Smart City - wie sieht unsere Zukunft aus?

Smart City - was hält uns auf?

Mi, 08.02.2017

E-Akte, rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten und mehr Transparenz. Smart Cities sind "das" Zukunftsmodell überhaupt. Aber bevor die Städte smarter werden, müssen wir zunächst andere Aufgaben lösen. Ein Kommentar von Alexander Dörner.

Alexander Dörner ist Head of E-Government bei der Ceyoniq Technology GmbH. Er ist Co-Autor der DIN 31647 und Initiator des verbindlichen Handlungsleitfadens zur Vereinfachung des ersetzenden Scannens in Kommunen.

Überall auf der Welt wird am Konzept der intelligenten Stadt, der Smart City getüftelt, um das Leben der Bewohner bequemer, sicherer und energieeffizienter zu gestalten. Für Smart Cities sind verlässliche Daten unabdingbar. Dabei umfasst der Begriff Smart City vieles und soll Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, umweltbewusster und sozialer gestalten. Durch technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen, bis hin zu einer hochentwickelten Form, die ein „Internet of Things and Services“ sein kann, sollen Bewohner, Geräte und die technische Infrastruktur einer Stadt miteinander verschmelzen. Bis es so weit ist, sind noch Hürden zu überwinden. Dabei ist die Technik längst verfügbar. Vielmehr sind es psychologische Ressentiments, das Festhalten an Altbewährtem und die fehlende Rechtssicherheit von elektronischen Prozessen, die eine zügige Digitalisierung verzögern. Fachleute sprechen vom ausstehenden Normenscreening, wenn sie darauf verweisen, dass die aktuelle Gesetzgebung dem technologischen Fortschritt noch nicht folgt. Das Recht läuft der Technik noch ein Stück weit hinterher.

Wo stehen wir heute?

Bevor die Stadt smart wird, muss die Verwaltung zunächst agiler und bürgerfreundlicher werden: Dienste müssen her, die der modernen und aufgeweckten Gesellschaft entgegenkommen: Öffnungs- und lange Antwortzeiten sollten endlich ein Relikt der alten Welt sein. Hier wäre zunächst ein Bürgerportal von großem Nutzen, an dem sich die Bürger mit all ihren Belangen sicher anmelden und eine Vielzahl von Verwaltungsdiensten rund und die Uhr nutzen können. Am besten zentral und als Startpunkt für alle eDienste der Republik, unabhängig von der eigenen Zuordnung und dem Standort. Dabei arbeiten im Hintergrund Lösungen, die für die nötige Sicherheit, den Datenschutz sowie die Integrität und Authentizität der Daten sorgen. Auf lange Sicht sind Enterprise-Information-Management-Systeme (EIM) die führenden Anwendungen, die alle Lebenslagen eines Bürgers abdecken und ähnlich einer Personalakte alle nötigen Informationen in digitaler Form rechtssicher und stets verfügbar vorhalten. Deshalb spricht man hier auch von der E-Akte.

E-Goverment: Wieso hinken wir so hinterher?

So sieht die Realität wirklich aus

Damit sind wir in der Realität der Verwaltungsmodernisierung angekommen. Die elektronische Aktenführung ist das treibende Thema im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sowie Dreh- und Angelpunkt der bundesweiten Digitalisierungsbemühungen. Rechtliche Rahmenbedingungen (das E-Government-Gesetz, die europäische eIDAS-Verordnung und Technische Richtlinien – wie die TR-RESISCAN und TR-ESOR des BSI) sorgen inzwischen für hohe Rechtssicherheit und Verbindlichkeit im Umgang bzw. der Erzeugung, Verarbeitung und Speicherung von rein elektronischen Dokumenten und digitalisierten Belegen. Somit ist der Grundstein für einheitliche oder zumindest hoch standardisierte E-Akte-Basisdienste gelegt, die eine umfangreiche Interoperabilität zu bestehenden Systemen über Landes- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg gewährleisten sollen. Immer einhergehend mit dem Prinzip auch die Transportwege der Daten integer und geschützt vor äußeren Einblicken zu gestalten. De-Mail und vergleichbaren eIDAS-Vertrauensdienste schenkt man heute zwar noch wenig Beachtung. In ein paar Jahren aber werden sie aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und mit den heute noch weitgehend ungenutzten eID-Funktionen des neuen Personalausweises die Smart Cities beflügeln. Unvorstellbar?

Smart City - gescheitert?

Nicht zum ersten Mal wurden die deutschen Technologien für gescheitert erklärt, weil sie nicht in der Lage waren, diese vernünftig zu vermarkten. Im Schaffen von Begeisterung, Pragmatismus und Akzeptanz sind andere Nationen besser. Auf lange Sicht aber zeigt sich der Vorteil einer Ingenieurskunst auf Weltniveau: wer, wenn nicht wir, hat es in der Hand den Transformationsprozess durch kluge Lösungen zu beflügeln? Wer, wenn nicht wir, stellt die Weichen für eine Smart City? Wenn wir es schaffen, Technik, Recht und Verwaltung auf einfache und verständliche Art miteinander zu verknüpfen, ohne eine Disziplin dabei auszugrenzen, sind wir in der Lage Smart Cities im großen Stil mitzugestalten. In jeder einzelnen Disziplin liegen wir jetzt schon vorne. So sind es die im Vergleich zu den großen Visionen zunächst die kleinen aber pragmatischen Veränderungen, die den Grundstein legen für die großen vorausgesagten Veränderungen. Bis wir eine Smart City haben, wird ohnehin noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin sind wir gut beraten, unsere Verwaltung fit zu machen für den digitalen Wandel. Wir sind auf dem richtigen Weg!

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