbeitern und weiteren Experten, durchgeführt von der Universität Potsdam. Wir fassen die Ergebnisse aus sechs Workshops der Konferenz zusammen und bieten Ihnen die Abschlussdebatte zum Nachhören an.

Corona hat uns Innovationen beschert, die lange als unmöglich galten. Die Universität Potsdam hat mit mehr als 100 Verwaltungsmitarbeitern und Experten eine eintägige Digitalkonferenz veranstaltet. Ziel: Herausfinden, was uns die Krise gebracht hat, welche Veränderungen, welche Herausforderungen es gab und was wir langfristig daraus lernen können. Moderiert wurde der Tag mit sechs verschiedenen Workshops von KOMMUNAL-Chefredakteur Christian Erhardt. Im Podcast liefern wir Ihnen eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Workshops und die Abschlussdiskussion. Eine spannende Debatte über Datenschutz, Organisationskultur und die Attraktivität der Verwaltung als Arbeitgeber. 

Finanzen, Führung, Innovation – wie die Verwaltung der Zukunft aussieht

Eingeleitet wurde die Podiumsdiskussion von Moderator Christian Erhardt mit der Grundsatzfrage: Muss eigentlich alles digitalisiert werden in der Verwaltung? Sind auch digitale Weihnachtskarten und Kaffeepausen die Zukunft?  

Die Verwaltung befindet sich da gerade im Zwiespalt, meint die Teilnehmerin der Podiumsdiskussion Caroline Fischer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Potsdam.  Digitales Arbeiten ist in der Corona-Krise in der Verwaltung zwar nötig, informelle Treffen bleiben ihrer Meinung nach aber wichtig. „Auch sie gehören zur Arbeit und fördern das Team. Nach der Pandemie müssen wir also darüber nachdenken, was wirklich sinnvoll ist und was nicht“. Eins ist aus ihrer Sicht klar: Analog und digital dürfen sich nicht gegenseitig ausschließen.  

Großen Raum in der Diskussion nahm die finanzielle Ausstattung der Kommunen ein. „Die Forschung beweist, dass die Digitalisierung nicht an einem Ressourcenmangel scheitert sondern an fehlenden Kenntnissen und fehlendem Wollen“, so Caroline Fischer.  

Und auch der Datenschutz war nicht nur in den Workshops sondern auch in der Abschlussdiskussion großes Thema. „Der Datenschutz war in den letzten Jahren ein häufig genannter Grund, digitale Konzepte abzulehnen. Bestes Beispiel: Der Einsatz von Zoom oder anderen Videokonferenz-Tools in Schulen“, so Ann Cathrin Riedel, Vorsitzende des Vereins für liberale Netzpolitik. Sie nahm in der Diskussion die Perspektive der Politik ein. Wie sich das Denken über die Digitalisierung in der Krise in der Verwaltung so schnell ändern konnte, dazu hat sie eine klare Position: „Es bestand vorher kein Bedarf, also gab es auch keine Konzepte. Es wurde einfach versäumt“.  

Dass sich das bisher nur teilweise geändert hat, liegt wohl auch an der Verwaltung selbst, fügte Robert Kiesel hinzu. Der Journalist vom Tagesspiegel nahm in der Diskussion die Perspektive der Bürger ein. „Die Politik stößt an ihre Grenzen und in der Verwaltung bestehen Widerstände – eine regelrechte Wagenburgmentalität“, beobachtet Kiesel.  

Wie der Verwaltungs- Mitarbeiter der Zukunft aussieht

„Wir brauchen eine Verwaltung, die auch Impulse von außen aufnimmt“, meint Ann Christin Riedel. Dazu braucht es aus ihrer Sicht auch mehr Weiterbildung, flexibles Arbeiten und eine ausgeglichene Work-Life-Balance. „Das Problem liegt im starren Laufbahnsystem“, sieht auch Caroline Fischer. Das sei nicht konkurrenzfähig mit der Privatwirtschaft. „Lange Flure und Dienst nach Vorschrift“, das sei weiter das Bild vieler junger Menschen über die Verwaltung, sagt auch Robert Kiesel.  

Als „Start Up“ lässt sich aber eine Verwaltung auch nicht führen, sind sich alle Teilnehmer sicher. Moderator Christian Erhardt verweist darauf, dass eine zu weit getriebene Startup-Mentalität potentielle Mitarbeiter eher abschreckt. „Es treibt schließlich viele Menschen an, in der Verwaltung zu arbeiten, um Sicherheit und eine klare Linie zu haben“, so Erhardt. Die Grenzen sollten jedoch aufgeweicht werden, so der Tenor der Runde. „Die Verwaltung mit mit der Zeit Schritt halten, nicht Pionier oder Tonangeber sein, aber im zeitgemäßen Tempo voranschreiten“ fasst Robert Kiesel zusammen.  

Podcast für die Verwaltung – das erwartet Sie!

Vor der Podiumsdiskussion fasst Christian Erhardt im Podcast die Ergebnisse der sechs Workshops noch einmal in Stichpunkten zusammen. In knapp 10 Minuten bekommen Sie dort einen Überblick über wichtigsten Diskussionspunkte des Tages. Die sich anschließende knapp 60 Minütige Podiumsdiskussion stellen wir Ihnen im Podcast ungeschnitten 1:1 zur Verfügung, damit Sie die Argumente noch einmal ausführlich nachvollziehen können.