Autonomes Fahren könnte eine wichtige Ergänzung für den Nahverkehr werden - Aber auch im ländlichen Raum bietet es Gemeinden enorme Möglichkeiten - Stichwort: Daten!
Autonomes Fahren könnte eine wichtige Ergänzung für den Nahverkehr werden - Aber auch im ländlichen Raum bietet es Gemeinden enorme Möglichkeiten - Stichwort: Daten!
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Studie bestätigt: Autonomes Fahren ist Riesen-Chance für Kommunen

Für Verkehrsplaner in den Städten und Gemeinden könnte es bald ein neues Zauberwort geben: Der "digitale Zwilling". Das ist die zentrale Aussage einer Studie, die der Verein der deutschen Ingenieure, VDI, in Auftrag gegeben hat. Und Kommunen können demnach noch mehr profitieren. Gehört der klassische ÖPNV auf dem Land bald der Vergangenheit an?

Hören die Deutschen das Stichwort "Autonomes Fahren", so kommt vor allem die German Angst zum Vorschein. Die Hälfte der Deutschen zweifelt etwa daran, dass Autonomes Fahren den Straßenverkehr sicherer macht. So steht es in einer neuen Studie des VDI. Der Verein sieht aber gleichzeitig enorme Chancen für Städte und Gemeinden. Das beginnt bei neuen Geschäftsmodellen, zeigt sich besonders aber vor allem beim schwierigen Thema ÖPNV, der vor allem auf dem Land alles andere als wirtschaftlich ist. Durch Autonomes Fahren könnte sich das schnell ändern. Jedoch ist das beiweitem noch nicht die Einzige große Chance für Kommunen. 

Autonomes Fahren und der ÖPNV 

Der ÖPNV ist aus Sicht des VDI ein ideales Einsatzfeld für fahrerlose Fahrzeuge. Allerdings als Ergänzung, nicht als kompletter Ersatz, so die Studienmacher. Konkret ließen sich schon jetzt in den Städten durch Autonomes Fahren die Kapazitäten erhöhen und der ländliche Raum erschließen. Das gelte insbesondere in Gebieten, in denen bisher der ÖPNV wirtschaftlich kaum bis gar nicht darstellbar war. Hier ist es also - anders als in Großstädten - weniger Ergänzung als doch vielmehr Erschließung. "Shuttles werden mittel- bis langfristig wirtschaftlich, weil man sich die Fahrer spart", so Lutz Eckstein vom VDI. Konkret rechnet er vor, dass durch ein autonom fahrendes Fahrzeug rund 120.000 Euro jährlich an Personalkosten eingespart werden. Er machte gleichzeitig auf das Problem vieler Städte und Gemeinden aufmerksam, überhaupt noch genügend Fahrer zu finden. 

Auch malt der VDI mit der nun vorgestellten Studie erstmals ein zeitliches Szenario. Innerhalb der nächsten 10 Jahre seien solche Shuttles im Regelbetrieb in Deutschlands Kommunen realistisch.

Anders sieht der Verband den Markt für autonome Taxis oder auch komplett autonom fahrende Privatfahrzeuge, hier nicht zuletzt aufgrund der Skepsis vieler Menschen. Bis  das Kind mit einem autonomen Taxi zur Musikschule gefahren wird, dürfte es nach Meinung des VDI noch einige Jahre länger dauern. 

Autonomes Fahren und das Thema Daten für Kommunen

Wir bei KOMMUNAL argumentieren ja schon seit Jahren, dass Verkehrsdaten, die durch neue technische Möglichkeiten entstehen, ein öffentliches Gut sind und somit in die Hände der Kommunen gehören. HIER etwa in unserem Leitartikel zur Zukunft des Landlebens. Und auch Experten haben bei uns in Gastartikeln immer wieder klar gemacht, dass Daten Allgemeingut sind und daher von Kommunen für die Verbesserung der Infrastruktur genutzt werden müssen, wie HIER etwa Digitalpionier Franz-Reinhard Habbel, der klar sagt, dass die 5G Technologie eben weit mehr ist als "nur" Technik. 

Doch nun springt auch der VDI mit seiner Studie in diese Kerbe und sagt: Kommunen können zu Treibern des autonomen Fahrens werden, weil sich für sie neue Geschäftsmodelle ergeben. Das Stichwort heißt hier der "digitale Zwilling". Damit meinen Experten, dass der Verkehr digital abgebildet wird. Er findet also einmal real statt und digital ist er 1:1 abrufbar, wird sekundengenau gespiegelt, stellt sich als digitaler Zwilling dar. Dieser digitale Zwilling sei eine Chance für Städte, Daten zu monetisieren und die Infrastruktur damit wirtschaftlich zu betreiben. 

Konkret sagt der VDI: Städte können zur Digitalplattformanbietern werden und diese auch vermarkten. Spannend sind die Daten etwa für Logistikdienstleister, die so ihre Belieferung deutlich effizienter abwickeln können. Bedingung wäre, dass a) Kommunen die Hoheit über die Daten haben und b) diese an private (natürlich unter Einhaltung des Datenschutzes) weitergeben dürfen. Logisch wäre das, haben die Kommunen doch schon heute Informationen über Ampelphasen und Verkehrsflüsse oder etwa die aktuellen Tagesbaustellen. Die Vernetzung all dieser Daten wäre ein Goldschatz. 

Doch wie kommen die Kommunen an die Daten. Auch hier macht der VDI einen Vorschlag: So wäre es möglich, dass Personen, die bereit sind, ihre Daten anonym zu teilen, günstiger oder kostenfrei in der Stadt parken dürfen. 

Wie nötig die engere Zusammenarbeit von Unternehmen und Kommunen in diesem Bereich ist, zeigt sich laut VDI-Studie beim Blick ins Ausland. "Das passiert in China stärker als hierzulande", so der VDI. Unsere Industrie versuche immer, möglichst unabhängig von Infrastruktur zu sein und lasse daher Potentiale liegen.